Ernährungsprognose Menschen brauchen immer mehr Kalorien

Im Jahr 2100 sollen mehr als elf Milliarden Menschen auf diesem Globus leben und die müssen alle essen. Neben der wachsenden Weltbevölkerung könnte auch noch das steigende Gewicht der Menschen den globalen Bedarf an Kalorien aus Lebensmitteln erhöhen. Das schreiben Forscher der Universität Göttingen im Fachblatt "PLOS ONE". Ihren Berechnungen zufolge könnte der weltweite Kalorienbedarf bis zum Jahr 2100 dramatisch ansteigen.

Hähnchenkeulen mit Zwiebeln und Oliven
Essen - auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift Bildrechte: imago/imagebroker

Professor Peter Schwarz ist gerade in Saudi-Arabien, wo er Ärzten beibringt, wie man mit übergewichtigen Menschen umgeht.

Ich war eben in einem Krankenhaus und habe ein 13-jähriges Kind gesehen, das 180 Kilo wiegt.

37 Prozent der Menschen in Saudi-Arabien leben mit Diabetes, sagt Schwarz. Er leitet in Dresden die Professur für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Fakultät. Seine Prognose für den Staat in Nahost: In zehn Jahren werden dort mehr als 50 Prozent mit Diabetes leben. Seine Erklärung für diese Entwicklung:

Hier ist es ganz klar die Ernährung. Über den Tag werden hier sehr viel fettreiche, süße Speisen gegessen und man bewegt sich sehr wenig, weil das verpönt ist.

Länder wie Saudi-Arabien kurbeln den weltweiten Kalorienbedarf an, denn dicke Menschen brauchen automatisch mehr Nahrung, um ihre Körpermasse zu halten.

Beispiel Mexiko: Kalorienbedarf ums Elffache erhöht

Wie stark der weltweite Kalorienbedarf steigen wird, haben Göttinger Entwicklungsökonomen nun erstmals errechnet und eine Prognose für das Jahr 2100 aufgestellt. Dafür schauten sie sich alle Kontinente an. Als Beispiel für ihre Berechnungen wählten die Forscher Mexiko. Ein Land, in dem die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten an Gewicht zugelegt haben, wie Lutz Depenbusch, Entwicklungsökonom von der Uni Göttingen erläutert:

Messung des Bauchumfangs bei einem Fettleibigen Kind
Beispiel Mexiko: Hier sind immer mehr Menschen übergewichtig. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Der BMI  bei Männern lag 1975 bei 23,57. 2014 ist der auf 27,47 gestiegen. Das heißt, in dieser Zeit ist die Zahl der  Menschen mit Übergewicht von 0,8 Millionen auf 8,9 Millionen gestiegen. Also hat sich das verelffacht - eine wirklich sehr starke Zunahme.

Lutz Depenbusch

Auch die Zahl der übergewichtigen Frauen habe sich seit 1975 von ca. zwei auf 14 Millionen gesteigert. Der Grund sei auch hier zu wenig Bewegung und schlechtes Essen.

Es werden mehr Sachen gegessen, die reich an Kalorien sind, viel Frittiertes vor allem, auch viele zuckerhaltige Getränke und die Cola zum Mittag.

Kalorienbedarf wird weltweit um 80 Prozent steigen

Junger Mann
Lutz Depenbusch Bildrechte: Lutz Depenbusch

Diese Entwicklung sagt Depenbusch für viele Länder voraus, vor allem in Regionen südlich der Sahara. Asien, Europa, Nord- und Südamerika dürften hingegen einen stabilen oder gar sinkenden Bedarf erwarten, prognostiziert die Studie. Alles zusammen genommen ergibt, den Bevölkerungszuwachs eingerechnet, bis zum Jahr 2100 einen Anstieg des globalen Kalorienbedarfs um 80 Prozent, verglichen mit heute. Auch Deutschland würde diese Zahl hoch treiben, prophezeit Wissenschaftler Peter Schwarz:

Wir sehen auch in Deutschland, dass die Adipositas immer weiter ansteigt.

Peter Schwarz

Die Deutschen essen nach wie vor zu viel Zucker, sagt Peter Schwarz, oder Zuckerzusatzstoffe, die letztlich den Hunger verstärken, zu viel Fastfood oder ungesunde Fette. "Wir reden zwar viel über unsere Ernährung", sagt Schwarz, "aber tiefgreifend geändert haben wir nichts." Der Diabetes-Experte wünscht sich in Deutschland eine Lenkung von staatlicher Seite, Steuern auf Zucker zum Beispiel. In Mexiko gibt es die bereits.

Familie beim Frühstück
Ausgewogene Ernährung - fängt in der Kindheit an Bildrechte: imago/Westend61

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 11. Dezember 2019 | 11:20 Uhr

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