Psychologie Studie: Wer ungesünder lebt, fährt riskanter Auto

Wer riskant Auto fährt, lebt ungesünder. Das liegt wohl auf der Hand. Aber auch die umgekehrte Aussage wurde jetzt in einer Langzeitstudie nachgewiesen. Schlechte Ernährung und Raserei hängen zusammen.

Eine Autofahrerin erschrickt
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Auf die Idee muss man erst mal kommen: einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten im Straßenverkehr herzustellen. Aber es gibt ihn, diesen Zusammenhang. Das hat ein Forscherteam aus Estland in einer aufwändigen Langzeitstudie nachgewiesen. Nicht, dass das eine ursächlich für das andere wäre. Aber beide Verhaltensweisen haben eine gemeinsame psychologische Basis.

817 Autofahrer (49,2 % Männer, 50,8 % Frauen) nahmen an der Studie teil, die schon 2001 begann. Sie füllten Fragebögen aus, um ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, aber auch Faktoren wie Impulsivität und Aggressivität zu bestimmen.
Außerdem unterzogen sie sich einer Reihe von Bluttests und einer Genanalyse. Durch die Verknüpfung dieser Ergebnisse mit Polizei- und Versicherungsdatenbanken kamen die Forscher dann zu ihrem Ergebnis.

Wir haben festgestellt, dass es signifikante Zusammenhänge zwischen riskantem Verkehrsverhalten und einer Reihe von Lebensgewohnheiten gibt, wie z. B. anstrengende sportliche Betätigung, Alkoholkonsum oder Konsum von Junkfood und Energydrinks.

Tönis Tokko, Leiter der Studie
Energy-Drinks in Dosen von verschiedenen Marken
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Man könnte also auch etwas flapsig sagen: Wer im normalen Leben immer mal wieder einen gewissen Kick braucht, braucht den auch am Steuer seines Autos.
So lautet ein Teilergebnis, dass Probanden, die mindestens einmal pro Woche Energy-Drinks tranken, doppelt so oft zu schnell fuhren wie die diejenigen, die seltener Energy-Drinks tranken.

Auch die Gene spielen eine Rolle

Doppelhelix und genetischer Code
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Bei der Untersuchung genetischer Merkmale der Probanden fanden die Forscher außerdem heraus, dass bestimmte Varianten eines Gens, das den Serotonin-Transport steuert, mit riskantem Fahrverhalten in Verbindung stehen. Serotonin ist der Neurotransmitter, von dem man annimmt, dass er bei Depressionen eine Rolle spielt.

Das zeigt nach Meinung der Forscher, dass nicht nur die Psychologie der Menschen, sondern auch ihre biologische Veranlagung zu erhöhter Risikobereitschaft in verschiedenen Lebenslagen führt.

Bei europäischen Psychiatrie-Experten hat das für Aufsehen gesorgt. Dr. Oliver Grimm, leitender Psychiater am Universitätsklinikum Frankfurt sagte, es sei schon aus anderen Studien bekannt, dass es bei Erwachsenen einen Zusammenhang zwischen ADHS und häufigeren Verkehrsunfällen gibt.

Diese spezielle Studie aus Estland hilft nun, besser zu verstehen, wie sich diese unfallgefährdete Gruppe sowohl aus dem genetischen Risiko als auch aus Persönlichkeitsmerkmalen zusammensetzt.

Dr. Oliver Grimm, leitender Psychiater am Universitätsklinikum Frankfurt

Ausführlich vorgestellt wird die Studie beim Jahreskongress des "European College of Neuropsychopharmacology", der wichtigsten europäischen Organisation im Bereich der angewandten Neurowissenschaften. Der Kongress findet vom 2. bis 5. Oktober in Lissabon und online statt.

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