Studie Darum verfliegt die Zeit, wenn wir alt werden

Für Kinder ziehen sich schon einzelne Schulstunden wie Kaugummi, Erwachsenen dagegen verfliegt die Zeit: Warum ist das eigentlich so? Ein US-Forscher sagt, es liegt daran, wie wir Informationen verarbeiten. Und die gute Nachricht: Dagegen können wir etwas tun.

Kaum sind die Ferien vorbei, fragen Kinder: Wann sind die nächsten - das dauert ja ewig bis dahin! Kein Wunder, jeder Tag, jede Woche, jeder Monat fühlt sich an wie eine Ewigkeit, wenn man täglich etwas Neues erlebt und das Emotionskarussell noch richtig rund geht. Für Erwachsene scheint sich die Uhr dagegen schneller zu drehen: Hat man sich endlich an die neue Jahreszahl im Datum gewöhnt, ist schon wieder Silvester. Adrian Bejan, Wissenschaftler an der Duke University in Carolina US-Forscher hat eine neue Erklärung dafür: Je älter der Mensch, desto weniger neue Bilder nimmt er auf. Das liegt dem Forscher zufolge daran, dass Erwachsenen-Hirne neue Informationen langsamer verarbeiten und täglich weniger Neues abspeichern. So kommt es Älteren vor, als verfliege die Zeit, während sie für Jüngere im Schneckentempo verstreicht.

Warum schlagen wir eigentlich die Zeit tot?

Mit seiner Erklärung bestätigt Bejan das, was auch aus der Bewusstseinspsychologie bekannt ist: Zeit nehmen wir dann wahr, wenn wir uns selbst wahrnehmen.

Junge Frauen mit Smartphones an einer U-Bahn-Haltestelle
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Wobei wir alles tun, um das zu vermeiden. Wartet man auf den Bus oder im Zahnarzt-Wartezimmer, vertreibt man (sich) die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes, indem man das Smartphone zückt. Sogar beim Radfahren oder Joggen hören wir Podcasts, Musik oder Hörspiele. Das Füllen der kurzen Leer-Zeiten ist einer unserer Zeitkiller. Der andere ist die Routine – sie sorgt nämlich dafür, dass die Wahrnehmungsfähigkeit für Details sinkt, weil man ja schon alles kennt und quasi auf Autopilot lebt. Kinder und Jugendliche erleben dagegen täglich etwas zum ersten Mal, es bleibt täglich etwas Neues hängen - der Tag erscheint lang, die Jugend ewig.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Jogger mit Kinderwagen
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Keiner, denn die Uhr kann man nicht zurückdrehen wie in Harry Potter und auch nicht auf "langsam" stellen. Aber man kann die Zeit dehnen: Indem man sich gezielt in Tätigkeiten "versenkt", neudeutsch den "Flow" sucht und damit das Gegenteil von Multitasking schafft. Das lässt sich leicht testen – einfach mal still sitzen, dem eigenen Atem lauschen und Gedanken schweifen lassen – und nach gefühlten zehn Minuten feststellen, dass nur eine Minute vergangen ist. Auch Jogger kennen den Effekt - man läuft und läuft und denkt, man sei schon eine Stunde unterwegs und am Ende waren es nur 30 Minuten.

Slow-Motion für den Alltag – (wie) geht das?

Filme guckt man ohne "2nd-Screen", im Café unterhält man sich einfach nur mit dem Gegenüber, ohne Smartphone auf dem Tisch. Oder man nutzt professionelle Zeit-Entschleuniger: Nicht umsonst boomen Yoga- und Achtsamkeitskurse.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 13. Februar 2019 | 10:45 Uhr