Obst und Gemüse Gesunde Ernährung im Arbeitsumfeld "färbt ab"

Äpfel und Möhren in der Frühstücksdose, Salat in der Kantine. Wenn Kolleginnen und Kollegen mehr Obst und Gemüse essen, dann tut man es auch selbst eher, zeigt eine Studie.

Eine Junge Geschäftsfrau die isst im Büro.
"Die Kollegin gegenüber bringt sich immer Salat mit. Tue ich das morgen auch?" Bildrechte: IMAGO / Westend61
Mitarbeiter beim Essen.
Laut Studie gibt es immer eine "aktuelle Gesundheitsnorm am Arbeitsplatz", die sich im Laufe der Zeit verändern kann. In diesem Büro dürfte sie wohl "viel Obst und Gemüse" lauten. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Dass das private Umfeld – also Familie und enge Freunde – Einfluss auf die eigene mehr oder weniger gesunde Lebensweise haben kann, wurde schon durch viele Studien belegt. Nicht oder kaum untersucht wurde bislang aber, ob Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit einen ähnlichen Effekt bewirken. Diesem Thema haben sich nun Lea Ellwardt, Professorin an der Universität zu Köln, und Anne van der Put von der Universität Utrecht in einer Studie gewidmet. Die beiden Wissenschaftlerinnen nutzten für diese Meta-Analyse Daten von insgesamt 4.345 Menschen in 113 Unternehmen, die während der "Europäischen Erhebung über nachhaltige Arbeitskräfte" gesammelt worden waren.

"Die Studie ist eine der ersten, die sich mit der Rolle des Verhaltens von Kollegen befasst und dabei einen Netzwerkansatz verfolgt, der auch direkte Kollegen einbezieht", sagt Lea Ellwardt. Das habe eine feinkörnigere Analyse ermöglicht, indem zum Beispiel kleine, enge Kollegenkreise von großen, nicht so engen unterschieden werden konnten.

Obst essen, Gemüse essen, Sport treiben – das waren die drei gesundheitsfördernden Punkte, zu denen Daten vorlagen. Hat es also einen Einfluss, wenn die Menschen, mit denen ich bis zu acht Stunden pro Tag am Arbeitsplatz verbringe, gesünder leben als ich? Gleicht man sich irgendwann an? Tendenziell auf jeden Fall, lautet die Antwort in der Studie, zumindest was das Obst- und Gemüseessen angeht. Beim Sporttreiben hingegen ist es etwas differenzierter.

Ermutigung vs. Verhalten

Die Forscherinnen unterteilten ihre Untersuchungen in zwei Aspekte. Einmal wurde darauf geschaut, was passiert, wenn Kollegen sich aktiv gegenseitig ermutigen, also zum Beispiel viel darüber sprechen, gesünder zu leben. Und andererseits ging es ums bloße Verhalten, wenn es in der Kollegenschaft also unterschiedlich gesunde Lebensstile gibt, man aber nicht darüber spricht.

Kantinenessen
"Wenn mein Kollege Schnitzel mit Pommes nimmt, dann mache ich das auch." Bildrechte: IMAGO / Manfred Segerer

In der ersten Fallgruppe (Ermutigung) ließen sich klare statistische Einflüsse auf Obst, Gemüse und Sport ablesen. Mit anderen Worten: Wer von Kollegen ausdrücklich dazu ermutigt wird, pflegt dann auch mit höherer Wahrscheinlichkeit einen gesünderen Lebensstil.

Das Gleiche ließ sich für Obst und Gemüse auch in der zweiten Fallgruppe (Verhalten) feststellen. Das heißt, plump gesprochen: Wenn die Kollegen immer Äpfel und Möhren in ihrer Brotbüchse haben und beim gemeinsamen Mittagessen eher gemüselastig unterwegs sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich bald genauso ernähre, deutlich höher als in einem Schinkentoast-und-Schnitzel-Kollegenkreis.

Ob diese Angleichung eher durch eine "positive" Vorbildwirkung oder ein "negatives" Gruppenzwang-Gefühl geschieht, konnte allerdings nicht untersucht werden, das gaben die Daten nicht her.

Ausnahme Sport

Beim Thema Sporttreiben war das Erstaunen der Studienautorinnen recht groß. Denn in der Fallgruppe "Verhalten" (also ohne ausdrückliche verbale Ermutigung) wurde eine negative Korrelation festgestellt. Grob gesagt: Je mehr Kolleginnen und Kollegen Sport treiben (ohne darüber zu reden), umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich es auch tue.

Vollständig erklären können sich die Autorinnen dieses Phänomen nicht. "Eine Erklärung für unser negatives Ergebnis könnte sein, dass körperliche Aktivität typischerweise außerhalb der Arbeitszeit stattfindet, wo sie für die Kollegen kaum sichtbar ist", sagt Lea Ellwardt. Daher sei sportliche Betätigung weniger anfällig für soziale Einflüsse.

Mehr Studien wünschenswert

Die Studie hat zwar Korrelationen nachgewiesen – aber immer nur statistisch für ganze Gruppen von Menschen. Zeitliche Verläufe der Veränderungen bei einzelnen Individuen konnte aus den Daten nicht abgelesen werden. Die Autorinnen hoffen deshalb auf künftige Forschungsarbeiten, die einerseits auf dieser Studie aufbauen können, andererseits aber auch die zeitliche Entwicklung untersuchen, also wie lange es dauert, bis ein Mensch seine Ess- und Sportgewohnheiten ändert, weil ihn die Kollegenschaft dazu ermutigt oder es vorlebt.

Und darüber hinaus könnten ja auch noch mehr sozialpsychologische Fragen geklärt werden, nicht erst beim Verzehr von Produkten, sondern schon beim Einkauf. Psychologie an der Supermarktkasse sozusagen. Fühlen sich diejenigen besonders gut, vielleicht sogar überlegen, die Obst, Gemüse und Bio-Produkte aufs Warenband legen? Schämt sich jemand, der fast nur Fertigprodukte und Alkohol kauft? Und vor allem: Ändert sich das mit der/dem Zeit(-geist)?

Was man schon wissenschaftlich nachgewiesen hat, ist, dass Kunden, die nur eine einzelne Flasche Wasser kaufen wollen, viel wahrscheinlicher an der Kasse von anderen Kunden vorgelassen werden als solche, die nur eine einzelne Flasche Bier kaufen wollen. Aber das sagt ja vor allem etwas über die Psychologie "der anderen" aus.
Die Psychologie der Kunden in Abhängigkeit ihrer eigenen Produkte auf dem Warenband wäre ein spannendes Thema.

(rr)

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