Biodiversität Leipziger Forscher erhält begehrten Leibniz-Preis

An Universitäten gilt er als "Weltstar" und "Akademisches Wunderkind". Nun bekommt Forscher Nico Eisenhauer von der Universität Leipzig den Leibniz-Preis verliehen. 2,5 Millionen erhält er damit für seine Forschung zur Klimakrise anhand der Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in Böden.

Prof. Nico Eisenhauer, 2017
Prof. Nico Eisenhauer - im Ecotron in Bad Lauchstädt. Dort wird untersucht, welche Folgen es hat, wenn in Ökosystemen einzelne Arten verschwinden. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Einen Forscher als "Weltstar" zu betiteln, ist eher selten der Fall. Auf Professor Nico Eisenhauer von der Universität Leipzig trifft der Titel aber zu, denn der Biodiversitätsforscher hat "herausragende Arbeiten zu den Auswirkungen des globalen Wandels auf die Biodiversität und Ökosystemfunktionen" gemacht, teilt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit. Die DFG verleiht Eisenhauer deshalb ihren renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021.

Frisches Geld für die Forschung

Hinzu kommt: Mit nur 41 Jahren ist Eisenhauer in diesem Jahr der mit Abstand jüngste Preisträger. Dotiert ist der Leibniz-Preis mit 2,5 Millionen Euro, wovon Eisenhauer seine Forschung weiter ausbauen kann. Potenzial dürfte er ausreichend finden, denn:

Über den Boden ist noch sehr wenig bekannt. Der wird in der Literatur als Black Box bezeichnet, als irgendetwas, wovon wir nicht viel wissen.

Prof. Dr. Nico Eisenhauer

Professor Nico Eisenhauer vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung erforscht in den USA die Invasion der Regenwürmer
Nico Eisenhauer hört die Regenwürmer husten. Bildrechte: iDiv

Weder könne gesagt werden, wie viele Arten im Boden leben, noch sei die Kommunikation zwischen den einzelnen Arten untersucht. Besonders in Sachen Regenwurm-Forschung hat der Professor für Experimentelle Interaktionsökologie neue Maßstäbe gesetzt. Er fand heraus, dass die Anzahl der Regenwürmer nicht in Richtung Tropen zunimmt. Stattdessen gibt es die meisten Tiere in gemäßigten Zonen, also auch in Deutschland.

Regenwürmer sind systemrelevant

Auch für Nährstoff- und Süßwasserversorgung, Kohlenstoffspeicherung und Saatgutverbreitung leisten die unscheinbaren Tierchen wichtige Arbeit. Deshalb plädiert Eisenhauer dafür den Blick nicht nur nach vorn, sondern auch nach unten zu richten. Mit den Veränderungen von Niederschlag und Temperatur gefährdet die Klimakrise nämlich den Lebensraum aller: "Aufgrund dieser starken Klimaeffekte kommen wir zu dem Schluss, dass der Klimawandel Veränderungen in den Regenwurmgemeinschaften hervorrufen und die Funktionen und Dienstleistungen der Ökosysteme verändern kann", erklärt Eisenhauer.

Ein Mann mit Plastikhandschuhen schaut sich einen Regenwurm auf seiner Hand an.
Weltweit erforscht Nico Eisenhauer Regenwürmer, wie hier in den USA. Bildrechte: Nico Eisenhauer/iDiv

Sichtbar sind die Veränderungen auch in Jena. Hier hat Eisenhauer das sogenannte "Jena-Experiment" mitaufgebaut. Am Stadtrand wird auf zehn Hektar ein Experiment zur Biodiversität durchgeführt. Verschwindet eine einzige Art, ist das für das gesamte Ökosystem schlimm, denn:

Wir konnten feststellen, dass Pflanzengemeinschaften mit einer großen Artenvielfalt deutlich stabiler und widerstandsfähiger sind. So ertragen sie Klimaextreme wie Starkregen oder Trockenheit viel besser.

Nico Eisenhauer

Wertvolle Vielfalt

Eisenhauer fand heraus, dass Vielfalt schützt: je mehr verschiedene Pflanzen es gibt, desto besser ist das für die einzelnen Pflanzen. Diese Vielfalt macht sogar den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden unnötig. Auch die Regenwürmer profitieren also davon. Während es in Deutschland 100 bis 300 Exemplare pro Quadratmeter gibt, gibt es in den USA bis zu 600 Würmer.

Regenwürmer mögen mysteriös sein und nicht das Charisma eines Pandabären haben, aber sie sind äußerst wichtig für andere Organismen und das Funktionieren unserer Ökosysteme.

Nico Eisenhauer

Präsident Eisenhauer

Jetzt bekommt Nico Eisenhauer für diese Forschung einen besonderen Preis. Auch wenn die Regenwürmer das nicht bei Youtube verfolgen werden (siehe Link unten), so könnte es doch Folgen für sie haben, dass "ihr" Professor mit Millionenförderung weiter Bodenforschung betreiben kann. Wie besonders diese Beziehung ist, schrieb MDR WISSEN schon 2019:

Wenn die Regenwürmer unter den Menschen einen Präsidenten wählen dürften, dann wäre die Chance sehr hoch, dass sie Nico Eisenhauer ihre Stimme geben.

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