Bitte hinlegen! So wirken Schmerztabletten am schnellsten

Wer hämmernde Kopfschmerzen hat und zur Schmerztablette greift, wird wohl kaum über die eigene Körperhaltung nach der Einnahme nachdenken. Doch das könnte sich jetzt ändern: Eine aktuelle US-Studie zeigt nämlich, dass die Medikamente deutlich schneller wirken, wenn wir uns nach der Einnahme hinlegen – und zwar auf die rechte Seite. Dann kann die Tablette nämlich optimal durch unser Verdauungssystem in Richtung Darm wandern, wo sie häufig erst ihre Wirkstoffe in den Körper entlässt.

Eine liegende Frau, die sich die Hand an den Kopf hält.
Wer gegen Kopfschmerzen eine Tablette nimmt, sollte sich nach der Einnahme auf die rechte Seite legen. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Wie schnell eine Schmerztablette wirkt, wird durch unsere Körperhaltung maßgeblich mit beeinflusst. Das haben Forschende der Johns Hopkins University jetzt mithilfe eines speziell entwickelten Modells des Verdauungstrakts herausgefunden. Je nachdem, ob wir stehen, sitzen oder liegen, kann das offenbar entscheidend dafür sein, wie schnell der Körper das Medikament aufnimmt. Das kann nämlich bei falscher Haltung bis zu eine Stunde länger dauern, schreiben sie in ihrer Publikation. Die Forschenden waren selbst überrascht, wie groß der Einfluss der Körperhaltung ist, sagte Leitautor Rajat Mittal, Johns-Hopkins-Experte für Strömungsdynamik.

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich es richtig oder falsch mache, aber jetzt werde ich definitiv jedes Mal darüber nachdenken, wenn ich eine Pille nehme.

Prof. Rajat Mittal

Legen sie sich auf die rechte Seite!

Doch dass die Körperhaltung einen großen Einfluss hat, ist eigentlich recht plausibel: Die meisten Tabletten beginnen erst zu wirken, wenn der Magen die Wirkstoffe in den Darm entlässt. Je schneller die Pille also am letzten Teil des Magens ankommt, desto schneller löst sie sich auf und der Inhalt wird in Richtung Zwölffingerdarm abgegeben. Da auch die Schwerkraft und die asymmetrische Form unseres Magens einen Einfluss haben, kommt die Tablette also nicht in jeder Haltung an diesen optimalen Platz im Magen.

Eine liegende Frau, die eine Tablette einnehmen will.
Wie schnell wirkt die Tablette? Darauf hat die Körperhaltung einen Einfluss. Auf die linke Seite legen - ganz schlechte Wahl. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Das Team hat deshalb vier verschiedene Körperhaltung getestet: Stehen, Sitzen und das Liegen auf der rechten bzw. linken Seite. Das Ergebnis: Das Liegen auf der rechten Seite war deutlich am besten, da sie so den tiefsten Punkt im Magen erreichen konnten. Dadurch könne sich das Medikament 2,3-mal schneller auflösen als im Stehen. Aber Achtung: Die schlechteste Variante sei gewesen, sich auf die linke Seite zu legen.

Für ältere, sitzende oder bettlägerige Menschen kann es große Auswirkungen haben, ob sie sich nach links oder nach rechts drehen.

Prof. Rajat Mittal

Im Vergleich brauchte es rund zehn Minuten, bis sich eine Tablette auf der rechten Seite aufgelöst hatte, im Stehen immerhin schon 23 Minuten und auf der linken Seite liegend seien es bis zu 100 Minuten gewesen, so das Forschungsteam. Auf dem Rücken liegen sei übrigens ähnlich effektiv, wie zu stehen, ergänzt Mittal.

Ähnlicher Einfluss wie Magenerkrankung

Die Forschenden haben für ihre Untersuchung ein spezielles Modell entwickelt, das die Vorgänge im menschlichen Magen realistisch simulieren kann. "StomachSim" verbindet Physik mit Biomechanik und Strömungsmechanik und ahmt nach, was im Magen passiert, wenn er Nahrung oder in diesem Fall Medizin verdaut.

Das Forschungsteam wollte nun noch einordnen, welche Bedeutung sie dem Einfluss der Körperhaltung beimessen können. Dazu haben sie die Auflösungsgeschwindigkeit mit der unter dem Einfluss verschiedener Magenerkrankungen verglichen. Das habe gezeigt, dass der Effekt ganz ähnlich gewesen sei. Das bestätige, dass die Körperhaltung tatsächlich einen entscheidenden Einfluss habe.

Link zur Studie

Lee, Jae Ho et. al.: Computational modeling of drug dissolution in the human stomach: Effects of posture and gastroparesis on drug bioavailability. In: Physics of Fluids. https://aip.scitation.org/doi/10.1063/5.0096877.

(kie)

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