Zoonose Die nächste Pandemie: Welches Virus kommt nach Corona?

Seit der Spanischen Grippe hat die Menschheit kein Virus mehr erlebt, das weltweit so viele Folgen hatte, wie jetzt SARS-CoV-2. Werden solche Zoonosen häufiger und müssen wir schon die nächste Pandemie fürchten?

Puten auf einem Bauernhof
Breitet sich ein Virus in einem großen Tierstall aus, können rasch hohe Viruskonzentrationen in der Luft entstehen. Unter solchen Bedingungen können die Viren auch auf Menschen übergehen (Archivbild). Bildrechte: IMAGO / imagebroker/flegar

Viren können nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch zwischen Tier und Mensch übertragen werden. Die Infektionskrankheiten, die sie auslösen, heißen Zoonosen. Zoonosen können für uns Menschen harmlos verlaufen oder aber auch zu schweren Erkrankungen führen – wie das Coronavirus SARS-CoV-2 eindrucksvoll beweist. Überall dort, wo also Mensch und Tier auf engem Raum zusammenleben und sich stark vermischen, herrscht ein Risiko, dass wieder ein Virus überspringt.

Massentierhaltung und Tiermärkte als Quelle von Pandemien

Zuletzt ist das im Februar in Russland passiert, wo das Vogelgrippe-Virus H5N8 bei sieben Mitarbeitern einer Geflügelfarm nachgewiesen wurde. Professor Stephan Ludwig von der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen in Münster sagt: "Massentierhaltungen in Großgeflügelfarmen sind ein Problem. Wenn dort ein Virus hineinkommt, infizieren sich in Nullkommanix alle Tiere und die Virus-Last im Betrieb wird sehr hoch. Dies kann dazu führen, dass sich Menschen infizieren."

Doch die Massentierhaltung ist in der Regel gut überwacht und Infektionen werden schnell erkannt, sagt Virologie-Professor Thomas Schulz von der Medizinischen Hochschule Hannover. Problematischer findet er zum Beispiel Tiermärkte, auf denen unkontrolliert Wild- und Zuchttiere zusammenkommen, die sonst keinerlei Kontakt miteinander haben. Auch bei dem aktuellen Coronavirus gibt es ja die Theorie, dass ein Wildtiermarkt hier bei der Ausbreitung eine Rolle gespielt haben könnte. Beim ersten SARS-Ausbruch 2002 war das so, sagt Thomas Schulz. Jetzt sei es aber wahrscheinlich anders. "Bei den allerersten Fällen, die im Dezember in China aufgetreten sind, hatte ein beträchtlicher Teil keinen nachvollziehbaren Kontakt zu diesem Tiermarkt", sagt er.

Das nächste Virus kommt auf jeden Fall

Doch egal, wo das nächste Virus seinen Weg in den Menschen finden wird, kommen wird es ganz sicher, meint Schulz.

Prof. Dr. med. Thomas Schulz
Bildrechte: Medizinische Hochschule Hannover/ Nico Herzog

Wir haben in den letzten 30 Jahren praktisch alle drei Jahre so ein neues Virus gehabt. Nicht jedes macht gleich so eine riesen Pandemie. Es gibt viele, über die redet man nicht lange oder die machen begrenzte, lokale Ausbrüche oder Epidemien. Ebola in Afrika zum Beispiel war in den letzten Jahren häufiger mal in den Schlagzeilen.

Es ist wie mit den Erdbeben in San Francisco, ergänzt er: Man weiß, es wird kommen, aber nicht wann genau. Die gute Nachricht ist dagegen, die Fachleute gehen davon aus, dass die Mehrzahl der neuen Ausbrüche regional begrenzt bleibt. Bei SARS-CoV-2 seien schon außergewöhnliche viele Faktoren zusammengekommen, dass es sich so massiv verbreiten konnte. Doch auch neue Pandemien sind in Zukunft nicht ausgeschlossen, insbesondere, wenn ein anderes Problem nicht ernsthaft angegangen wird – der Klimawandel.

Tropische Temperaturen in Deutschland bedeuten tropische Krankheiten

Thomas Schulz sagt: "In den südlichen Teilen von Deutschland werden jetzt Moskitos heimisch, die als Überträger von ganz unangenehmen Viren bekannt sind. Die hat es früher hier nicht gegeben, weil es zu kalt war im Winter." Der Virologe befürchtet etwa, dass künftig zum Beispiel das West-Nil-Virus hierzulande deutlich häufiger auftreten könnte, ein Virus, das bereits bekannt dafür ist, sich sehr schnell auszubreiten.

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