Corona trifft Arktis-Expedition MOSAIC Polarstern-Crew verlängert unfreiwillig bis Mai

Es ist eines der spannendsten Abenteuer der Neuzeit. Ein Jahr lang eingefroren durch die Arktis treiben. Am 1. April ist Bergfest, die Hälfte der MOSAIC-Expedition des auf der Eisscholle drifteten Eisbrecher ist vorbei, bald ist wieder Zeit zum Crewaustausch. Doch der Corona-Shutddown bei uns wirkt bis in den hohen Norden. Der nächste Wachwechsel an Bord wird vorläufig auf Mai verschoben und das bedeutet, dass das jetzige Team voraussichtlich sechs Wochen später ausgetauscht wird.

Polarstern - Arbeiten im Eis
Durch Risse auf der Eisscholle wurden einzelne Forschungs-Geräte unerreichbar Bildrechte: AWI/Michael Gutsche

Ob man bei 30 Grad unter Null - gefühlt minus 60 Grad - auch Hummeln bekommt, und man einfach mal vor die Tür will, um den ewig gleichen Nasen aus dem Weg zu gehen? Die Menschen an Bord der Polarstern sind zwar psychologisch auf diese Situation vorbereitet, die Fahrtleitung ist sensibilisiert, damit sie frühzeitig erkennt, wenn es jemandem nicht gut geht. Aber die Situation scheint auf den ersten Blick sogar weniger gefährlich als sechs Wochen Homeoffice auf 70 Quadratmetern.

Küchenteam der Polarstern
"Essen hält Leib und Seele beisammen", sagt der Volksmund. Gilt auch auf Eismeer-Expedition Bildrechte: AWI

Denn im Gegensatz zu vielen von uns kann die Besatzung in Gesellschaft munter am selben Tisch essen und im "Roten Salon" gibt es nicht nur Mittagessen, sondern nachmittags Kaffee und Kuchen. Mancher Doktorand soll schon mit ein paar Kilogramm von Bord gegangen sein, heißt es im Blog der Expedition ein bisschen süffisant. Und in der "Mucki-Bude" wird weiter gemeinschaftlich geschwitzt.

Mehrere Personen sitzen auf Sesseln in einem Raum.
Unterhaltung an Bord: Geselliges Spiel, bei dem ein "Mörder" entlarvt werden musste. Bildrechte: AWI/FolkeMehrtens

Es gibt auch eine bordeigene Kneipe, das "Zillertal". Zweimal die Woche ist Kino, und im Januar erheiterte ein mehrtägiges Gesellschaftsspiel etwa 40 Menschen an Bord, bei dem es darum ging, einen "Mörder" zu entlarven, der nur dann "zuschlagen" durfte, wenn er eine Person allein in einem Raum oder Gang antraf. Also allerlei Abwechslung, damit die Zeit der Isolation von anderen Menschen der Crew nicht aufs Gemüt schlägt.

Unfreiwillige Verlängerung an Bord

Ob nun gute Essensversorgung oder ein skurriles Gemeinschaftspiel, das man vielleicht noch von Klassenfahrten kennt, beides ist hilfreich in einer solchen Ausnahmesituation. Die Menschen an Bord der Polarstern hatten bislang einen entscheidenden Vorteil gegenüber uns auf dem eisfreien Festland: Für die Besatzung war immer klar, wann die Isolationszeit vorbei ist, denn alle zwei Monate wird das Team an Bord ausgetauscht. Zweimal war schon Schichtwechsel an Bord, einmal im Dezember und einmal Anfang März 2020.

Aber wie wird es weitergehen? Der nächste Wechsel steht an, bei dem unter anderem ein Doktorand und ein Unimitarbeiter aus Leipzig an Bord gehen sollten. Das wird nun dauern - an Bord der Polarstern geht man davon aus, das die aktuelle Crew sechs Wochen länger bleibt als geplant.

Mann mit Mütze und dicker Jacke in Schneelandschaft
Markus Rex Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut

Expeditionsleiter Markus Rex, derzeit selbst in häuslicher Quarantäne, hofft, dass der nächste Teamaustausch trotz der aktuellen Corona-Situation im Mai stattfinden wird. Jedes Mitglied der neuen Crew werde zwei Mal auf das Virus Sars-CoV-2 getestet, sagte Rex. Eine abschließende Entscheidung der Behörden stehe noch aus, außerdem ist die Insel Spitzbergen komplett gesperrt - von dort hätten unter anderen auch die Polarflieger und zwei Mitarbeiter des Leibniz-Institutes für Troposphärenforschung und der Uni in Leipzig starten sollen.

Risse im Eis: Technik muss geborgen werden

Derweil geht das wissenschaftliche Leben an Bord wie gehabt weiter. Die Forscher haben seit Mitte März ganz unverhoffte Baustellen zu beackern: Risse in der Eisscholle, mit der die Polarstern driftet. Anfänglich kleine Rinnen hatten sich binnen eines Tages auf zehn Meter Breite erweitert, heißt es im Expeditions-Blog. Dadurch waren nicht mehr alle Bereiche der Eisscholle zugängig und per Hubschrauber mussten Menschen auf die andere Seite des Risses geflogen werden, um wichtige Messgeräte zu bergen.

Auch ein Unterwasser-Kamerasystem, das Bilder aus 350 Metern Tiefe liefern kann, wurde eingeholt. Das neu gewachsene Rinnen- und Spaltensystem auf der Scholle wird indessen vom Logistikteam erschlossen. Die Teammitglieder erkunden jetzt auch die Veränderungen auf der Scholle, und sorgen dafür, dass Fahr- und Gehwege auf dem Eis ausgeschildert und möglicherweise geändert werden.

Polarstern auf Scholle mit Riss
Aus der Luft sieht man den Riss und seine Verzweigungen Bildrechte: AWI/Manuel Ernst

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