Heiß, aber mit Ozeanen Jahresrückblick August: Ganz anders als die Erde - neue Klasse von bewohnbaren Planeten entdeckt

Nicht nur Corona – auch Vulkane, Vögel, Planeten, Spinnen und Ähnliches fesselten unsere Leser in diesem Jahr. MDR WISSEN zeigt im Jahresrückblick 2021 die beliebtesten Artikel jedes Monats abseits von Corona. Im August haben Astronomen eine neue Art bewohnbarer Planeten gefunden. Sie sind vollkommen anders als die Erde, heiß, aber mit Ozeanen und viel Wasserstoff in der Atmosphäre.

Künstlerische Darstellung eines Plkaneten mit einem dampfenden Ouzean, einem roten Himmel und einem großen, hinter dem Horizont untergehenden Stern.
Astronomen haben eine neue Klasse von bewohnbaren Planeten namens „hyzeanisch“ gefunden: heiß und mit Ozeanen bedeckt, dazu mit einer wasserstoffreichen Atmosphäre. Bildrechte: University of Cambridge/Amanda Smith

Die Forschenden von der britischen Elite-Universität Cambridge tauften diese neue Klasse "hyzeanisch" - eine Kombination aus "Hydrogenum" (lateinisch für Wasserstoff) und ozeanisch. Denn sie haben sowohl eine wasserstoffreiche Atmosphäre als auch eine heiße, mit Ozeanen bedeckte Oberfläche. Bisher kannte man Exoplaneten - also Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems - in der Größe zwischen Erde und Neptun mehrheitlich entweder als "Super-Erden" oder "Mini-Neptune". Letztere sind dabei kleiner als unser Neptun, aber zu groß, um aus Gestein zu bestehen wie unser Heimatplanet. Man nahm an, dass ihre wasserstoffreiche Atmosphäre zu heiß und der Luftdruck zu groß sei, um Leben zu ermöglichen.

Neue Teleskope könnten weitere Erkenntnisse über Exoplaneten bringen

Das haben die Forschenden aus Cambridge um Dr. Nikku Madhusudhan nun offenbar anhand des Mini-Neptuns K2-18b widerlegt. Denn die Bedingungen dort könnten Leben möglich machen, wie ihre Studie ergab, die im "Astrophysical Journal" veröffentlicht wurde. Demnach können "hyzeanische Planeten" bis zu 2,6 Mal so groß wie die Erde sein und eine Temperatur von bis 200 Grad Celsius in der Atmopshäre haben - aber die Bedingungen in ihren Ozeanen dennoch das Leben von Mikroben wie auf der Erde ermöglichen.

"Hyzeanische Planeten eröffnen uns ganz neue Möglichkeiten bei der Suche nach Leben da draußen", erklärt Dr. Madhusudhan. Denn solche Himmelskörper sind bei den bisher entdeckten Exoplaneten in der Mehrzahl, wurden aber im Gegensatz zu den Super-Erden noch nicht eingehend untersucht. Dabei fahnden die Forschenden vor allem nach sogenannten Biomarkern wie Methylchlorid oder Dimethylsulfid, die auf Leben auf Planeten hindeuten können, die nicht so eine sauerstoffreiche Atmosphäre wie die Erde haben. Dass man sich zuvor besonders auf die Super-Erden konzentriert habe, sei für den Beginn der Suche sinnvoll gewesen, betont Dr. Madhusudhan: "Aber wir denken, dass die hyzeanischen Planeten nun eine bessere Chance bieten, Spuren von Biosignaturen zu finden."

Das Ensemble an Planeten, das die Wissenschaftler aus Cambridge als hyzeanisch ausgemacht haben, soll nun eingehender mit dem James Webb Space Telescope (JWST) untersucht werden, das Ende dieses Jahres endlich seinen Dienst aufnehmen soll. Diese Himmelskörper befinden sich alle im Sonnensystem eines sogenannten Roten Zwergs und sind für astronomische Verhältnisse mit 35 bis 150 Lichtjahren nicht weit entfernt. Dazu gehört auch K2-18b, der mit dem Teleskop hinsichtlich möglicher Biomarker abgesucht werden soll. "Falls wir dort eine Biosignatur finden sollten, würde das unser Verständnis von Leben im Universum völlig verändern", erläutert Nikku Madhusudhan.

Wir müssen offen sein für neue Orte, an denen wir Leben erwarten und für neue Formen, die dieses Leben haben kann. Denn die Natur überrascht uns immer wieder mit zuvor unvorstellbaren Möglichkeiten.

Dr. Nikku Madhusudhan, Studienautor

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Illustration eines Exoplaneten: Braun-grauer Planet mit kleinen Wolkenfeldern und Eiskappen vor schwarz-grauem, dunklen Hintergrund, dem Weltall.
Irgendwie erdenähnlich, irgendwie ganz exotisch: Illustration des Exoplaneten Kepler-62f, der 2013 entdeckt wurde. Auch hier wird Wasser vermutet. Bildrechte: NASA/Ames/JPL-Caltech