Bildung In Leipzig: Grüner Wasserstoff als Schulstoff

Wissen Sie was Grüner Wasserstoff ist? Mit der Fragen können Sie viele Menschen in Verlegenheit bringen, egal wie alt die sind. Auch Kinder und Jugendliche wissen wenig bis nichts mit dem Begriff "Grüner Wasserstoff" anzufangen. Ein Leipziger Gymnasium hat jetzt das Fach gleichen Namens eingeführt – ein Modul, das die Schüler und Schülerinnen wählen können. Es ist prompt auf großes Interesse gestoßen. MDR WISSEN war bei der ersten Unterrichtsstunde dabei.

Schulunterricht im Fach Chemie
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Kurz vor acht Uhr im Treppenhaus des Gustav-Hertz-Gymnasiums in Leipzig-Paunsdorf: Auf den Fluren Stimmengewirr, Gelächter, eilige Schritte. Auch im Chemie-Kabinett trudeln langsam die Achtklässler ein. Auf ihrem Unterrichtsplan steht heute das Fach "Grüner Wasserstoff". Die Jugendlichen sind gespannt, was sie erwartet. Vielen sagt der Begriff gar nichts, einzelne haben eine vage Vorstellung, zum Beispiel, dass er ein vielseitiger Rohstoff ist und nützlich für die Stromgewinnung.

Das wird sich im nächsten Halbjahr ändern, die Vermutungen werden von Wissen ersetzt: Die Jugendlichen lernen alles über den Unterschied zwischen Grünem und Grauem Wasserstoff; erfahren, dass der graue aus fossiler Energie gewonnen wird, und der grüne aus erneuerbarer, und dass Wasserstoff das Zeug hat, für den Energiespeicher der Zukunft. Vermittelt wird das alles ganz praktisch, mit Elektrolyse-Versuchskoffern und Lernspielen.

Die Kinder sollen auch Fachkräfte aus der Branche kennenlernen, die dann ganz praktisch aus den Berufsbildern der Wasserstoffwirtschaft erzählen. Außerdem gehört auch eine Exkursion zu einer Versuchsanlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in die Unterrichtsreihe. Dort können die Kinder anhand einer Simulation nachvollziehen, wie die Verteilung von Wasserstoff bis hin zum Anschluss an Privathaushalte funktionieren kann. Und dann sollen die Jugendlichen erarbeiten, ob und wie im Gustav-Hertz-Gymnasium Energieversorgung mit grünem Wasserstoff möglich wäre. 

Wie das Wasserstoffprojekt in die Schule kam

Für Schulleiterin Heike Poschmann ein sehr wichtiges Thema, und nicht nur für sie: "Wir sind auf ein sehr großes Schülerinteresse gestoßen. Wir bieten das Profil dieses Jahr sogar zweimal an. Ich denke, da haben wir ein bisschen auch den Nerv, den Zeitgeist getroffen." Die Idee für das neue Unterrichtsfach "Grüner Wasserstoff" kam von "Hypos". Hypos ist ein Netzwerk aus Konzernen, die grüne Wasserstoffprojekte entwickeln und umsetzen. Mareike Wald ist fort für das Projekt zuständig. Keine leichte Aufgabe, während der Pandemie ein Format umzusetzen, das wirklich viele Menschen erreicht. HYPOS will vor allem Menschen für Grünen Wasserstoff interessieren, denn es fehlen Fachkräfte.

Ursprünglich seien Online-Dialoge geplant gewesen, die allerdings nicht gut angenommen werden. Also muss man früher ansetzen, sagt Mareike Walde: "Da im Technologiebereich der Fachkräftemangel auch ein großes Thema ist, haben wir uns entschlossen, das Fundament für das Verständnis von grünem Wasserstoff schon früher, und zwar auf schulischer Ebene zu legen." Mareike Wald schrieb daraufhin Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland an.

Tatsächlich ist das Gustav Hertz Gymnasium in Leipzig Paunsdorf die einzige Schule, die zugegriffen hat. Das liegt daran, dass "Grüner Wasserstoff" gut ins Profil der Schule passt, erklärt Schulleiterin Heike Poschmann, die ohnehin auf der Suche nach Themen für den neuen Lehrplan war. "Es passt zur Ausrichtung unserer Schule, die auf Nachhaltigkeit basiert, und es passt auch zum Zeitgeist, sich mit grünen Alternativen auseinander zu setzen."

Was die Kinder lernen

Um grünen Wasserstoff zu produzieren braucht man Sonnen- oder Windenergie, werden die Schüler im Modul "Grüner Wasserstoff" lernen. Mit dieser Energie spaltet man Wasser in Sauer- und Wasserstoff auf und hat somit die Energie im Wasserstoff gespeichert. Genutzt werden kann sie dann für ganz unterschiedliche Zwecke: zum Beispiel, um das Haus im Winter warm zu halten, für die chemische Industrie oder als Sprit für Autos, Lastwagen, Busse und Züge. Auf klimaschädliche Energie aus Kohle oder Gas kann man so verzichten.

Im nächsten halben Jahr lernen die Schüler mehr über die Produktion von Grünem Wasserstoff. Über allem steht die Begriffe Nachhaltigkeit und grüne Alternativen. Am Ende des Halbjahres sollen dann alle aus dem Modul ein eigenes Handbuch über Grünen Wasserstoff in den Händen halten. Im Moment sind die Leipziger Gymnasiasten deutschlandweit die einzigen Jugendlichen, die Grünen Wasserstoff als Unterrichtsfach haben. Und wie es derzeit aussieht, werden sie erst einmal auch die einzigen bleiben.

Auf dieser Webseite wird das Projekt vorgestellt.

Ein Mann betrachtet in einem Labor ein Gefäß mit Flüssigkeit, welches in eine Apparatur eingespannt ist. 4 min
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