Weltweit einziger Weißer Orang-Utan Alba darf zurück in die Freiheit

Sie ist einzigartig: weißes Fell, blaue Augen. Die Affendame Alba ist der einzige bekannte Albino-Orang-Utan der Welt. Alba war im vergangenen Jahr in völlig verwahrlostem Zustand in einem Dorf auf Borneo entdeckt worden. Jetzt ist sie wieder so gesund, dass sie im Regenwald ihrer Heimatinsel ausgesetzt werden kann.

Der weiße Orang-Utan Alba schaut in die Kamera
Bildrechte: BOS Foundation/ BOS Deutschland e.V.

Alba ist wieder fit! Nachdem die weiße Affendame letztes Jahr in sehr schlechtem Zustand entdeckt wurde, hat die Tierschutzorganisation BOS (Borneo Orangutan Survival) den einzigen bekannten Albino-Orang-Utan wieder aufgepäppelt. Die Tierschützer glauben, dass sie nun bereit zum Auswildern ist. Aus Sorge um das extrem seltene Tier soll allerdings alles ganz vorsichtig über die Bühne gehen.

Dem Tier mit dem weißen Fell und den strahlend blauen Augen drohen die verschiedensten Gefahren: nicht nur von Raubtieren und möglicherweise eifersüchtigen Artgenossen, sondern auch von menschlichen Trophäensammlern. Insgesamt, so schätzt man, gibt es auf Borneo und der Nachbarinsel Sumatra nur noch etwa 50.000 Orang-Utans. Die Menschenaffen mit normalerweise rotbraunem Fell gelten heute als stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Insbesondere, weil der Urwald durch Rodungen, Brände und riesige Palmöl-Plantagen immer weniger wird.

Alba, "Die Weiße"

Der weiße Orang-Utan Alba turnt im Käfig
Alba hat sich in der Rettungsstation gut erholt und ist viel kräftiger geworden. Bildrechte: BOS Foundation/ BOS Deutschland e.V.

Alba wurde im Frühjahr vergangenen Jahres von Tierschützern in einem abgelegenen Dorf im Dschungel entdeckt - mit ihren weißen Haaren und blauen Augen eine Sensation.
Die Dorfbewohner hatten sie in einem winzigen Holzkäfig eingesperrt. Alba war unterernährt, geschwächt und hatte starken Sonnenbrand und Blutspuren im Gesicht. Ob diese von einem Kampf oder von Misshandlungen stammten, ließ sich nicht mehr feststellen.

Die Dorfbewohner behaupteten damals, dass das etwa fünf Jahre alte Tier einfach so aufgetaucht sei, ohne seine Mutter. Niemand von außerhalb weiß, ob das stimmt. Alba wurde dann in eine Rettungsstation von Borneo Orang-Utan Survival gebracht, wo schon mehr als 400 ihrer Artgenossen zuhause sind. Dort bekam sie auch ihren Namen: Alba ist lateinisch und heißt weiß.

"Alba ist der Boss"

Dass es auch unter Tieren Albinismus gibt, ist schon lange bekannt. So kennt praktisch jeder die weißen Labormäuse. Weniger bekannt ist, dass andere Säugetiere, aber auch Vögel und Fische von der angeborenen Stoffwechselerkrankung betroffen sein können. Die Sorge, dass sie wegen ihres Aussehens von anderen Orang-Utans ausgegrenzt werden könnte, hat sich allerdings in der Rettungsstation bislang nicht bewahrheitet.

Im Gegenteil: "Alba ist der Boss", sagt der Chef der Tierschutzorganisation, Jamartin Sihite. Im Käfig, wo sie die meiste Zeit mit drei anderen Affen zusammenlebt, gebe sie den Ton an. Seit der Rettung habe sie fast zehn Kilo zugenommen. Abgesehen von ihrer starken Sehschwäche sei sie völlig gesund. Deshalb ist Sihite überzeugt: "Sie ist so weit, dass sie wieder in den Wald gehen kann."

Auswilderung in kleinen Schritten

Orang-Utan Alba spielt mit einem Argenossen
Fellfarbe egal: Alba versteht sich gut mit ihren Artgenossen in der Rettungsstation. Bildrechte: BOS Foundation/ BOS Deutschland e.V.

Der Plan ist nun, Alba im Frühsommer zunächst auf eine Insel namens Salat zu bringen, wo auch andere Orang-Utans für die Freiheit üben können. Wegen der besonderen Umstände soll Alba aber zusammen mit ihren drei aktuellen Spielkameraden Kikan, Radmala und Unyu ein eigenes Refugium bekommen. An dem etwa fünf Hektar großen Areal wird aber noch gearbeitet. So müssen ein Camp gebaut, Kanäle ausgegraben und Sicherheitseinrichtungen hochgezogen werden. Das ist auch der Grund dafür, dass Alba die Station nicht jetzt schon verlassen kann. Im Juni oder Juli soll es so weit sein. Nach ein paar Monaten "Auswildern light" soll sie dann ganz in die Freiheit dürfen.

Wo genau Alba dan ausgesetzt wird, das wollen die Tierschützer allerdings nicht verraten. Sie befürchten, dass das weiße Orang-Utan-Weibchen zum Opfer von Tierjägern werden könnte. Wie in anderen Teilen der Welt gibt es auch auf Borneo immer noch Menschen, die glauben, dass Albinos besondere Macht und Potenz verleihen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 17. Januar 2018 | 13:15 Uhr