Das Altpapier am 26. September 2019 80 Millionen Autismus-Versteher

Im "Fall Buschmann" hat der Spiegel eine Entscheidung getroffen. Dass die Debatte über die Art und Weise, wie das Magazin arbeitet, damit beendet wäre, lässt sich nicht behaupten. Zudem auf der Agenda: die modrige Küchenpsychologie in Sachen Greta Thunberg; die Bedeutung der rechten "Gewaltsuggestionen in Social Media". Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 26. September 2019: Friedrich Merz mit erhobenem Zeigefinger. Im Hintergrund ein Bildschirm mit Greta Thunberg.
Bildrechte: MDR/Collage MEDIEN360G / dpa

Der Politikjournalismus im Allgemeinen und der "Umgang" mit der AfD im Besonderen, die Qualität der Medienkritik und auch die Sportberichterstattung im Fernsehen - all diese Spielarten des Journalismus (und noch einige andere) werden regelmäßig kritisiert in dieser Kolumne. Eine passende Kategorisierung für die aktuell aufgreifenswürdige Berichterstattung über die "große Verzweiflung" und diverse "Schicksalsgeschichten" hervorbringende Pleite eines Reiseveranstalters ist mir bisher aber leider noch nicht eingefallen. Mely Kiyak hat in ihrer Kolumne für Zeit Online diesen Journalismus zerpflückt und dabei unter anderem die auf Großbritannien bezogene, von der dpa ersonnene Formulierung "größte Rückholaktion in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg" zurückgegriffen. Kiyak schreibt:

"Die Berichte über die 'größte Rückholaktion in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg' kommen erstaunlicherweise gänzlich ohne die Bemerkung aus, dass, wer seit zwei Jahrzehnten für acht-, neunhundert Euro All-inclusive-Billigurlaub in Billiglohnländern macht, sich zum sozialen und ökologischen Ausgleich auf eigene Kosten um die Rückreise mit Bus, Bahn und Linienflug kümmern könnte. Denn ist es nicht so: Der Markt gibt, der Markt nimmt. Jetzt hat der Markt genommen. Und dann fällt der Rückflug aus. Nichts Ungewöhnliches eigentlich (...) Die Aufregung in der deutschen Berichterstattung lässt sich nur erklären, wenn man sich die umfangreichen Statistiken dieses sehr speziellen Wirtschaftssegments namens Tourismusbranche anschaut. Es gibt wenig heilige BRD-Kulturgüter, aber das Verreisen zählt neben der Hundehaltung und dem Fleischverzehr in Kombination mit Bierkonsum eindeutig zur Schaumkrone des deutschen Savoir-vivre."

Mir fällt dazu noch die Dienstags-Ausgabe der "Presseschau aus deutschen Zeitungen" im Deutschlandfunk ein. Als ich sie hörte, verschluckte ich mich beinahe an meinem Müsli. Mit entwaffnender Nüchternheit verkündete der Sprecher:

"Die UNO-Klimakonferenz in New York ist ein Thema, ebenso das EU-Treffen auf Malta zur Flüchtlingsverteilung. Hauptsächlich beschäftigen sich die Kommentatoren allerdings mit der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook."

Möglicherweise hatte ja auch Kiyak an jenem Morgen einen ähnlichen WTF-Moment.

Fünf Jahre später

Der "Fall Buschmann" war bereits zweimal ausführlich Thema im Altpapier (hier und hier). Es geht dabei, kurz gesagt, um den von Übermedien umfänglich begründeten Vorwurf, der sehr bekannte Spiegel-Journalist Rafael Buschmann habe 2014 einen Fußball-Wettbetrugsfall erfunden. Heute schreibt die SZ dazu:

"Rafael Buschmann, 37, einer der jungen Starreporter des Hauses, sollte eigentlich spätestens ab September das neu gemischte Investigativ-Team leiten. Am Mittwoch hat die Chefredaktion nach einer wochenlangen internen Untersuchung die zunächst nur zurückgestellte Beförderung abgeblasen. 'Rafael hat mir angeboten, auf die Beförderung zum Teamleiter zu verzichten', schrieb Chefredakteur Steffen Klusmann in einer Mitteilung, die er am Mittwoch an die Redaktion verschicken wollte, der habe 'dieses Angebot angenommen' (…) Grund sei ein fehlender Beleg für eine Behauptung, die in einem mehr als fünf Jahre alten Artikel aufgestellt wurde."

