Gehirnentzündung Bornavirus kann auch für Menschen tödlich sein

Seit 100 Jahren ist das Bornavirus als Erreger einer tödlichen Gehirnentzündung bei Pferden bekannt. Dass die zuerst in Borna bei Leipzig entdeckte Krankheit auch Menschen töten kann, haben Forscher aber erst jetzt nachgewiesen.

Auge eines Pferdes.
Dass das Bornavirus bei Pferden zu einer tödlichen Gehirnentzündung füren kann, war bekannt. Dass das Virus auch für Menschen gefährlich ist, ist neu. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Es ist eine Sensation und Schreckensmeldung zugleich: Das bisher nur bei Tieren bekannte klassische Bornavirus kann offenbar auch Menschen infizieren und zu einer tödlichen Entzündung des Gehirns führen. Drei Patienten in Deutschland sind an dem Virus gestorben.

Zwei von ihnen hatten zuvor ein Organ eines offenbar infizierten Spenders erhalten, teilte die deutsche Seuchenschutzbehörde Robert-Koch-Institut bereits Anfang März im Epidemiologischen Bulletin mit. Ein dritter Organempfänger, der am Universitätsklinikum in Leipzig behandelt wurde, überlebte die Infektion aber. Der dritte Tote steht nicht mit der Organspende in Zusammenhang.

"Derzeit gehen die beteiligten Einrichtungen und das Robert Koch-Institut (RKI) übereinstimmend davon aus, dass es sich bei den BoDV-1-Erkrankungen der Organempfänger um einen sehr seltenen Einzelfall handelt", schreiben die Experten in dem Fachblatt des RKIs. BoDV-1 bezeichnet dabei den klassischen Stamm des Bornavirus. Es wurde nach dem Ort Borna bei Leipzig benannt, wo 1894 ein ganzer Stall mit Kavalleriepferden an einer "hitzigen Kopfkrankheit" erkrankte. Der Erreger wurde 1935 identifiziert.

Tiermediziner fanden Ursache

Im nun bekannt gewordenen Fall der drei verstorbenen Menschen hatten die Unikliniken Leipzig, Regensburg und München mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit in Greifswald zusammengearbeitet. Die Kliniken hatten bereits Ende 2016 den Rat der Veterinäre gesucht, nachdem es ihnen zuvor nicht gelungen war, die Ursache der tödlich verlaufenen Gehirnentzündungen zu finden. Schon 2015 hatte das FLI bei der Untersuchung dreier Gehirnentzündungen geholfen. Damals fanden die Mediziner bei verstorbenen Bunthörnchenzüchtern in Sachsen-Anhalt einen neuen Stamm Bornaviren (VSBV-1).

Bei den aktuellen Fällen entdeckten die Forscher den Virus mit speziellen Analysemethoden. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", sagte Martin Beer Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI. Nun soll auch in anderen Fällen auf das Bornavirus getestet werden. Zudem sollen neue Methoden entwickelt werden, damit sich die Erreger auch in einem frühen oder in einem chronischen Stadium der Erkrankung feststellen lassen. Das war offenbar bei dem Organspender der Fall.

Der Leipziger Patient überlebte

Bei ihm hatte es keine erkennbaren Zeichen einer Erkrankung gegeben, als er bei einem Unfall getötet und seine Nieren und die Leber für die Transplantation freigegeben wurden. Die beiden Empfänger der Nieren, die in Kliniken in Bayern behandelt wurden starben. Der Empfänger der Leber an der Universitätsklinik in Leipzig überlebte.

Professor Uwe Gerd Liebert, Direktor des Instituts für Virologie an der Leipziger Uniklinik, erklärt den unterschiedlichen Verlauf der Krankheit mit dem Zustand des Immunsystems der Patienten. Eine chronische Nierenschädigung, wie sie beiden bayrischen Patienten vorlag, gehe mit einer starken Beeinträchtigung des Immunsystems einher. Der Patient in Leipzig wiederum litt an einem Leberzellenkarzinom, hatte aber noch eine intakte Körperabwehr und habe deshalb eine funktionierende Abwehrreaktion gezeigt.

Das Virus kann sich nur unter ganz bestimmten Umständen überhaupt im Menschen vermehren. Soweit wir es bislang wissen, geht das nur bei einer schweren Schädigung des Immunsystem.

Uwe Gerd Liebert, Institut für Virologie, Universitätsklinik Leipzig

Seltenes Virus

Bei den Tieren führt das Bornavirus in Folge der Gehirnentzündung häufig zu Bewegungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, oftmals sterben sie an der Krankheit. In Deutschland vermehrt sich der Erreger in Feldspitzmäusen und wird von ihnen ausgeschieden. Wie er in die Menschen gelangt ist, ist bislang unklar. Generell tritt das Virus nur sehr selten auf.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN RADIO | 27. März 2018 | 19:00 Uhr