Mücken West-Nil-Virus Saison beginnt: Muskelschwäche und Lähmungen sind Alarmzeichen

Das West-Nil-Virus ist seit einigen Jahren in Deutschland heimisch. Es überwintert in Stechmücken der Gattung Culex. Für den Menschen ist das Virus selten ein Problem, aber einer von 100 Patienten erkrankt schwer.

Culex Stechmücke
Stechmücken der Spezies Culex können das West-Nil-Virus übertragen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Eine Hirnhaut- (Meningitis) oder sogar vollständige Gehirnentzündung (Enzephalitis) durch das von einem Mückenstich übertragene West-Nil-Virus ist zwar sehr, sehr selten, aber sie ist möglich. In den Monaten Juli bis September haben Mücken und Viren Saison, deshalb könnte es in den kommenden Monaten zu neuen Fällen kommen. Die Infektion, die durch die heimische Steckmückenart Culex übertragen wird, verläuft meist harmlos. Bei immerhin 20 Prozent der gestochenen zeigen sich Krankheitssysmptome, so Prof. Martin Pfeffer, Epidemiologe an der Universität Leipzig. Aber einer von 100 Patienten erkrankt lebensgefährlich.

Das West-Nil-Virus wird nicht wieder aus Deutschland verschwinden.

Prof. Martin Pfeffer, Epidemiologe, Universität Leipzig

2020 über 50 Fälle von West-Nil-Virus in Deutschland

Seit 2018 wissen Forschende, dass das sogenannte West-Nil-Virus in Deutschland heimisch geworden ist. Veterinärmediziner hatten das Virus bei Vögeln nachgewiesen. 2019 waren dann die ersten fünf Fälle bei Menschen gefunden worden, die nicht ins Ausland gereist werden. 2020 wuchs diese Zahl auf insgesamt 20 symptomatische Fälle und zwei ohne Symptome. 30 weitere Infektionen wurden durch infizierte Blutspenden festgestellt.

Experten führen dieses Fallwachstum vor allem auf die gestiegene Aufmerksamkeit der Mediziner zurück. 2021 wurden nur vier Fälle gemeldet, die Ursache für den Rückgang vermutet das RKI im kühlen Sommerwetter.

Eine Karte von Deutschland zeigt, dass die meisten Fälle von Westnil-Virus-Infektionen bislang in den ostdeutschen Bundesländern festgestellt wurden.
Übersichtskarte mit gemeldeten Infektionen von West-Nil-Virus bei Tieren (grau) oder bei Menschen (blau). Autochton bedeutet, die Ansteckung steht nicht in Zusammenhang mit einer Auslandsreise. Bildrechte: Offergeld, Lachmann, Stark, DOI 10.25646/10171

Gehirnentzündung – Ein Prozent der Patienten erkranken schwer am West-Nil-Virus

Die meisten Infizierten bemerken nichts von dem Erreger. Bei jedem fünften (20 Prozent) aber kommt es nach zwei bis 14 Tagen zu grippeartigen Symptomen mit Fieber, die drei bis sechs Tage anhalten. "In der Regel ist es so wie eine Sommergrippe", so Professor Pfeffer. "Man kann es sehr gut mit Corona verwechseln. Das ist sehr unspezifisch, ein Problem bei vielen dieser Erkrankungen." Die Betroffenen erleben zum Beispiel plötzliches Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Manchmal bekommen sie auch einen großflächigen, fleckigen Hautausschlag.

Man kann es sehr gut mit Corona verwechseln.

Prof. Martin Pfeffer

In einem von 100 Fällen kann es auch zu einem schweren Verlauf kommen, bei dem das Virus das Nervensystem befällt. Dann manifestiert sich die Infektion als Hirnhautentzündung (Meningitis) oder noch weitergehende Entzündung des Hirngewebes (Enzephalitis). Symptome sind dann unter anderem mentale Veränderungen, Muskelschwäche und Lähmungen. Fünf bis zehn Prozent dieser Patienten sterben an dem Virus.

Nachgewiesen werden kann eine Ansteckung in den ersten Tagen nach Symptombeginn mit einem PCR-Test, danach durch Nachweis von Antikörpern gegen das Virus.

(ens)

Eine Mücke 3 min
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