Viren-Verbreitung & Zoonosen Was wir vom Hendra-Virus in Australien lernen können

Das Hendra-Virus ist selten, aber wenn es den Weg von der Fledermaus zum Menschen findet, stehen die Überlebenschancen 50:50. Eine Forschungsarbeit zeigt, welche Hinweise die Natur auf einen drohenden Ausbruch gibt.

Komoren-Flughund (Pteropus livingstonii) im Flug
Bildrechte: IMAGO / Barry Bland

Der Ausbruch des Hendra-Virus lässt sich zwei Jahre im Voraus vorhersagen. Das ist das Ergebnis einer australischen Forschungsarbeit. Aber was interessiert uns nun ein Virus, das extrem selten vorkommt, noch dazu, von uns aus gesehen, tausende Kilometer weit weg, das als Wirt den Flughund benutzt und das noch seltener auf den Menschen überspringt? Die Studienarbeit zeichnet zum einen den Weg des Virus nach und arbeitet dabei heraus, welche Faktoren die Natur als Frühwarnzeichen sendet.

In Deutschland kennen wir das bereits von den Hantaviren: Nach starken Mastjahren von Buchen und Eichen gibt es starke Mäusepopulationen als Wirte für die Hantaviren, die bei Infizierten für hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Magendarmbeschwerden und akutes Nierenversagen sorgen, bei schweren Verläufen sogar zu inneren und äußeren Blutungen führen.

Was ist das Hendra-Virus und wie wandert es von Wirt zu Wirt?

Doch zurück zum Hendra-Virus. Über das muss man erst einmal wissen: Das Wirts-Tier des Virus ist der Flughund. Eine direkte Übertragung vom Flughund auf Menschen ist bislang nicht bekannt. Das Virus wandert über einen "Mittelsmann" weiter, zum Beispiel über ein infiziertes, erkranktes Pferd. Wo gabelt das Pferd nun das Virus auf? Über Ausscheidungen der infizierten Flughunde, die auf Pferdewiesen fallen; nicht nur Kot, sondern auch ausgespuckte Fruchtmasse und Obstkerne, in und an denen das Virus haftet. Erkranken Pferde am Virus, entwickeln sie fiebrige Atemwegserkrankungen. Das Virus steckt dann im Nasenausfluss, im Blut, Speichel oder Urin des kranken Pferdes. Hier kann sich dann der Mensch anstecken, die Inkubationszeit dauert zwischen fünf und 21 Tagen: dann folgen Grippe-ähnliche Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen und/oder Atemwegsprobleme, die sich in wenigen Tagen zu einer tödlichen Lungen- oder Gehirnentzündung auswachsen können. Statistisch gesehen stirbt jede und jeder Zweite, die oder der am Hendra-Virus erkrankt.

Wann verteilen Flughunde Hendra-Viren?

Wie oft kommt das Hendra-Virus vor? 1994 gab es in Australien zehn Fälle, sieben Menschen starben. Aber das Spannende an der Studie von Biologin Peggy Ebby, die an der University of New South Wales in Sydney forscht, sind Modellrechnungen, in sie Auswirkungen von Klima, Umwelt, Ernährungsstress und Fledermausökologie einfließen lässt. Anhand derer lässt sich nun vorausberechnen, ob Flughunde in einem Jahr viele oder wenig Hendra-Viren verbreiten werden. Ebbys Team sammelte dafür unter anderem Daten über die Lage von Fledermausquartieren, die Gesundheit der Tiere, das jeweilige Klima, Nektarmangel und Lebensraumverlust auf einer Fläche von etwa 300.000 Quadratkilometern im Südosten Australiens von 1996 bis 2020. Insgesamt dokumentierten sie 63 Hendra-Ereignisse zwischen 1996 und 2020, bei denen das Virus von Fledermäusen auf Pferde übertragen wurde. Den Forschern zufolge hängt das Risiko, dass das Virus von Tieren auf Menschen übertritt, mit dem Verlust von Lebensräumen und dem Schwund einheimischer Vegetation zusammen. Die Forscher entdeckten beispielsweise, dass die Flughunde im Laufe der beobachteten Jahre ihr Verhalten änderten: statt in großen Schwärmen auf der Suche nach Nektar über große Strecken umherzuziehen, siedelten sie sich lieber in Menschennähe in kleinen Populationen an. Auch nach starken El-Niño-Jahren, wenn das Blütenangebot knapp war, vermieden die Flughunde demnach lange Strecken zur Futtersuche zu fliegen, um Energie zu sparen.

Ein Stein stößt den nächsten um

Die Studie zeigt wie bei einem Domino-Spiel, bei dem ein Stein den Nachbarstein umstößt, welche Faktoren dafür sorgen, dass Flughund-Populationen Pferde- und Menschen-Siedlungen näher auf die Pelle rücken. Wenn man die kennt und beachtet, lassen sich starke und schwache Hendra-Viren-Jahre vorhersagen, sagt das Forschungsteam. Und wenn man dafür sorgen würde, dass den Fledermäusen genügend Nahrung und Lebensräume zur Verfügung stehen, kämen ihre Ausscheidungen seltener mit potentiellen Folgewirten wie Pferden in Berührung. Dieser Ansatz, verschiedene Treiber, Klima-Ereignisse, Wetterphänomene und Flächenverbrauch mit in die Viren-Vorhersage einzubeziehen, könnte möglicherweise auch für präzise Vorhersagen der Ausbreitungsmuster anderer Viren wie dem Ebola-Virus benutzt werden.

Graukopf-Flughund (Pteropus poliocephalus)
Es gibt Muster, wann Flughunde in großen oder kleinen Populationen zusammenleben. Bestimmte Ereignisse in der Natur stoßen sie an. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Links/Studien

Die komplette Studie "Why do bat viruses keep infecting people?" lesen Sie hier.

lfw

Große Mausohr Fledermaus  (Myotis myotis) 4 min
Das Corona-Virus ging womöglich urspünglich von Fledermäusen auf den Menschen über. Bildrechte: imago/blickwinkel
404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/7bd9bd7b-bc4c-42cf-bd83-16e6c889391b was not found on this server.