Interaktive Karte Sachsen-Anhalt hat das größte Potenzial für Windkraft

Nach fünf Jahren Forschungsarbeit gibt es jetzt einen Atlas, der zeigt, welche Flächen in Deutschland für konfliktfreie Windenergie geeignet sind. In Sachsen-Anhalt ist das Potenzial demnach besonders groß.

Vorschaubild Flächenpotenziale für Windkraft in Sachsen-Anhalt
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Die Energiewende ist ein zentraler Baustein bei der Reduzierung von CO2-Emissionen. Und die Windenergie ist wiederum ein zentraler Baustein bei dieser Energiewende. Aber wo ist es überhaupt sinnvoll, großflächig Windräder aufzustellen?

Dieser Frage ist eine Forschungsgruppe des Instituts für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover (LUH) fünf Jahre lang intensiv nachgegangen. Und mit "sinnvoll" war dabei nicht der Wirkungsgrad der Anlagen gemeint. Das Augenmerk lag darauf, dass Konflikte um Standorte und Ausmaß der Anlagen vermieden werden sollen. Sprich: Die Windräder sollen so gut wie möglich im Einklang mit Mensch und Natur stehen.

Stärke der Störungen von Natur und Mensch ergibt Raumwiderstand

Die drei wichtigsten Punkte dabei: Möglichst keine Störung für Natur und Biodiversität (Naturschutzgebiete, Nationalparks etc. scheiden als Standort aus) , möglichst keine akustische Störung für Menschen (gesetzlich vorgeschriebene Abstände von Siedlungen) und möglichst keine optische Störung für Menschen (z.B. in wichtigen Naherholungsgebieten). All diese Störungsarten fassen die Erstellerinnen der Daten unter dem Begriff "Raumwiderstand" zusammen.

Außerdem ist wichtig zu erwähnen, dass die Berechnungen anhand eines bestimmten Windkraftanlagentyps gemacht wurden.

Da es sich um eine hohe und vergleichsweise laute Anlage handelt, sind die Puffer/Abstandsflächen entsprechend groß.
Mit anderen Anlagen würden also andere Datensätze entstehen.

Dr. Julia Wiehe, Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover (LUH)

Weniger als vier Prozent taugliche Fläche für Windräder

Deutschlandweit eignen sich laut der Forschungsarbeit etwa 1,5 Prozent der Gesamtfläche besonders gut. Die Forscherinnen nennen das "Flächen mit geringem Raumwiderstand". Auf ihnen sei die Installation von großen Windanlagen weitgehend konfliktfrei möglich.

Hinzu kommen Flächen mit "mittlerem Raumwiderstand", weitere 2,3 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, wo eine Windenergienutzung nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen unter Anpassung an spezifische Standortgegebenheiten voraussichtlich naturschonend möglich ist.

Die Daten könnten in Zukunft zur Standortsuche für Windenergieanlagen genutzt sowie zur Bestimmung eines bundesweit abgeleiteten Ausbauziels verwendet werden. So könnte besser abgestimmt werden, wo Windkraft überhaupt sinnvoll ist und wo lieber auf Photovoltaik als erneuerbare Energiequelle gesetzt werden sollte. In Kombination mit Wasserkraft, Offshore-Windenergie und Geothermie sei das ein ausreichendes Potenzial für eine hundertprozentige regenerative Energieversorgung.

Landkarte: Diese Flächen in Sachsen-Anhalt eignen sich für neue Windkraftanlagen

Die Wissenschaftlerinnen haben ihre Flächendaten als sogenannte Shapefiles zur Verfügung gestellt. Wir haben daraus eine Karte für Sachsen-Anhalt gebaut, in die Sie beliebig weit hineinzoomen können. So können Sie sehen, ob auch Flächen in Ihrer Region Potenzial für möglichst konfliktfreie Windräder haben.

Violett gefärbte Flächen stehen für "geringen Raumwiderstand", also besonders gut geeignete Gebiete. Gelbe Flächen stehen für "mittleren Raumwiderstand".

Große Teile Sachsen-Anhalts haben demnach Potenzial, vor allem im breiten Gürtel nördlich und östlich des Harzes bis heran nach Halle und Magdeburg. Auch die Altmark bietet viele potenzielle Flächen, allerdings oft mit der Einschränkung des "mittleren Raumwiderstandes".

Sachsen-Anhalt ist damit in Bezug zur Landesgröße deutschlandweit Spitzenreiter, was Dichte und Größe der potenziell nutzbaren Flächen für Windkraftanlagen angeht.

Mitteldeutschland- und Deutschlandkarte ebenfalls verfügbar

Je umfangreicher die Flächendaten sind, umso mehr verlängert sich die Ladezeit der Karten. Deshalb haben wir uns entschieden, Karten, die mehr als ein Bundesland abbilden, nicht in diesen Artikel einzubetten, sondern für Interessierte gesondert anzubieten.

Hier finden Sie eine gleichartige Karte für ganz Mitteldeutschland, also Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen.

Und hier gibt es eine Deutschlandkarte, auf der allerdings nur die violetten Flächen mit "geringem Raumwiderstand" zu sehen sind. (Die vielen Flächen mit "mittlerem Raumwiderstand" zwingen den Karten-Server in die Knie.)

Außerdem - wenn Sie wissen, wie mit Shapefiles umzugehen ist - können Sie sich hier die Original-Daten der Forschungsgruppe für ganz Deutschland herunterladen.

(rr/idw)

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