Warum es so lange gedauert hat, festzustellen bzw. sich einzugestehen, dass ein entsprechender Beleg fehlt, ist eine von vielen Fragen, die die aktuelle Entwicklung aufwirft. Stefan Niggemeier, der bei Übermedien schnell reagiert hat auf die SZ-Veröffentlichung, hat noch ein paar andere Fragen auf Lager, etwa die, "wie sehr dem Spiegel-Star-Investigativjournalisten Rafael Buschmann zu trauen ist".

Heißt wohl: Jemand sollte nun mal das Gesamt-Oeuvre Buschmanns akribisch prüfen. Zu reden, so Niggemeier, sei aber auch über die

"Arbeitsweise des Spiegel quer durch die Hierarchie. Wenn zwei Ressortleiter, das Justiziariat und die (damalige) Chefredaktion ausdrücklich der Veröffentlichung eines solchen Artikels zugestimmt haben – welchen ähnlich zweifelhaften Veröffentlichungen haben sie noch zugestimmt? Inwiefern war es allgemein akzeptabel beim Spiegel, heikle Behauptungen zu veröffentlichen, von denen man weiß, dass man sie nicht belegen kann?"

Chefredakteur war im Sommer 2014, als der nun quasi inkriminierte, aber - anders als es SZ und Übermedien andeuten - noch zugängliche Buschmann-Artikel erschien, übrigens Wolfgang Büchner, dessen Regentschaft ja ohnehin nicht als allzu heroisch in Erinnerung geblieben ist.

Ebenfalls bemerkenswert findet Niggemeier, dass sich die Relotius-Kommission, die nicht nur Artikel des Namensgebers untersucht hat, sondern auch andere, aus unterschiedlichen Gründen umstrittene, in ihrem Abschlussbericht (Altpapier) "diesen großen unglaublichen Fall einfach nicht erwähnt, obwohl sie sich mit ihm befasst hat".

50 Jahre alte Vorurteile

Friedrich Merz, der einstige Quartals-Halbgott vieler deutscher Politikjournalisten (Altpapier), hat bekanntlich immer mal wieder einen Klickköder parat. Zu den aktuellen gehört die Einschätzung, Greta Thunberg sei "krank". Ähnliches hat man gerade unter anderem vernommen vom janz weit draußen angekommenen Ex-SZ-Karikaturisten Dieter Hanitzsch.

Diese beiden Krankheits-Experten liefern gewissermaßen nachträglich aktuelle Belege für eine Analyse, die Mela Eckenfels für die diesjährige Literatur-Beilage der Monatszeitschrift konkret verfasst hat. Sie schreibt:

"Wer sich abseits sozialer Normen gestellt hat, musste schon immer mit Abneigung rechnen, manchmal auch mit als Gegenwehr empfundenem Angriff und Hass. Autisten entziehen sich diesen Normen. Sie weigern sich, sich an die Spielregeln zu halten, und da die bisherige Behandlungsmethode so aussah, Autisten nur lange genug zu traumatisieren, bis sie auf Spur gebracht sind, liefert das vielen den scheinbaren Beweis, Autisten könnten ja, wenn sie nur wollten. Und so stehen die, die immer noch draußen stehen, wohl freiwillig dort."

Eckenfels weiter:

"Selten wurde das Brechen dieser oft unausgesprochenen Normen mit so viel Hass, Häme und herablassendem Mitleid bedacht wie nun, seit Greta Thunbergs Fridays-for-Future Bewegung in Deutschland angekommen ist. Seitdem hat die Nation der Fußballtrainer über Nacht Expertise auf einem ganz neuen Gebiet hinzugewonnen. Sie mutierten zu Autismus-Verstehern, Autismus-Erklärern und Autismus-Bescheidwissern."

Einer der bekannteren Bundestrainer dieser neuen Art ist demgemäß Friedrich Merz. Etwas weniger als er: der von Eckenfels erwähnte "Twitterer Christian T.", der

"Autismus als ähnlich betreuungsintensiv wie eine schwere Erkrankung mit Rund-um-die-Uhr-Beatmungsbedarf dar(stellt): 'Ich hoffe doch sehr, dass die sie ausnutzenden NGO für ausreichende medizinische Betreuung sorgen – ansonsten wäre das krasser Kindesmissbrauch! Wer finanziert das?' Wieviel medizinische Betreuung ein durchschnittlicher Autist im Alltag tatsächlich braucht, ist schnell zusammengefasst: gar keine."

