Astronomie Kosmische Strahlung auf dem Mond stärker als gedacht

Für künftige bemannte Missionen auf den Mond ist die Kenntnis der dortigen Strahlendosis lebenswichtig. Forscher der Uni Kiel haben diese nun genau berechnet - mit interessantem Ergebnis.

Oberfläche des Mondes
Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Bisher konnte die Stärke der kosmischen Strahlung auf dem Mond nur mit den Dosimetern der Astronauten, die ihn besuchten, gemessen werden. Die Wissenschaftler der Universität Kiel bauten im Auftrag des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein spezielles Messgerät, das die chinesische Mondmission im Januar 2019 mit an Bord nahm: das "Lunar Lander Neutron and Dosimetry" (LND).

Jetzt haben die Forscher die Messungen ausgewertet und als Studie in "Science Advances" veröffentlicht. Das Resümee: Die Strahlung beträgt rund 60 Mikrosievert pro Stunde. Das ist ungefähr fünf bis zehn Mal mehr, als man bei einem Langstreckenflug von Frankfurt aufnimmt. Auf dem Erdboden ist die Strahlung sogar 200 Mal geringer.

Das Mondlandegerät Chang'e-4, der rote Pfeil kennzeichnet das Strahlungsmessgerät der Uni Kiel
Das Mondlandegerät Chang'e-4, der rote Pfeil kennzeichnet das Strahlungsmessgerät der Uni Kiel. Bildrechte: CNSA/CLEP

Astronauten sollten sich vor kosmischer Strahlung schützen

Da sich die Astronauten auf dem Mond normalerweise länger aufhalten, als ein solcher Langstreckenflug dauert, kann man die Strahlendosis als beträchtlich für den Menschen einschätzen, erklärt Prof. Robert Wimmer-Schweingruber, dessen Team an der Uni Kiel, das Messgerät entwickelte und baute.

Wir Menschen sind nicht dazu gemacht, die kosmische Strahlung auszuhalten. Astronauten können und sollten sich daher bei längeren Aufenthalten auf dem Mond so weit wie möglich schützen.

Prof. Robert Wimmer-Schweingruber, Studienleiter

Erkenntnisse können auch für Marsmissionen genutzt werden

Dabei ginge es etwa um Krebs und andere Krankheiten, die von hohen Strahlendosen verursacht werden, erläutert die Koautorin Dr. Christine Hellweg. Insgesamt lässt sich mit der Kieler Entwicklung die sogenannte Äquivalentdosis besser berechnen - ein Maß für die biologische Wirkung einer bestimmten Strahlendosis.

Damit haben die aktuellen Messungen auch eine Bedeutung für künftige Raumfahrtmissionen. Da der Mond weder ein Magnetfeld noch eine Atmosphäre besitzt, ähneln die Bedingungen auf ihm denen im interplanetaren Raum. "Darum können die Daten, die das LND erhoben hat, auch genutzt werden, um künftige Missionen besser planen zu können", erklärt Prof. Wimmer-Schweingruber. Etwa auch für einen Flug zum Mars.

cdi

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