6. IPCC-Sachstandbericht Klimakrise vor der Haustür: Was sie für Europa bedeutet

Im jetzt veröffentlichten zweiten Teil des 6. Weltklimaberichts wird erneut klar: Der Klimawandel ist kein Problem des globalen Südens. Auch Europa wird er hart treffen. Wie genau und welche Chancen auf Anpassung es gibt – wir fassen zusammen.

Nahaufnahme zerstörtes Schild mit Wegweiser Nepomuk Restaurant. Im Hintergrund unscharf Fachwerkhäuser vor grünem Waldhügel und Abtransport von Schlamm.
Im Sommer 2021 zeigte die Klimakrise im Ahrtal, was eine Flutkatastrophe in Mitteleuropa bedeutet. Es konnte aber auch verhältnismäßig schnell geholfen werden. Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Dass insbesondere arme Länder des globalen Südes mit dem Klimawandel zu kämpfen haben, aber weder dafür hauptverantwortlich sind, noch die Ressourcen der Industrieländer haben, den Folgen zu begegnen – das ist schon für sich gesehen eine höchst problematische Sachlage. Allerdings sind auch die Folgen der Klimakrise in Europa nicht zu vernachlässigen, sondern sie bedrohen Menschen vor unserer eigenen Haustür, wie der zweite Teil des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC zeigt. Die Kernbotschaft: Das Handlungszeitfenster schließt sich zunehmend, wir müssen uns schleunigst anpassen und das Schlimmste verhindern. Auch in Europa.

Zwar ist unser Heimatkontinent mit seiner geballten finanziellen Kraft in der Lage, den Folgen der Klimakrise zu begegnen – fest steht aber auch: Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Vier Risiken stehen dabei im Vordergrund: Die Auswirkungen der Hitze auf Menschen und andere Tiere, die Auswirkungen auf Lebensmittelpflanzen, Wasserknappheit sowie Überschwemmung und Meeresspiegelanstieg.

Grafik zeigt vier Karten von Europa und die deutliche Zunahme von Hitzetagen höher gleich 35 Grad bei einer Erwärmung von 1,5 Grad und insbesondere 3 Grad – besonders in dicht besiedelten Regionen. Außerdem eine Zunahme des Maximum-Tagesniederschlags, bei 1,5 Grad besonders im Norden und Osten Deutschlands, bei 3 Grad in weiten Teilen Europas.
Die Auswirkungen bei einer Erwärmung um drei Grad wären auch für Europa verheerend. Bildrechte: IPCC/MDR WISSEN

1. Hitze als Risiko für Tier und Mensch Bei einer Erwärmung um drei Grad wird die Zahl der Hitzetoten und Menschen, die durch die Hitze einem Risiko ausgesetzt sind, um das Zwei- bis Dreifache einer Erwärmung um 1,5 Grad steigen. Oberhalb von drei Grad sind dem Anpassungspotenzial von Mensch und Gesundheitssystem Grenzen gesetzt. Die Erwärmung lässt auch Lebensräume für Land- und Meerestiere schrumpfen. Die Zusammensetzung von Ökosystemen wird ab zwei Grad Erwärmung irreversibel geschädigt. Eine weitere Gefahr geht von Bränden aus. Es wird erwartet, dass sich gefährdete potenzielle Brandgebiete weiter ausdehnen.

2. Hitze, Dürre, Ernteausfälle Im 21. Jahrhundert werden für die meisten Regionen Europas starke Verluste von landwirtschaftlichen Produkten erwartet. Die können auch nicht durch Erntezuwächse im Norden Europas kompensiert werden. Zwar besteht die Möglichkeit, sich den Gegebenheiten durch Bewässerung anzupassen – bei einer Erwärmung von über drei Grad ist aber von einer zunehmenden Wasserknappheit auszugehen.

3. Wasserknappheit Gerade in Südeuropa wird bei einer Erwärmung um zwei Grad ein Drittel der Bevölkerung von Wasserknappheit betroffen sein. Zwischen zwei und drei Grad wird sich dieses Risiko verdoppeln, was auch mit starken wirtschaftlichen Schäden in Bereichen einhergehen wird, die von Wasser und Energie abhängig sind. Auch in Westeuropa wird ein starker Anstieg von Wasserknappheit erwartet.

4. Überflutung und Anstieg des Meeresspiegels Bei einer Erwärmung über drei Grad können sich die Schadenskosten und die Zahl der Menschen verdoppeln, die von Überflutung durch Niederschlag und Flüsse betroffen sind. Überschwemmungen in Küstenregionen werden bis Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich mindestens um das Zehnfache zunehmen. Küstenorte sind in ihrer Existenz stark bedroht, insbesondere auch nach 2100.

Was tun?

Die bekannten Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele müssen deutlich konsequenter verfolgt werden als das zur Zeit der Fall ist. So kann erreicht werden, dass die globale Erwärmung nicht über 1,5 Grad hinausgeht. Gleichzeitig ist es notwendig, dass Europas Städte umgebaut werden, um der Hitze besser zu begegnen. Das betrifft die Stadt- und Raumplanung genauso wie die Architektur. Naturschutzgebiete müssen konsequenter geschützt und ausgebaut werden.

In der Landwirtschaft ist ebenfalls ein weiteres Umdenken notwendig. Landwirtschaftliche Praktiken müssen überdacht werden, auch die Arten von Nutzpflanzen und -tieren. Um der Wasserknappheit zu begegnen, müssen Kreislauf, Speicherung und Wiederverwertung effizienter gestaltet werden. Außerdem braucht es Änderungen bei der Landnutzung und Frühwarnsysteme in Bezug auf Wasserknappheit. Solche Systeme werden auch in Bezug auf Überflutung benötigt, Raum für Wasser und Anpassung durch das Ökosystem sollte reserviert werden.

Fehlendes Gespür für den Klimawandel

So wie es derzeit aussieht, stehen der Anpassung an den Klimawandel aber noch beachtliche Schranken im Wege: Begrenzte Ressourcen, ein fehlendes Engagement im privaten Sektor und bei der Bevölkerung, fehlende finanzielle Mittel, fehlende politische Führung und – nochmals – das fehlende Gespür sind Grenzen, denen die Anpassungsmaßnahmen derzeit ausgesetzt sind.

So reichen die Maßnahmen in weiten Teilen Europas derzeit nicht aus, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wenn sich das nicht ändert, wandert der Kontinent in Richtung einer Katastrophe, die durch den Verlust von Lebensräumen und Ökosystemen, hitzebedingten Todesfällen, Ernteausfällen, Landverlust und Wasserrationalisierung gekennzeichnet ist. Und das ist eben nur ein kleiner Teil dessen, was der Klimawandel für die Welt bedeutet.

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