Datenverarbeitung Leipzig: Mega-KI-Rechenleistung made in Sachsen

Vor zwei Jahren war es nur eine Idee, jetzt wird sie Wirklichkeit: Leipzig hat die Zusage für ein KI-Rechenzentrum in der Tasche und 46 Millionen Euro Fördermittel, die für den Strukturwandel in den Regionen der ehemaligen Braunkohlereviere gedacht sind. So werden ab 2026 gewaltige Datenmengen und Datenströme, die zum Beispiel bei Forschungen zur Biodiversität oder dem Klimawandel entstehen, verarbeitet.

Der ehemalige Uni-Riese (heute "City-Hochhaus", vorn), das Paulinum der Universität Leipzig (r), dahinter Nikolaikirche, Altes Rathaus und die Thomaskirche (l) in Leipzig (Sachsen).
Leipzig bekommt ein KI-Rechenzentrum. Der konkrete Standort steht noch nicht fest. Bildrechte: dpa

Entsteht bald in Leipzig Deutschlands Mega-Rechenzentrum, größer als alle anderen? "Nein, da gibt es schon größere", sagt Dieter Lehmann, CIO (Chief Information Officer), also Leiter der IT an der Universität Leipzig und Direktor des Universitätsrechenzentrums im Gespräch mit MDR WISSEN. Deutschlands leistungsfähigste Rechenzentren stehen Lehmann zufolge in Stuttgart, Jülich, München oder Hamburg. "Unser Fokus liegt im Regionalen. Das heißt, wir wollen lokaler Ansprechpartner sein, kurze Wege bieten und die Herausbildung von regionalen Kompetenzen fördern."

Leipzigs Ki-Rechenzentrum als Knotenpunkt der Zukunft

Bezogen auf die geplante Anlage in Leipzig sagt er: "Es geht für Leipzig nicht darum, das größte Zentrum zu haben, sondern es geht um Methodenentwicklung und deren zum Teil exemplarische Anwendung." Das KI-Rechenzentrum als Knotenpunkt, als Anlaufstelle für Forschungen aus verschiedensten Bereichen, erläutert Lehmann und verweist einerseits auf das große Interesse von Forschungsgrößen wie den beiden Humboldt-Professoren Prof. Dr. Jens Meiler und Prof. Dr. Sayan Mukherjee, Spezialisten für Künstliche Intelligenz. Für deren Forschungen im Bereich Precision Medicine (also personalisierte Medizin) und KI wird das KI-Rechenzentrum Leipzig, kurz KIRZL, in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Die Verzahnung von KI, Wissenschaft und Wirtschaft an einem Standort ist bislang einmalig. Apropos Standort: Wo genau in Leipzig das Rechenzentrum angesiedelt wird, wird noch geklärt. Lehmann hofft auf einen Standort im Stadtgebiet, in der Nähe der Forschungseinrichtungen, je zentraler, desto besser.    

Dieter Lehmann
Bildrechte: Swen Reichhold / Universität Leipzig

Fern der Uni klingt das alles noch sehr theoretisch. Dabei ist Künstliche Intelligenz aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Viele kleine Helferlein, die wir nur nicht als KI identifizieren, sind inzwischen so selbstverständlich wie das Wasser aus dem Hahn: Jedes Smartphone nutzt KI, wenn wir zum Beispiel Sprachassistenten oder Bilder bearbeiten. Übersetzungs-Tools, Navigations-Programme, die uns durch Autobahnkreuze oder fremde Städte lotsen. Auch zur Verkehrsüberwachung und -Steuerung wird KI eingesetzt. Die Liste ist schon fast endlos.

KI für die Wissenschaft: Ungeahntes Potential

Derzeit geht es noch weitestgehend um Modellierungen, Simulationen, in allen Wissenschaftsbereichen, von Medizin, personalisierter Medizin, bis Klimatologie, Sprachwissenschaft, Erziehungswissenschaft, zählt Lehmann Felder, auf denen mit Hilfe von KI geforscht werden kann. Langfristig hat man auch Quantencomputing im Blick. Aber warum eigentlich KI, wenn doch jetzt auch schon mit statistischen Methoden vieles berechnet wird? Der Vorteil der KI gegenüber statistischen Methoden liegt für den Chef des Rechenzentrums der Uni Leipzig auf der Hand, zum Beispiel, wenn Sensordaten verarbeitet werden. "Die müssen nicht strukturiert sein, selbst fehlerbehaftete Daten mit Ausreißern, die ein Ergebnis unverhältnismäßig verzerren, kann die KI rausfiltern," erklärt Lehmann. "Viele Wissenschaftsbereiche wissen noch gar nicht, was für ein Potential da schlummert, das sie verwenden können. Wir sehen uns als Motor, genau das voranzubringen," blickt der Chef des Rechenzentrums in die Zukunft.

KI-Rechenzentrum = Jobmotor?

Wie viele Jobs entstehen da eigentlich? "Im Rechenzentrum selbst nicht viele. Es ist eher indirekte Arbeitsplatzbeschaffung, wir fördern den Strukturwandel indem wir Technologie an den Standort holen. Wenn wir das hinkriegen, dann ist das ein Boost für die lokale Wirtschaft." Interesse seitens der Wirtschaft sei da, die auf spezialisiertes Personal aus dem Umfeld des KI-Rechenzentrums hofft. "Wenn wir KI Made in Germany machen, werden wir auch ethische Fragestellungen mitdenken müssen. Was machen wir, was machen wir nicht."

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