Meeresbiologie Tiefseeforschung: Zwei Drittel der Organismen sind noch unbekannt

Auf den ersten Blick wirkt der Meeresboden in tausenden Metern Tiefe nicht besonders belebt. Doch der Schein trügt: Eine Studie zeigt, dass dort unten jede Menge Prozesse stattfinden, die das Nahrungsnetz im Meer funktionieren lassen und C02 speichern. Und von den meisten Lebewesen, die daran beteiligt sind, wissen wir noch nichts.

Meerassel
Eine Meerassel, die am Boden des Atlantiks lebt Bildrechte: Senckenberg

  • Eine Studie zeigt: In der Tiefsee leben am Meeresboden unzählige, bisher unerforschte Organismen.

  • Organismen in der Tiefsee speichern und binden CO2.

  • Der Lebensraum in der Tiefsee ist wichtig für die anderen Ökosysteme in den Meeren.

Das Leben auf dem Tiefseeboden ist weit komplexer als wir bisher ahnten. Zwei Drittel aller Organismen, die an und in den Meeressedimenten in gut 9.500 Meter Tiefe leben, sind bislang noch keiner Gruppe zugeordnet worden. Das zeigt eine internationale Studie, für die 1.700 Proben und zwei Milliarden DNA-Sequenzen aus allen großen Ozeanbecken analysiert und mit vorhandenen DNA-Sequenzen aus der Tiefsee verglichen wurden. Die Proben wurden auf insgesamt 15 Expeditionen gesammelt.

Prof. Dr. Angelika Brandt
Prof. Dr. Angelika Brandt während einer Expedition mit Proben vom Meeresboden. Bildrechte: Thomas Walter

Ergebnis: Bislang ist offenbar nur ein Bruchteil davon bekannt, welche Organismen auf und in den Ablagerungen am Tiefsee-Meeresboden leben. Für Dr. Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt belegen die Forschungsergebnisse zweierlei: Zum einen sorgen Organismen auf dem Boden der Ozeane dafür, dass die Nahrungsnetze im Wasser funktionieren. Und zum anderen zeigt die Forschungsarbeit erstmals, welche Planktonlebewesen am stärksten für die CO2-Bindung sorgen und so unser Klima weltweit mitregulieren. 

Die Organismen auf dem Meeresboden recyceln oder binden nämlich von Plankton stammende, organische und anorganische Stoffe. "Damit ist das Leben auf den Tiefseeböden als Grundlage für zwei wichtige Ökosystemleistungen von gesamtplanetarischer Bedeutung", sagt die Forscherin. Anhand neuer Umweltgenomik könne jetzt besser verstanden werden, wie die Lebensprozesse im und auf dem Meeresboden mit den Lebenskreislaufen in anderen Meeresschichten verwoben sind und auch mit dem globalen Kohlenstoffkreislauf zusammenhängen.

Meeresökologie ist eine globale Aufgabe

Für die Wissenschaftlerin ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: "Meeresökologische Fragen können nun auf globaler Ebene und im gesamten dreidimensionalen Raum des Ozeans behandelt werden – ein wichtiger Schritt in Richtung 'One Ocean Ecology'." Denn dem Leben und den fein aufeinander abgestimmten Prozessen und Kreisläufen in den Ozeanen ist es egal, welches Land Schadstoffe oder Müll ins Wasser leitet, oder wo Öl oder Gas gefördert wird, oder Manganknollen für seltene Erden vom scheinbar toten Tiefseeboden aufgeklaubt werden sollen: Die Schäden am ökologischen Gleichgewicht für das Meer sind ebenfalls global.

eine Frau mit rotem Basecap vor einem Laptop auf einem Schiff
Prof. Dr. Angelika Brandt Bildrechte: Thomas Walter

Die komplette Studie, die im Fachmagazin "Science Advances" veröffentlicht wurde, lesen Sie hier im Original.

(lfw)

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