Klimawandel Wiesenchampignon oder Giftpilz? Neue Pilze in Mitteleuropa

Durch die Klimaerwärmung fühlen sich immer mehr Pilze aus südlichen Ländern in unseren Wäldern wohl. Pilzsammler sollten vorsichtig sein: Einige Exemplare, die Speisepilzen ähnlich sehen, sind ziemlich giftig.

Tintenfischpilz (Clathrus archeri) auf einem vermoosten Baumstamm
Tintenfischpilze wurden bereits vor rund 100 Jahren aus Australien mitgebracht. Sie sind nicht giftig. Bildrechte: IMAGO / McPHOTO/Helwig

Es liegt an den warmen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre. Die haben dafür gesorgt, dass sich Pilzarten, die sonst nur in Südeuropa wachsen, auch bei uns wohlfühlen und immer weiter ausbreiten, sagt der Lebensmittelchemiker Stefan Zinke, der die Pilzfachgruppe in Dresden leitet. "Italien, Spanien, Südfrankreich, Griechenland – die Funga nimmt sich da nicht so viel." Bei manchen Arten sei das ein Problem, erklärt Stefan Zinke, denn die seien giftig. "Zwischenzeitlich wurden zwei giftige neue Egerlinge in Deutschland nachgewiesen, die einerseits dem Waldegerling, andererseits auch den allseits beliebten Wiesenchampignons sehr ähnlich sehen. Im Zweifel kann man sie unter dem Mikroskop auseinanderhalten."

Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius) 3 min
Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Durch die Klimaerwärmung fühlen sich immer mehr Pilze aus südlichen Ländern in unseren Wäldern wohl. Pilzsammler sollten vorsichtig sein: Einige Exemplare, die Speisepilzen ähnlich sehen, sind ziemlich giftig.

MDR KULTUR - Das Radio Do 30.09.2021 16:18Uhr 03:22 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/klimawandel-neue-giftige-pilze-verwechslungsgefahr-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius) 3 min
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Durch die Klimaerwärmung fühlen sich immer mehr Pilze aus südlichen Ländern in unseren Wäldern wohl. Pilzsammler sollten vorsichtig sein: Einige Exemplare, die Speisepilzen ähnlich sehen, sind ziemlich giftig.

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Heftige Magen-Darm-Beschwerden durch giftige Egerlinge

Falscher Wiesenchampignon (Agaricus xanthoderma )
Giftig: Falscher Wiesenchampignon (Agaricus xanthoderma) Bildrechte: IMAGO / Leemage

Wiesenchampignons, die als hervorragende Speisepilze gelten, konnte man bisher immer sehr deutlich vom giftigen Karbolchampignon unterscheiden, etwa durch den deutlichen Karbolgeruch spätestens in der Pfanne und die leichte Gelbfärbung beim Aufschneiden des Stiels, erklärt der Pilzfachmann. Doch diese Merkmale zeigen sich nun bei den Egerlingen aus dem Mittelmeerraum nur noch sehr schwach oder gar nicht mehr. Für den Sammler kann das gefährlich sein. "Wenn man sie essen würde, würde man nicht zwingend davon sterben, aber zumindest heftige Magen-Darm Probleme würden eintreten", sagt Zinke.

Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius)
Giftig: Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius) Bildrechte: IMAGO / agefotostock

In Süddeutschland wurden die falschen Wiesenchampignons bereits häufig nachgewiesen, der sogenannte Waldegerling tauchte bisher in den sandigen, trockenen Wäldern Brandenburgs und in der Lausitz auf, so Stefan Zinke. "Ich denke, der Waldegerling wird sich ausbreiten. Das ist eine Art, die in trockenen Sand, in den mediterranen Kiefernwald gehört - und der Berliner Raum ist ja auch relativ trocken. Wenn es weiter so trocken sein wird, wird er sich mittelfristig auch in der Oberlausitz ansiedeln."

Falsche Rotkappe ist essbar

Weißer Knollenblätterpilz, Amanita verna
Ebenfalls giftig: Weißer Knollenblätterpilz (Amanita verna). Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Neben den giftigen Egerlingarten sind noch weitere Neulinge aus Südeuropa auf dem Vormarsch. "Der Ölbaumtrichterling ist auch schon recht häufig, vor allem in der Oberrheinebene, wo es wirklich warm ist. Der wird sich auch bei uns weiter ausbreiten und wohlfühlen und kann mit Pfifferlingen verwechselt werden", sagt Zinke. Es gebe auch mediterrane Arten, die den Giftstoff vom grünen Knollenblätterpilz enthalten. "Es gibt einen weißen Knollenblätterpilz, Amanita verna, der auch schon in Deutschland nachgewiesen wurde und sich auch bei uns weiter ausbreiten wird."

Rotkappe im jungen Stadium im Wald - Leccinum aurantiacum
Nicht giftig: Die falsche Rotkappe. Bildrechte: imago images/muuraa

Zum Glück sind nicht alle neuen Pilzarten, die sich nach und nach in Mitteldeutschlands Wäldern ansiedeln, giftig. Die "falsche Rotkappe" zum Beispiel, ein Pilz, der aus Kanada eingeschleppt wurde, sei essbar, weiß der Pilzexperte. "Die sind schon recht verbreitet in trockenen Sandkieferwäldern in der Lausitz und in Brandenburg. In Litauen und im Baltikum wurden sie bereits 2008 nachgewiesen, seitdem verbreiten sie sich über Polen nach Deutschland. Ich habe den Verdacht, dass er heimische Arten verdrängt, aber zumindest ist der Pilz nicht giftig, und die, den gegessen haben meinten, er sei schmackhaft."

Der Tintenfischpilz: nicht giftig, stinkt aber

Dass neue Pilzarten nach Mitteleuropa kommen, sei übrigens nicht völlig neu. Heute ginge das zwar alles viel schneller durch Klimawandel und Globalisierung, sagt Stefan Zinke, aber Neulinge im Wald gab es schon vor 100 Jahren. "Wir haben auch aus Australien den Tintenfischpilz eingeschleppt in den 1920er und 1930er Jahren. Der Tintenfischpilz, das ist ein Stinkmorchel-Verwandter. Der ist nicht giftig, sieht auch recht hübsch aus, aber er stinkt noch schlimmer als eine Stinkmorchel."

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