Eckenfels’ Fazit: Hier seien "Küchenpsychologen" zugange, die "alle Vorurteile der letzten 50 Jahre" aufwärmen, "wie Autisten so sind". Wer eine flotte aktuelle Zusammenfassung von Anti-Thunberg-Stereotypen lesen möchte, dem sei ein Thread der Autorin empfohlen.

Zerstörerische Realitätsherstellung

Die Aktualität von Klaus Theweleits 1977 erschienenem Buch "Männerphantasien" war hier im Altpapier bereits Ende Juli Thema - anlässlich eines damals gerade veröffentlichten Interviews in konkret. Nun ist ein weiteres Interview anlässlich der geplanten Neuveröffentlichung erschienen, und zwar in der aktuellen Ausgabe der FAS. Es steht seit Mittwoch frei online. Hoffentlich erscheinen Interviews auch noch nach dem 31. Oktober, wenn die Neuausgabe voraussichtlich in die Läden kommt, aber das nur am Rande. Theweleit charakterisiert seinen Klassiker so:

"Es ist eine Art Berichtsbuch davon, wie bestimmte Leute in Deutschland, die die Weimarer Republik nicht wollten, eine Realität hergestellt haben, an der diese Weimarer Republik eingegangen ist: Vorbereiter des Nationalsozialismus, des Faschismus. Das waren die Freikorpsleute, die 1919/20 die sozialistische Revolution, die Arbeiter- und Intellektuellenaufstände mit Gewalt niedergeschlagen haben (…) Der Faschismus ist auch zentral keine Ideologie, sondern eine zerstörerische Art und Weise, die Realität herzustellen."

Letzteren Satz kann man als impliziten Hinweis verstehen auf aktuelle Realitätshersteller, die die derzeit existierende Republik nicht wollen. Interessanter Nebengedanke: Wenn man den einen oder anderen Faschisten künftig als zerstörerischen Realitätshersteller bezeichnete, ließen sich vermutlich presserechtliche Imponderabilien umschiffen. Freilich gibt es auch Personen, die auf zerstörerische Art und Weise Realität herstellen, aber keineswegs Faschisten sind, Christian "Morgenthau" Lindner etwa, der "Verlierer des Tages" im heutigen Spiegel-"Morning Briefing" von Matthieu von Rohr.

Doch zurück zum Interview mit Theweleit: Es gehe in "Männerphantasien"

"um Leute, denen es nicht gelungen ist, aufgrund verschiedener Störungen, in ihrer Kindheit und weiteren Entwicklung, ein Gefühl von Körperganzheit auszubilden. Sie (…) haben immer Angst vor Einbrüchen von außen, setzen die Außengrenzen ihres Körpers mit Landesgrenzen gleich. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie Flüchtlingsströme empfunden werden, nämlich so, als würden sie in die Körper solcher Leute einströmen und nicht einfach nur ins Land. Für die Freikorpsleute bedeutete Gewalt strukturell eine klare Überlebensgeschichte. Es geht um Erhaltungsmechanismen, darum, sich selbst 'heil' zu machen durch Gewalt gegen andere."

Rechte Memes

Mehr akademischer Stoff zum Thema Rechte und Gewalt gefällig? Dieser Tage erscheint "Die Neue Rechte und ihr Design. Vom ästhetischen Angriff auf die offene Gesellschaft", und pop-zeitschrift.de hat daraus ein Kapitel "zur Bedeutung von Gewaltsuggestionen in Social Media" vorab publiziert. Autor Daniel Hornuff vertritt darin die These, dass

"der neurechte Aufschwung nur dann im Kern zu verstehen ist, wenn auch seine ästhetisierten Gewaltphantasien Beachtung finden (…) Im notorischen Beschwören eines ästhetischen Aktivismus sollen Gewaltneigungen imaginativ entfesselt, soll in bildlichen, habituellen und performativen Formaten den eigenen Gewaltvorstellungen freier Ausdruck gewährt werden."

