Untersuchung Kinosaal: Gute Lüftung sorgt für geringes Corona-Infektionsrisiko

Gemütlich einen guten Film im Kino genießen: Viele haben dabei derzeit ein mulmiges Gefühl. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sind die Kinos offen, mit G-Regeln, Maske und Abstand natürlich. Ist da wirklich keine Infektionsgefahr bei so vielen Menschen in einem Kinosaal? Das Risiko ist tatsächlich sehr gering, hat ein Forschungsteam des Fraunhofer Instituts jetzt herausgefunden.

Messung der Lüftungssituation und Aerosolausbreitung im Kinosaal »Neues Rex« in München. Der Einfluss von Besuchern wird dabei durch Wärmelastsimulatoren nachgestellt.
Untersuchungin einem Münchner Kino: Wie verhalten sich Aerosole im Kino? Bildrechte: Fraunhofer IBP

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als säßen im Fraunhofer-Experiment Crash-Test-Dummys vor der Leinwand. Diese künstlichen Kinobesucher halfen Forschenden des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, herauszufinden, wie groß das Risiko von Corona-Infektionen im Kino wirklich ist, erklärt Professor Dr. Gunnar Grün: "Wir haben uns die Kinos experimentell angeschaut und gemessen, wie viele Partikel wir noch in einem typischen Abstand von 1,50 Meter finden und wieviel infektiöses Material noch anhand von Bioproben. Was kommt in einer solchen Entfernung von einer möglicherweise infektiösen Person an? Diese Ergebnisse nutzen wir dann, um im Computer mit Ausbreitungssimulationen typische andere Situationen nachzustellen."

Wie sich Aerosole im Kinosaal verhalten

Auf Kinosesseln sitzen menschenähnliche Objekte
Messungen werden in einem Kinosaal "Neues Rex" in München durchgeführt Bildrechte: Fraunhofer IBP

In ihrem Experiment haben die Bauphysiker also Partikel und Aerosole in den Kinosaal eingeleitet, ganz so, als würden Menschen sie ausatmen. Die künstlichen Kinobesucher strahlten dabei Wärme aus wie echte Personen. Denn so funktioniert die sogenannte Quelllüftung: Frische Luft strömt von unten in den Saal, erwärmt sich an den warmen Menschen und steigt nach oben, wo sie abgesaugt wird, erläutert Wissenschaftler Grün: "Wir sehen in den experimentellen Untersuchungen, dass in einem Kino mit Quelllüftung diese Luft durch die Personen hauptsächlich nach oben abgeführt wird. Dementsprechend verteilt sich ein mögliches Infektionsrisiko nicht großartig um einen Platz herum, sondern wird nach oben in den Raum abgeführt."

Prinzip der Quelllüftung weit verbreitet, nicht nur in Kinos

Die meisten moderneren Kinos haben eine Lüftungsanlage, die so funktioniert, erläutert Grün weiter. Prinzipiell ließen sich die Ergebnisse auf alle Räume mit Quelllüftung übertragen. Das sei etwa auch oft bei großen Konferenzräumen der Fall, sagt Dr. Gunnar Grün: "Dieses Prinzip wird typischerweise in Räumen verwendet, in denen Sie viele Wärmelasten wie in einem Zuschauerraum haben, wo Sie viele Personen platzieren. Das Prinzip wird schon lange genutzt und ist weit verbreitet, gerade in Zuschauerräumen wie in Kinos." Der Fraunhofer-Forscher ist sich sicher: Kombinieren Kinos die Quelllüftung mit dem Tragen von Masken und einer gesteuerten Besucherführung, lässt sich das Risiko für Infektionen erheblich reduzieren.

Zukunft: Wie machen wir Kinos und Säle infektionssicher?

Das Forschungsteam geht sogar noch weiter. In einem nächsten Schritt untersuchen sie, ob sie das Kinoerlebnis künftig sogar noch sicherer machen können. Professor Dr. Gunnar Grün: "Deswegen schauen wir uns an: Wie kann ich Luft in großen Räumlichkeiten, in denen sich Personen begegnen, zusätzlich reinigen. Gibt es da Verfahren, die wir anwenden können? Davon probieren wir gerade einige aus." Auch nach der Pandemie wäre es ja gut für das Wohlbefinden, möglichst saubere Luft im Kinosaal zu haben, meint Grün. Und natürlich, um in Zukunft besser vorbereitet zu sein. Um die Kinos in Deutschland schon jetzt zu unterstützen, baut das Forschungsteam gerade eine Anlaufstelle im Internet auf: Dort sollen Kinobetreiber alle Informationen bekommen, um ihre Häuser möglichst sicher vor Infektionen zu machen.

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MDR KULTUR - Das Radio Do 20.05.2021 10:06Uhr 04:45 min

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