Fünf Fakten über Pilze Was Pilze alles können – außer gut schmecken

Egal, ob nach einem lauen Herbstregen oder einem ordentlichen Guss: Dann riecht der Wald am besten, besonders in den Herbstmonaten, wenn die Pilze sprießen. Aber was wächst da eigentlich alles? Und eignen sich Pilze wirklich nur für die Pfanne? Fünf spannende Fakten aus der Welt Pilze.

Waldpilze mit Rahmsauce
Bildrechte: imago/imagebro

120.000 Pilze sind wissenschaftlich beschrieben, die Forschung geht sogar von 3,8 Millionen Arten aus. Wenn wir im bisherigen Tempo weiterforschen, brauchen wir mindestens noch 1.500 bis 2.500 Jahre, um die unbekannten Pilze zu beschreiben, sagen David L. Hawksworth und Robert Lücking, zwei britische Botaniker in einer Studie.

Aber schon unter den bisher bekannten und beschriebenen gibt es sehr spannende Exemplare, wie unsere Galerie zeigt:

Vom Furz des Wolfes zum Blutenden Zahn: Die wundersame Welt der Pilze

Tintenfischpilz (anthurus archeri, clathrus archeri) auf einer Wiese.
Nanu, hat sich da ein Tintenfisch verlaufen? Nein, das ist ein Clathrus archeri, auf deutsch Tintenfischpilz und was nach Tentakeln aussieht, sind Teile des Fruchtkörpers. Der einst in Australien heimische Pilz ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland zu finden, besonders am Boden von Mischwäldern. Bildrechte: imago/blickwinkel
Tintenfischpilz (anthurus archeri, clathrus archeri) auf einer Wiese.
Nanu, hat sich da ein Tintenfisch verlaufen? Nein, das ist ein Clathrus archeri, auf deutsch Tintenfischpilz und was nach Tentakeln aussieht, sind Teile des Fruchtkörpers. Der einst in Australien heimische Pilz ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland zu finden, besonders am Boden von Mischwäldern. Bildrechte: imago/blickwinkel
Raupenpilz Ophiocordyceps sinensis in Menschenhand gehalten.
Den chinesischen Raupenpilz treffen wir bei uns nicht an. Er wächst in Tibet und gehört zu den Schlauchpilzen. Sein Lebensweg ist verblüffend – er parasitiert die Larven eines Nachtfalters und sein Fruchtkörper wächst schließlich aus dem Darm der Raupe. Als Frucht sieht man über der Erde dann einen kleinen blauschwarzen keulenartigen Stiel. In der traditionellen chinesischen Medizin ist er extrem begehrt. Bildrechte: imago images/Nature Picture Library
Pilz: Cyathus striatus
Wer hat denn da seine Eier gelegt, könnte man meinen. Dabei ist das ein Pilz: der bleigraue Topf-Teuerling Cyathus striatus. Im Englischen passt der Name besser: Vogelnestpilz. Die Schüssel beherbergt die eierartigen Sporenbehälter. Bildrechte: imago/blickwinkel
Cyathus olla.
Die Sporenbehälter in den Teuerlingen heißen Peridiolen - hier ein Topfteuerling - und sind mit einer Art Nabelschnur im Pilzbehälter befestigt. Im bäuerlichen Volksglauben wurden die Peridiolen mit Geldstücken verglichen - viele Periodiolen = das Leben wird teurer. Bildrechte: imago images/TT
Biolumineszenter Pilz Mycena chlorophos
Dieses leuchtende Pilzexemplar heißt Mycena chlorophos. Es gibt mehr als 70 solch fluoreszierender Pilzarten. Bildrechte: imago images/GFC Collection
Pilze
Der Hallimasch ist eigentlich ein unauffälliger Geselle. Jedenfalls das, was wir von ihm sehen. Unter der Erde bildet er gewaltige wurzelartige Stränge, mit denen er sich über weite Strecken mit Wasser und Nährstoffen versorgen kann. In den USA wurde 1992 ein gewaltiger Hallimasch entdeckt - 150.000 Quadratmeter groß, 100 Tonnen schwer und 1.500 Jahre alt. Bildrechte: Colourbox.de
Stinkmorchel
