Tumor durch Alltagschemie Phthalate und Myome hängen zusammen

Weichmacher machen unsern Alltag weich und biegsam: Was wären Duschvorhäng, Folien, Kabel, Schuhe oder Fußbodenbeläge ohne Phthalate? Manche Phthalate sind gefährlich. Eine Studie aus den USA belegt jetzt, wie sie im Körper die Bildung von Myomen, Tumoren in der Gebärmutter anregen.

Animation eines Turmors in der Gebärmutter
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Erstmals ist ein Zusammenhang zwischen Chemikalien aus dem Alltag und der Zunahme von Myomen im Uterus nachgewiesen worden.

Ein Forschungsteam der Northwestern University in Chicago konnte nämlich belegen, dass bei Frauen, die bestimmten Stoffen aus Duschvorhängen, Autopolstern, Lunchboxen und Schuhen besonders stark ausgesetzt waren, besonders häufig Myome entwickelten. Die Forschungsgruppe konnte auch den Tumor-Treiber identifizieren, also den Stoff, der die Myombildung anschiebt: DEHP, ein Weichmacher auf Phthalat-Basis. Das DEHP stößt eine Art Kettenreaktion an, bei der schlussendlich ein Rezeptor (AHR) aktiviert wird, der sich an die DNA bindet und verstärktes Wachstum von Myomtumoren verursacht.

Phthalate: Die unsichtbaren Gesundheitsgegner

Allerdings weiß man damit noch längst nicht alles darüber, wie Phthalate in verschiedenen Entwicklungsstadien, zum Beispiel als Fötus im Uterus oder später als Erwachsene, im Körper reagieren: Daher kann noch niemand genau sagen, wie giftig Phthalate zu bestimmten Zeitpunkten auf den Körper, auf Gewebe oder den Stoffwechsel wirken, wie stark oder schwach Stoffwechselwege gehemmt werden, oder wann der Weichmacher wie stark auf Gewebe einwirkt.

Myome treffen über 80 Prozent der Frauen über 50

Myome kommen Studienautor Dr. Serdar Bulun zufolge bei 80 Prozent aller Frauen über 50 vor. Bei einem Viertel dieser Frauen treten extreme, unkontrollierbare Uterus-Blutungen auf, Blutarmut, Fehlgeburten, Unterleibs-Tumore oder Unfruchtbarkeit. Allein in den USA werden jedes Jahr 200 Gebärmutter-Entfernungen durchgeführt, sowie 30.000 Myome.  

DEHP in Europa seit 2005 verboten

Ein Duschvorhang
Der Duschvorhang – ohne Weichmacher wäre er steif wie ein Brett – und würde sich nicht so zutraulich ans Bein schmiegen Bildrechte: PantherMedia / Lee Torrens

In Europa ist der Stoff DEHP, genau wie die Weichmacher DBP und BBP, seit 2007 als Weichmacher in Babyartikeln und Kinderspielzeug verboten und seit 2015 zulassungspflichtig, in den USA jedoch noch nicht. Weichmacher werden eingesetzt, um eigentlich harte PVC-Verpackungen weich und biegsam zu machen, zum Beispiel in der Nahrungsmittelverpackung. Aber auch für die Biegsamkeit von Kabeln, Schläuchen, Sport- und Freizeitartikeln werden sie genutzt. Phthalate sind nicht fest in den Produkten gebunden, sondern können über die Luft ausdünsten oder beim direkten Kontakt in andere Stoffe übergehen. Allerdings wird das auch in Europa bislang nicht untersucht, wie verschiedene Phthalate miteinander wirken.

Links/Studien

Die komplette Studie "Mono-(2-ethyl-5-hydroxyhexyl) phthalate promotes uterine leiomyoma cell survival through tryptophan-kynurenine-AHR pathway activation" lesen Sie hier.
Hinweise des Bundesumweltamtes zu Phthalaten lesen Sie hier.

lfw