Klimawandel CO2: Wie Klimaanlagen die Atmosphäre reinigen

Klimawandel
Kohlendioxid belastet unsere Atmosphäre. Klimaanlagen könnten CO2 mit entsprechender Technologie in synthetischen Kraftstoff umwandeln, schlagen Forscher jetzt vor. Das Potenzial sei riesig. Bildrechte: Colourbox

Kraftstoff statt Dreck: Warum nicht einfach eine Technologie entwickeln, die Kohlendioxid (CO2) aus Wasser und Luft zieht, und einfach in einen Kraftstoff umwandelt? Weniger Belastung für die Atmosphäre bei mehr Energie - kann das eine Lösung für die Zukunft sein? Nach einer Untersuchung von Forschern aus Karlsruhe und Toronto (Kanada) birgt die Nachrüstung von Klimaanlagen zur Umwandlung von Kohlendioxid in synthetischen Kraftstoff erhebliches Potenzial. Mit sogenannten CO2-Reproduktionstechnologien könnten riesige Mengen der schädlichen CO2-Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden. Ihre Arbeit zum Projekt "Crowd Oil" stellten sie in dem Fachjournal "Nature Communications" vor.

4.000 Tonnen Kraftstoff aus Frankfurter Messeturm

Blick auf den Messeturm in Frankfurt am Main
Der Messeturm in Frankfurt/Main hat 63.000 Quadratmeter Bürofläche, die klimatisiert wird. Viel Potenzial um Kohlendioxid zu wandeln. Bildrechte: Nature Communications

"Die vorläufige Analyse lässt vermuten, dass allein im Frankfurter Messeturm jährlich 2.000 bis 4.000 Tonnen Kraftstoff erzeugt werden könnten", schreiben die Forscher Geoffrey Ozin, Roland Dittmeyer und Kollegen in dem Fachbeitrag. Insgesamt könnten pro Stunde in dem Hochaus 1,5 Tonnen Kohlendioxid umgewandelt werden. "Diese Analyse zeigt eindrucksvoll, dass Klimaanlagen mit der entsprechenden Technologie eine signifikante Menge an Kohlendioxid abfangen können."

Supermärkte mit enormen Klimaanlagen-Flächen

Die Wissenschaftler testeten die CO2-Umwandlung auch in den Supermärkten großer deutscher Anbieter. Die in den Versuch eingeflossenen 25.000 Lebensmittelmärkte klimatisierten ihren Messungen zufolge insgesamt eine Fläche von jeweils 1.200 Quadratmeter. Würden alle Klimaanlagen dort mit der CO2-Reproduktionstechnologie ausgestattet, könnten laut den Forschern 1.000 Tonnen Kohlendioxid pro Stunde aus der Luft aufgenommen und umgewandelt werden.

Viel Potenzial auch in Niedrigenergiehäusern

Ein großes Potenzial sehen die Forscher auch in der CO2-Umwandlung in Niedrigenergiehäusern. Weil sie stark isoliert sind und die Luftzirkulation über Klimaanlagen geregelt wird, könnten auch hier CO2-Reproduktionstechnologien mit viel Potenzial eingesetzt werden. In einem Gebäude mit fünf bis sechs ließen sich der Analyse zufolge pro Stunde 0,5 Kilogramm Kohlendioxid aufnehmen und umwandeln.

Technologie bereits vorhanden

Modulare Anlagen zur Abscheidung und Umwandlung von CO2.
Modulare Anlagen zur Abscheidung und Umwandlung von CO2. Bildrechte: Nature Communications

Laut den Forschern sind entsprechende CO2-Reproduktionstechnologien längst vorhanden. Man müsste sie lediglich auf die Klimaanlagen aufrüsten und anpassen. Hier und auch bei anderen Forschungsansätzen fehle es jedoch an mangelndem politischen und industriellen Willen. "Obwohl es ein öffentliches und wissenschaftliches Interesse an der Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre gibt, wurden mangels industrieller Anreize und politischer Maßnahmen realisierbare Entfernungsstrategien im Milliardenbereich nicht realisiert", schreiben die Forscher im Fachbeitrag. Diese seien zur Eindämmung der Erderwärmung jedoch dringend erforderlich.

Modell zur Energie-Demokratisierung

Die Forscher Ozin, Dittmeyer und Kollegen empfehlen wegen des hohen Potenzials Klimageräte mit der CO2-Reduktionstechnologie nachzurüsten und damit Kohlendioxid und Wasser aus der Luft direkt in ortsfeste Kraftstoffe umzuwandeln. Das vorgestellte Modell trage den Forschern zufolge auch zur Energiedemokratisierung, weil es neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffne. "Die Menschen können auf globale Erwärmung und Klimawandel reagieren – unabhängig von fossilen Industriegiganten", heißt es in dem Fachbeitrag.

Und es würde eine völlig neue Dimension in die Diskussion um eine CO2-Steuer bringen. Denn wer CO2 vernichtet, statt produziert, müsste eigentlich auch dafür belohnt werden - auch vom Finanzamt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 30. April 2019 | 14:38 Uhr