Kennen Sie den Pilz des Jahres 2020? Ein listiger Geselle, der Phallus impudicus, - "der schamlose Penis" - oder die Stinkmorchel, wie wir im Alltag sagen. Sie stinkt zum Himmel und Fliegen lieben die zuckerhaltige Schleimmasse an der Spitze, die die Sporen des Pilzes enthält. Die Insekten verteilen dann freundlicherweise die Sporen mit ihren Ausscheidungen. Wer den Pilz findet, wenn er noch eifömig ist, kann ihn essen: Diese Hexeneier lassen sich geschält wie Bratkartoffeln zubereiten. Bildrechte: imago images / Panthermedia
Angeleuchtete Phallus indusiatus bei Nacht.
Ein Versuch von züchtiger Bekleidung: Der tropische Pilz "Phallus indusiatus", in Spanien nennt man ihn auch "Brautschleier-Pilz." 2015 machte er als "Orgasmuspilz" Schlagzeilen, auf Frauen soll sein Geruch extrem erregend wirken. Bildrechte: imago images/Ardea
Glaenzender Lackporling (Ganoderma lucidum), Fruchtkörper an einem Baum
Im Wald gehen wir meist achtlos an ihm vorüber, nicht so in China: Ganoderma lucidum, der Glänzende Lackporling, wird dort der "Pilz der Unsterblichkeit" genannt und in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilmittel eingesetzt. Bildrechte: imago/blickwinkel
Rotbrauener Erdstern
Das Überraschungs-Ei unter den Pilzen: Wenn sich die Zipfel des rotbraunen Erdsterns Geastrum rufescens sternfömig öffnen, kommt eine helle Sporenkugel zum Vorschein. Wir finden ihn von Mai bis November in unseren Wäldern, essen kann man ihn nicht. Bildrechte: imago/blickwinkel
Igelstachelbart
Hängen da etwa Spaghetti am Baum? Nein, das ist ein Igelstachelbart-Pilz, Hericium erinaceus. Er gedeiht an Eichen oder Buchen und ist einer der wenigen Pilze, die Holzfasern zersetzen können. Bildrechte: imago/blickwinkel
Scharfer Korkstacheling  - Hydnellum pecki
Scharfer Korkstacheling - Hydnellum pecki. In Spanien nennt man ihn den Blutender-Zahn-Pilz. Der junge weiße Fruchtkörper scheidet rote Tröpfchen aus, er riecht lecker nach frischem Gebäck, ist aber alles andere als süß, sondern scharf. Man findet ihn von August bis Oktober im Nadelwald unter Fichten oder Kiefern. Bildrechte: imago/Metodi Popow
Drei Grüne Knollenblätterpilze im Gras
2019 war er der Pilz des Jahres, und gilt als der giftigste Pilz der Welt: Der Knollenblätterpilz, Amanita phalloides. Er wird oft mit dem essbaren Champignon oder grünen Täublingen verwechselt, dabei verrät er sich selbst: durch seinen angenehm süßlichen, an Kunsthonig erinnernden Duft. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Flaschenstäubling Lycoperdon perlatum
Man kennt ihn aus der Kindheit, weil er so sanft unter den Füßen verpufft und so seine Sporen in die Welt schickt: Den Flaschenstäubling Lycoperdon perlatum. In Spanien nennt man ihn den "Furz des großen Wolfes". Bildrechte: imago images/imagebroker
Scharlachroter Kelchbecherling
Wer im Herbst in die Pilze geht, findet ihn garantiert nicht: den Scharlachroten Kelchbecherling Sarcoscypha coccinea. Der zeigt nämlich erst im Frühjahr seine knallroten Fruchtkörper, manchmal auch in milden Wintern. Bildrechte: imago/CHROMORANGE
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Welcher Pilz ist der größte?

Pilze
Über der Erde eher klein und unscheibar. Aber im Boden kann das Myzel gewltige Flächen besiedeln. Bildrechte: Colourbox.de

Der Hallimasch. 1992 fanden Pilzforscher heraus, dass ein Pilz dafür verantwortlich war, dass in einem Wald in Michigan junge Kiefern eingingen. Die Untersuchung des Pilzes ergab nämlich, dass er sich auf eine Fläche von 150.000 Quadratmetern erstreckte: 100 Tonnen schwer und 1.500 Jahre alt.