Hornuff stellt dabei die Bedeutung von Memes heraus:

"Gelten sie manchen bereits als 'das 'Fast Food des Internets', weil sie Nutzerbedürfnisse direkt stillen können', lassen sie sich erst recht dazu vereinnahmen, besonders drängende Bedürfnisse zu befriedigen."

Solche Posts übernähmen die

"Aufgabe eines kleinen weltanschaulichen Fitness-Zentrums, gestatten also, eine bereits angelegte Einstellung durch deren Kräftigung weiter zu vereinseitigen. Die mutmaßlich von einem Rechtsextremisten verübte Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 hat einmal mehr die Gefahr ins Bewusstsein gehoben, die von solch angeleiteten Kraftübungen ausgeht. Insbesondere gelangte in der Folge neben dem ideologischen auch der ästhetische Radikalismus rechtsnationalistischer Nischen an das Licht der Öffentlichkeit. So wurde einsehbar, wie gestalterisch ungeniert gehetzt worden war: Fotografien und Grafiken von Pistolen und Galgen wechselten sich mit Parolen ab, die ein 'An die Wand stellen!' forderten und andere dazu anstachelten, doch endlich das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Lange vor der Tat bildete sich so ein riesiges, waberndes Netzwerk des aufkochenden Hasses, das dazu einlud, stets noch härtere Stoffe und immer gewagtere Inszenierungen beizusteuern."

Nicht so schnell einlenken!

Die taz hat einen Sieg für die Pressefreiheit zu verkünden. Im Hausblog (und kürzer in der gedruckten taz von Mittwoch) schreibt Hausanwalt Johannes Eisenberg:

"Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat in einem Hinweisbeschluss angekündigt, die Klage eines ehemaligen Bundestagsmitarbeiters des AfD-Fraktionschefs Alexander Gauland abzuweisen. Der Mann war mit Hilfe einer notorischen AfD-Anwaltskanzlei gegen alle Medien vorgegangen, die namentlich über seine Tätigkeit für Gauland berichtet hatten (…) Der Mann war in seiner Jugend von 1999 bis 2004 Mitglied der später verbotenen rechtsradikalen HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend)."

Eisenbergs größere Einordnung fällt folgendermaßen aus:

"Die Entscheidung ist von herausragender Bedeutung für die Berichterstattung über die AfD und ihre Bundestagesmitarbeiter: Aus dem Bundestag fließen auf diese Weise große Summen in rechtsradikale Strukturen. Gegen die von verschiedenen Medien aufgenommene Berichterstattung ist von verschiedenen AfD-Mitarbeitern unter Zuhilfenahme der stets gleichen Anwaltskanzlei mit einschüchternden presserechtlichen Unterweisungen, Abmahnschreiben und einstweiligen Verfügungen vorgegangen worden, und zahlreiche Medien haben sich von der Berichterstattung abhalten lassen."

Unter anderem die SZ und @mediasres nehmen sich der Sache an. Im DLF-Magazin fragt Stefan Fries den Juristen Eisenberg: "Lenken andere Medien zu schnell ein?" Der taz-Anwalt antwortet: "Wenn man klein beigibt, kann man diese Art der Berichterstattung von vornherein sein lassen."

Es ist übrigens auch ein recht unterhaltsames Interview, wegen einiger launiger Anmerkungen, etwa über das "Gerichts-Hopping" des Kölner Spitzen-Advokaten, der Gaulands Ex-Hiwi und andere Kameraden aus dem Milieu presserechtlich vertritt - und weil der Flow von Eisenberg kaum zu stoppen ist und Fries darob etwas nervös wird.


Altpapierkorb ("Pseudo-wirtschaftlich ausgerichtete Kulturpolitik", Recht auf Vergessenwerden, Voxup, Drehbuchautoren vs. Filmfest Hamburg, Radiopreis-Gewinner, gesungene Tweets)

