Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Wetterextreme: Schäden können sich gegenseitig verstärken

Extreme Wetterereignisse wie zuletzt beim Ahr-Hochwasser können sehr hohe Kosten verursachen. Forschende aus Potsdam haben errechnet, dass sich die Schäden nicht nur summieren, sondern gegenseitig noch verstärken können.

NEine zerstörte Brücke.
Das Hochwasser an der Ahr in diesem Sommer hat immense Schäden verursacht. Bildrechte: IMAGO / Future Image

Erst im Juli wurde Deutschland wieder von einem Wetterextrem heimgesucht, als anhaltender Starkregen zu Hochwasser in Teilen Westdeutschlands führte. Allein die Deutsche Bahn schätzt die dadurch verursachten Schäden auf rund 1,3 Milliarden Euro. Doch die wahren Kosten dürften noch um ein Vielfaches höher sein, wie eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nun herausgefunden hat. Die Forscher um Kilian Kuhla und Anders Levermann errechneten mit Computersimulationen, dass Wetterextreme Schockwellen entlang unserer Lieferketten aussenden können, die sich überlagern und einander verstärken können: eine sogenannte Schockverstärkung. Am Ende ist dann die gesamte Schadenssumme höher, als die der einzelnen Ereignisse zusammenaddiert - laut der Studie um rund 20 Prozent.

Havarie im Suezkanal wirkte sich auf gesamte Weltwirtschaft aus

Der Effekt, der vor allem auf der immer enger vernetzten Weltwirtschaft beruht, zeigte sich beispielsweise auch bei der Havarie des Containerschiffs "Ever Given" im Suezkanal im März dieses Jahres. Zwar steckte das Schiff nur rund eine Woche fest, die Folgen der Blockade spürt die globale Wirtschaft aber teilweise immer noch, da ganze Lieferketten zusammenbrachen. "Das, was wir ökonomische Wellenresonanz nennen, könnte in Zukunft entscheidend bei der Bewertung der wirtschaftlichen Klimafolgen sein", erklärt Kilian Kuhla. Wetterextreme könnten in Zukunft noch mehr zu wirtschaftlicher Knappheit in der einen Weltregion führen, während andere Gegenden von dem Mangel profitieren und höhere Preise verlangen können. Insgesamt könnte die Weltwirtschaft durch solche Extremereignisse aber massive Verluste erleiden.

Anders Levermann
Der PIK-Forscher Anders Levermann (Archiv). Bildrechte: imago/ZUMA Press

Am meisten könnte davon China wegen seiner herausragenden Stellung in der Weltwirtschaft betroffen sein. Dort könnten die Verluste um 27 Prozent steigen, wenn sich die Folgen der Wetterextreme gegenseitig überlagern. "Wenn zwei separate Ereignisse Schockwellen durch die Weltwirtschaft schicken, türmen diese sich wie eine Flutwelle auf", erläutert Anders Levermann. Der Grund dafür liege in der Verknappung des Angebots, was die Nachfrage und damit die Preise erhöhe. Dies werde meist direkt an die Verbraucher weitergegeben. "Wenn andere Lieferanten ausfallen, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen eines anderen Wetterextremereignisses anderswo zu spüren sind, werden die sich überlagernden Preisschocks verstärkt", so Levermann.

Globale Erwärmung könnte noch teurer werden als gedacht

Diese Erkenntnisse sind nicht neu, aber "neu ist der Effekt der Überlagerung und Verstärkung der Wellen", erklärt der Experte. Bisher habe man vor allem lokale Schäden betrachtet, nun rückten auch Ereignisse in verschiedenen Ecken der Welt ins Blickfeld. Denn durch die starke Vernetzung der globalen Wirtschaft beeinflussen diese sich mittlerweile gegeneitig. Das gelte auch für aufeinanderfolgende Katastrophen, wenn sich ihre Auswirkungen überschneiden: "Wenn wir die Treibhausgase nicht rasch reduzieren, wird uns das teuer zu stehen kommen – noch teurer, als wir bisher erwartet haben", so Levermann.

cdi

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