Pilze reinigen Abwasser von Medikamenten

Pilze sind vielseitig nutzbar, nicht nur als leckerer "Schmurgelstoff" mit Petersilie in der Pfanne. Zum Beispiel als Bio-Filter für Pillenreste im Abwasser. Sie können chemische Verbindungen von Medikamenten auftrennen und so biologisch abbaubar machen. Daran wird in Dresden getüftelt.

Pilz am Fuß – kann auch ein Kleidungsstück sein

Pilz wächst heran
Bildrechte: Antoni Gandia (Mogu S.r.l.)

Pilze, die man anziehen kann? Andere Forschungen sehen tatsächlich Pilze als den Grundstoff von Morgen, und zwar für Schuhe, Gürtel, Taschen oder Kleider. Am Leder-Ersatz wird in Österreich geforscht, und genutzt werden dafür Pilze, die flächenartig auf Reststoffen aus der Forstwirtschaft wie Sägemehl wachsen. Ein Vorteil des "Lederpilzes" gegenüber dem Rinds- oder Schweinsleder: Es wächst in wenigen Wochen.

Pilze lassen ihre Sporen im Fliegenkot transportieren

Stinkmorchel
Die Stinkmorchel Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wenn es im Wald mal übel riecht, ist man vermutlich dem Pilz des Jahres 2020 auf der Spur, der Stinkmorchel. Lateinisch: Phallus impudicus – der schamlose Penis. Und wenn der reif ist, müffelt er nach Aas – unwiderstehlich für Fliegen. Die stürzen sich auf die zuckerhaltige Sporenmasse des listigen Pilzes und verteilen über ihren Kot wiederum die Sporen der Stinkmorchel.

Von 5.000 Pilzsorten ist jeder 50. ein Giftpilz

Nicht alles, was nach Wiesen-Champignon aussieht, ist auch einer. Im dümmsten Fall ist es nämlich ein richtig giftiger Kollege, wie der Knollenblätterpilz. Aber man muss auch sagen: Von 5.000 Pilzsorten, die es in hiesigen Regionen gibt, ist nur etwa jeder fünfzigste ein Giftpilz, jeder zehnte aber ein Speisepilz.