+++ Die am Montag hier als wahrscheinlich angekündigte Absetzung des obersten hessischen Filmförderers Hans Joachim Mendig, der sich zum mittäglichen Spachteln mit dem mutßmaßlichen Filmfreund Jörg Meuthen getroffen hat, ist vollzogen worden. Daniel Kothenschulte betont in der Frankfurter Rundschau: "Schon bevor man ihn als AfD-Unterstützer kennenlernte, war Mendig bei vielen Mitarbeiten der hessischen Filmförderung so unbeliebt, dass von einem zerrütteten Verhältnis die Rede war." Der Name Mendig stehe für den "Niedergang der kulturellen Filmförderung in Hessen". Diese sei "ein Musterbeispiel für pseudo-wirtschaftliche ausgerichtete Kulturpolitik, die weniger Künstler als Produzenten im Blick hat". Und diese "neoliberale Idee von Kunst als ‚Kulturwirtschaft‘, der es nicht um Inhalte, sondern um pseudo-wirtschaftliche Produktionsprozesse geht, passt natürlich zur Ausrichtung der AfD. Es wird oft vergessen, dass mit dem Rechtspopulismus auch ein radikaler Wirtschaftsliberalismus im Parteiprogramm steht. Und da schließt sich der Kreis zwischen Mendig und Meuthen." Letzteres muss man auch deshalb herausstellen, weil die "neoliberale Idee von Kunst als 'Kulturwirtschaft', der es nicht um Inhalte, sondern um pseudo-wirtschaftliche Produktionsprozesse geht" auch anderswo verbreitet ist, zum Beispiel in Teilen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

+++ In einem Gastbeitrag (€) für das juristische FAZDigitalangeobt "Einspruch" kritisiert Winfried Veil - Referent im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und laut Autorenzeile "auf Seiten der Bundesregierung" an den Verhandlungen zur Datenschutzgrundordnung beteiligt - das neue Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum "Recht auf Vergessenwerden". Durch dieses sei "der Anwendungsbereich des 'Rechts auf Vergessen' erheblich erweitert worden", schreibt Veil, der "das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung" beeinträchtigt sieht. Denn: Zukünftig dürfe "jeder Politiker mit Hilfe des EuGH von Google verlangen, sein dämliches Verhalten von gestern unsichtbar zu machen".

+++ Ebenfalls in der FAZ, indes auf der Medienseite: die überraschende Auskunft, dass man bei der RTL-Gruppe der Ansicht ist, es sei "die richtige Zeit für einen neuen Fernsehsender." Voxup heißt das Ding, und der Start ist für den 1. Dezember geplant. Der Vox-Ableger soll sich, so die FAZ, "vorwiegend an Frauen richten. Zu sehen sein werden Sendungen wie 'Das perfekte Dinner' und 'Shopping Queen', amerikanische Fernsehserien, sowie Eigenproduktionen." Um’s wohlwollend zu formulieren: "So richtig scharfkantig ist das Profil des neuen Fernsehsenders noch nicht" (Teleschau/Weser-Kurier).

+++ In dieser Woche erschienen: das - Achtung, in den nächsten beiden Links steckt Eigenwerbung! - in diesem Altpapier schon kurz mit diesem Bezug angekündigte Jahrbuch Fernsehen 2019. Unter den Autor*innen: Jürn Kruse, der darüber schreibt, wie unter anderem Dazn "die lange Zeit geordnete deutsche Fußballfernsehwelt aufmischt", Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes, in deren Beitrag es um die Frage "Was bedeutet eine gute Quote?" geht, und MDR-Kollege Steffen Grimberg, der mit Annegret Kramp-Karrenbauer über Medienpolitisches gesprochen hat.

+++ Heute beginnt das Filmfest Hamburg, und am kommenden Montag sollte dort eigentlich eine vom Filmfest und dem Verband Deutscher Drehbuchautoren gemeinsam initiierte Podiumsdiskussion unter dem Titel "Neue Figuren braucht das Land! Mehr Diversität in Film und Serie" stattfinden. Zu der es nun aber nicht kommt - angeblich, weil dem Filmfest-Zampano Albert Wiederspiel der Tonfall eines bei Facebook veröffentlichten offenen Briefs des VDD an die Festivalmacher nicht gefallen habe. Hat der gute Mann jedenfalls der taz vertellt.

+++ Von der "Gala in der Elbphilharmonie", bei der am Mittwochabend die Gewinner des Deutschen Radiopreises bekannt gegeben wurden, berichtet das örtliche Abendblatt. Sämtliche Preisträger sind hier aufgelistet, inclusive der Begründungen der Grimme-Jury.

Neues Altpapier gibt es wieder am Donnerstag.

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