"Stunde der Wintervögel" Weniger Wintervögel in Deutschland

Jeden Winter rufen die Umweltschützer vom NABU auf, eine Stunde lang alle Vögel in Sichtweite zu zählen. Das Ergebnis: Die Zahl der Wintervögel in Gärten und Parks in Deutschland geht kontinuierlich zurück.

Gimpel sitzt auf verschneitem Zweig
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Es klingt erst einmal recht positiv: Bei der diesjährigen "Stunde der Wintervögel" haben so viele Vogelfreunde wie noch nie weit mehr Vögel als vergangenes Jahr beobachtet. Mehr als 136.000 Menschen notierten im Schnitt 18 Vögel pro Garten oder Park. Das sind elf Prozent mehr als bei der letzten Zählung. Auch einheimische Arten wie Blau- und Kohlmeise, Sperlinge und waldbewohnende Finkenarten sind wieder häufiger gesichtet worden. Aber die positiven Nachrichten sind ein Trugschluss, sagt NABU-Geschäftsführer Leif Miller.

Die höheren Zahlen in diesem Jahr können nicht darüber hinwegtäuschen, dass seit Jahren ein kontinuierlicher Abwärtstrend festzustellen ist.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer

Der Rückgang häufiger Arten sei in vielen europäischen Ländern ein ernstes Problem. Das zeige sich auch bei den Wintergästen in unseren Gärten, so Miller. Seit dem Beginn der Aktion vor zehn Jahren hat der NABU einen Rückgang der gemeldeten Vögel um insgesamt 2,5 Prozent festgestellt.

Nun kann es verschiedene Ursachen haben, wenn weniger Vögel gezählt werden, wie im vergangenen Jahr. Zum einen kommen in milden Wintern wie 2016 und 2017 weniger Vögel in die Gärten, weil sie in der Umgebung noch genügend Futter finden. Das Wetter beeinflusst zum Beispiel, wie viele Baumsamen es in den Wäldern gibt, sowohl in Deutschland als auch in den Herkunftsgebieten vieler Vögel in Nord- und Osteuropa. Zum anderen haben Populationen mit Krankheiten zu kämpfen, wie die Amsel, die in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Wintervögel von Platz zwei auf Platz fünf abrutschte. Ein Grund ist das für diese Vögel tödliche Usutu-Virus, das in den Jahren 2016 und 2017 in Teilen Deutschlands unter den Amseln ausbrach. Daneben wird die Landwirtschaft als eine wahrscheinliche Ursache diskutiert.

Ein neuer Star

Ein milder Winter führt zwar dazu, dass weniger Vögel gezählt werden, sagt der NABU. Er führt aber auch dazu, dass mehr Zugvögel als sonst in Deutschland überwintern. Bestes Beispiel ist der Star, Vogel des Jahres 2018. Mit 0,81 Individuen pro Garten erzielte er in diesem Jahr mit Abstand sein bestes Ergebnis - statt wie früher in jedem 25. Garten wird er inzwischen in jedem 13. Garten auch bei der Winterzählung angetroffen. Laut NABU ist das auch Ringeltaube und Heckenbraunelle der Fall, die sogenannte Teilzieher sind. Diese Arten reagieren damit auf die vermehrten milden Winter, die ihnen eine Überwinterung näher an ihren Brutgebieten ermöglicht.

Große regionale Unterschiede

Interaktive Karte zur Verteilung der Wintervögel - Beispiel Amsel
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Amseln gibt es häufiger in Norddeutschland, der Graureiher konzentriert sich in Berlin und in Sachsen-Anhalt tummeln sich im Schnitt zehn Haussperlinge pro Garten. Zur Verteilung der Wintervogelarten hat der NABU eine interaktive Karte gebastelt - dort ist auch die Entwicklung der einzelnen Populationen für die vergangenen zehn Jahre sichtbar. Wer sich für die nächste Zählung fit machen will, kann sich mit den in Mitteldeutschland häufigen Vogelarten in dieser Galerie vertraut machen:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | EXAKT | 27. September 0017 | 20:21 Uhr