Uni Jena Was machen Lockdowns mit unserer Empathie?

Mit Krisensitationen gehen alle anders um. Was macht ein Lockdown mit unserem Mitgefühl? Ist es einfach da oder nicht, oder verändert es sich? Ein Psychologinnen-Trio aus Jena hat das untersucht.

Aus der Psychologie ist bekannt, dass empathische Menschen leichter Verantwortungsbewusstsein für andere entwickeln. Hat sich das durch Lockdown-Sitationen während der Corona-Pandemie geändert? Psychologinnen der Friedrich-Schiller-Universität haben untersucht, mit welchen Strategien Menschen mit den Ausnahmesituationen umgingen und was das mit ihrem Empathievermögen gemacht hat. Für die Studie wurden mehr als 1.300 Personen aus Deutschland und Großbritannien im ersten und zweiten Lockdown befragt.

Sozial aktiv sein stärkt Empathievermögen

Dr. Stefanie Hechler hat an der Studie mitgearbeitet. Sie sagt, Empathievermögen sei zum Teil von außen beeinflussbar, wenn wir zum Beispiel großem Stress ausgesetzt sind. Dann sei es schwierig, andere Perspektiven nachzuvollziehen oder sich um das Wohlergehen anderer zu sorgen: "Menschen, die während des Lockdowns ganz bewusst auf eine soziale Strategie zum Umgang mit der Pandemie, zum Beispiel auf die Pflege von positiven sozialen Kontakten setzten, berichteten, dass sie sich besser in andere Personen einfühlen könnten. Je stärker Menschen sozial agierten, etwa regelmäßig Austausch mit Familie und Freunden suchten und sich generell sozial eingebunden fühlten, desto mehr wuchs ihr emotionales Mitgefühl, ihre empathische Sorge gegenüber anderen. Diese Strategie korrelierte positiv mit der Solidarität gegenüber verschiedenen von der Pandemie stark betroffenen Personengruppen."

Die Form der Kontakte ist der Forscherin zufolge dabei nebensächlich. Persönliche Begegnungen, Telefonate oder Zoom-Gespräche: Alle hatten einen positiven Einfluss. Sich die eigene Strategie zum Umgang mit der Krisensiutaion klarzumachen wirkte sich positiv aus. In Zeiten extremer Anspannung und Stress zum Beispiel bei hohen Inzidenzwerten funktionierten diese Abwehrstrategien aber nicht besonders gut. Wobei auch hier die positiv empfundenen sozialen Kontakte die Auswirkungen der wahrgenommenen Gefahr auf Empathie senken.

Empathiegefühl ist kein Dauerläufer, es braucht Pflege!

Was bedeuten die Studienergebnisse für die Wissenschaft und die Gesellschaft? Forscherin Hechler sagt: "Wir haben gezeigt, dass das Empathievermögen zum Teil variabel ist und mit welchen Mitteln wir diese Fähigkeit zum Mitfühlen beeinflussen können – auch oder gerade in Zeiten des Ausnahmezustands". Also wirke nicht nur die persönliche Prägung des Einzelnen auf das Empathieempfinden, und gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch die umgebende Situation.“ In Situationen, in der hohe Solidarität wichtig sei, sollten daher besonders die sozialen Kontakte gepflegt werden, so weit es möglich sei, und sei es über Telefonate oder digitale Treffen, rät die Psychologin. Das alles stärke die Empathiefähigkeit und die Solidarität miteinander.

(lfw)

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