Vorsicht beim Sammeln! Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger

Pilz
Steinpilze Sie gehören zu den beliebtesten Speisepilzen überhaupt: Steinpilze. Von ihnen gibt es mehrere Arten, die für die meisten Pilzsammler kaum zu unterscheiden sind. Die Bezeichnung rührt daher, dass ihr Fleisch fester ist, als das der meisten anderen Pilze. Steinpilze bilden eine eigene Sektion in der Gattung der sogenannten Dickröhrlinge. Von anderen Gattungsvertretern heben sie sich durch jung weiße, später auch blassgelb verfärbende Röhren ab. Ein weiteres Merkmal: Bei Bruch oder Anschnitt verfärbt sich das Fleisch von Steinpilzen nicht. Bildrechte: Colourbox.de
Pilz
Steinpilze Sie gehören zu den beliebtesten Speisepilzen überhaupt: Steinpilze. Von ihnen gibt es mehrere Arten, die für die meisten Pilzsammler kaum zu unterscheiden sind. Die Bezeichnung rührt daher, dass ihr Fleisch fester ist, als das der meisten anderen Pilze. Steinpilze bilden eine eigene Sektion in der Gattung der sogenannten Dickröhrlinge. Von anderen Gattungsvertretern heben sie sich durch jung weiße, später auch blassgelb verfärbende Röhren ab. Ein weiteres Merkmal: Bei Bruch oder Anschnitt verfärbt sich das Fleisch von Steinpilzen nicht. Bildrechte: Colourbox.de
Ein Pilz: Gallenröhrling
Gallenröhrling Als zumindest ungenießbarer Doppelgänger von Steinpilzen hat der sehr bittere Gallenröhrling so manchem Pilzfreund schon das Essen verdorben. Vor allem jung kann er Steinpilzen sehr ähneln. Anders als dieser hat er jedoch eine dunkle Netzzeichnung auf dem meist ocker-gelblichen Stiel, während der Steinpilz vor allem am oberen Stielende ein weißes Stielnetz aufweist. Darüber hinaus färben sich die Röhren des Gallenröhrlings im Alter schmutzig-rosa, die des Steinpilzes jedoch oliv. Kostet man eine kleine Probe des Gallenröhrlings wird man seine Bitterkeit sehr deutlich bemerken. Giftig ist der aufgrund seines Geschmacks auch als Bitteröhrling bekannte Pilz allerdings nicht. Bildrechte: IMAGO / Harald Lange
Wiesenchampignon
Besonders hoch ist die Verwechslungsgefahr von Speise- und Giftpilzen vor allem bei sogenannten Blätter- oder Lamellenpilzen. Auch die sehr beliebten und schmackhaften Wiesen-Champignons gehören dazu. Sie sind häufig auf Wiesen, Weiden und sogar im eigenen Garten zu finden. Ganz wichtig! Beim Anschnitt der Stielbasis sollte das Fleisch weiß bleiben oder sich leicht rötlich verfärben. Auf keinen Fall darf es aber kräftig gelb anlaufen! Bleiben die Lamellen hell oder gar weiß, kann es sich sogar um einen gefährlichen Giftpilz wie z.B. den Weißen Knollenblätterpilz handeln. Bildrechte: imago/blickwinkel
Karbol-Champignons
Gift-Champignon Der dem Wiesen-Champignon sehr ähnlich sehende Gift-Champignon wächst ebenfalls auf Wiesen und Weiden. Allerdings riecht der Gift-Champignons sehr unangenehm, was ihm auch den Namen Karbol-Champignon eingebracht hat. Außerdem färbt sich seine Stielbasis im Schnitt schnell und intensiv gelb. Der Gift-Champignon gilt als schwach giftig. Vergiftungen führen zu heftigem Erbrechen und Durchfall, in schweren Fällen auch zu Schwindel und Sehstörungen. Bildrechte: imago/blickwinkel
Egerlingsschirmling
Auch der nicht essbare Egerlingsschirmling wird gelegentlich mit dem Wiesenchampignon verwechselt. Bildrechte: imago/Metodi Popow
Ein Pilz: Frauentäubling
Frauentäubling Auch bei den beliebten Täublingspilzen sollte man stets genau hingucken. Am sichersten ist der Frauentäubling zu bestimmen: ein großer, kompakter Pilz, der vor allem in Buchenwäldern, aber auch unter Eichen und Fichten vorkommt. Andere Täublingsarten sind entweder schwer bestimmbar oder das Sammeln lohnt kaum. Ganz wichtig! Täublinge haben niemals einen Ring oder eine Manschette, geschweige denn eine Knolle an der Wurzel. Bildrechte: IMAGO / imagebroker
Drei Grüne Knollenblätterpilze im Gras
Grüner Kollenblätterpilz Grün gefärbte Täublinge können bei Leichtfertigkeit mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Das ist schon passiert. Für eine sichere Bestimmung sollte man die Pilze deshalb immer vorsichtig herausdrehen und nicht abschneiden! Der Verzehr nur geringer Mengen des Fruchtkörpers dieses Giftpilzes kann zu einer tödlichen Pilzvergiftung führen, da die enthaltenen Gifte ein Leberversagen verursachen. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Pantherpilze
Pantherpilz Anders beim giftigen Pantherpilz, der häufig mit dem Perlpilz verwechselt wird. Dessen Manschette ist stets ungerieft. Der Pantherpilz ist für Menschen giftig. Knapp sieben Prozent aller Pilzvergiftungen gehen auf sein Konto. Ein bis zwei Stunden nach dem Verzehr des Pilzes und der damit verbundenen Vergiftung treten Übelkeit, Durchfall und Erbrechen ein, die Haut rötet und die Pupillen weiten sich. Anschließend macht sich ein Übergang zu Erregungs- und Rauschzuständen bemerkbar, Krampfanfälle und Verwirrtheit können ebenso auftreten. Bildrechte: imago/Metodi Popow
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(lfw)

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