Covid-19 Sind geimpfte Infizierte eine unterschätze Gefahr?

Welche Gefahr geht von den Durchbruchsinfektionen aus? Könnten sie im Herbst zum Treiber des Ansteckungsgeschehens werden? Die meisten Wissenschaftler sind sich einig: Die größere Gefahr geht von Ungeimpften aus.

Eine Schülerin wird geimpft
Eine Schülerin an einem Düsseldorfer Gymnasium wird geimpft. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/NurPhoto

Wie gefährlich können infizierte Geimpfte für das weitere Ansteckungsgeschehen in der Pandemie werden? Angesichts der hochansteckenden Deltavariante von Sars-CoV-2 befürchten besonders Menschen, die den bisher angebotenen Corona-Impfstoffen skeptisch gegenüberstehen, dass eine Impfung weder vor einer Ansteckung schützt, noch Geimpfte davor bewahrt, andere Menschen anzustecken.

Unsichtbare Welle durch geimpfte Infizierte?

Belegt werden diese Sorgen mit Berichten über Durchbruchsinfektionen, also Ansteckungen, zu denen es trotz doppelter Impfungen kommt. Diese Menschen können das Virus auch weitergeben, zumindest in den ersten Tagen nach der Infektion. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Studien aus England und Singapur.

Angesichts dieser Fakten warnte der Hallenser Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" davor, dass eine Aufhebung aller Schutzmaßnahmen für Geimpfte zu mehr Unvorsicht bei diesen führen könnte. So würden Erkältungssymptome häufig nicht ernst genommen und die Geimpften könnten die Infektion weitertragen. "Wir haben nicht nur die berühmte Welle der Ungeimpften, sondern auch eine nicht erkannte, unsichtbare Welle der Geimpften", so Kekulé.

Geimpfte weniger infektiös als Ungeimpfte

Doch wie groß ist die Gefahr, die von solchen Durchbruchsinfektionen ausgeht, wirklich? Die Braunschweiger Epidemiologin Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung geht aktuell davon aus, dass der Anteil sogenannter Durchbruchsinfektionen an den Infektionen insgesamt deutlich unter 20 Prozent liegt. Zusammengenommen mit der Tatsache, dass der Anteil Geimpfter an der Bevölkerung inzwischen vielerorts über 60 Prozent liegt, zeigt das, dass Geimpfte auch trotz Deltavariante bislang deutlich seltener mit dem Virus infiziert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geimpfter einen weiteren Geimpften anstecke, sei nochmal deutlich geringer.

Der Virologe Christian Drosten sagt mit Blick auf die aktuelle Studienlage, dass die meisten Durchbruchsinfektionen deutlich milder verlaufen, als eine Erkrankung bei Ungeimpften. Auch geben Geimpfte wohl weniger Virus weiter. "Wir sind infektiös, aber wir sind dennoch wieder nicht so infektiös wie ein Ungeimpfter", sagt er im Podcast Coronavirus Update.

Die Zahl der Inzidenzen scheint diese Aussagen zu bestätigen. So schlüsselt z.B. das hessische Gesundheitsministerium seit dieser Woche die Inzidenz nach Impfstatus auf. Der Unterschied ist groß, meldet der Hessische Rundfunk: Während der Wert für Ungeimpfte bei über 270 liegt, bewegt er sich bei Geimpften im einstelligen Bereich bei 9,7.

Impflicht aus Rücksicht auf Schwächere

Größere Probleme sieht Drosten vor allem, wenn es zu Infektionen zwischen Geimpften und Ungeimpften kommt. "Die heterologe Kombination ist immer schlecht. Ein nicht Geimpfter hat viel mehr Virus und kann selbst einen Geimpften noch infizieren. Oder ein Geimpfter, der ein bisschen Virus hat, aber auf einen Ungeimpften trifft und der ist so empfindlich für das Virus, dass der dann infiziert wird", beschreibt er die möglichen Problemszenarien.

Die meisten Experten sehen also nach wie vor den großen Anteil von Ungeimpften als die zentrale Gefahr an. Sie könnten zu einer neuen Überlastungswelle der Krankenhäuser führen, wenn die Immunisierung nicht schnell erhöht wird und es zu zahlreichen Neuinfektionen ungeschützter kommt.

Angesichts dieser Aussichten spricht sich der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar im Sender phoenix für eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen aus. Wer viel Kontakt mit verletzlichen Bevölkerungsgruppen habe, beispielsweise als Altenpfleger arbeite, müsse unbedingt geimpft sein. Dass mit einer solchen Pflicht die Selbstbestimmung eingeschränkt werde, sei vertretbar, denn letztlich handele es sich um eine Rücksichtnahme auf Schwächere, die sich nicht impfen lassen könnten oder bei denen die Impfung nicht so gut wirke. "Wir haben auch in anderen Bereichen der Gesellschaft die Pflicht, Rücksicht auf Schwächere zu nehmen", sagte er und führte als Beispiel die Regeln im Straßenverkehr an.

(ens)

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