Namensänderung Affenpocken heißen bald nicht mehr Affenpocken

Ein neuer Name für das Affenpocken-Virus muss her: Nachdem Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine "nicht diskriminierende" Bezeichnung forderten, sucht die WHO aktuell zusammen mit Experten nach neuen und treffenden Bezeichnungen.

Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen
Die WHO sucht nach einem neuen geeigneten Namen für das Affenpocken-Virus. Noch ist man zu keiner Lösung gekommen. Bildrechte: dpa

Affenpocken – das war einmal. Bald gibt es einen neuen Namen für Krankheit und Virus. 30 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fordern einen "nicht diskriminierenden" und "nicht stigmatisierenden" Namen. Nur ist der noch nicht gefunden – das soll sich aber bald ändern: Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbst bekannt gab, arbeite man derzeit mit Experten zusammen, um eine neue Bezeichnung zu finden.

Vorschläge für neue Namen sollten so schnell wie möglich erfolgen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Angaben der dpa am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Genf.

Warum ist der Begriff "Affenpocken" diskriminierend?

Bei der Benennung von Infektionskrankheiten herrscht generell die bewährte Methode, dass geografische Standorte im Namen vermieden werden. Nach dem Forderungsschreiben der 30 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wurde dies beim Affenpocken-Virus ignoriert. Der Name würde unmissverständlich darauf hindeuten, dass Verbreitung und Ursprung des Virus auf dem afrikanischen Kontinent zurückzuführen sind. Am deutlichsten zeige sich dies in der Verwendung von Fotos afrikanischer Patienten zur Darstellung der Pocken in vielen Medien. Die Bezeichnung "Affenpocken" ist so nach Meinung der Experten "diskriminierend und stigmatisierend".

Mensch mit Affenpocken
Bilder von afrikanisch-stämmigen Patienten seien nach Meinung der Experten eine Folge aus dem irreführenden Namen "Affenpocken". Das Virus selbst hat gar nicht so viel mit Afrika oder Affen zu tun – wie die WHO nun aufklärt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Denn der Name lässt auch darauf schließen, dass das Virus "endemisch" also nur in bestimmten (in diesem Fall) afrikanischen Regionen auftritt. Bis Mai waren das Virus und die Krankheit zwar fast ausschließlich aus Afrika bekannt, doch Affenpocken verbreiten sich nach neuen Erkenntnissen kontinentübergreifend. Der derzeitige Ausbruch dürfe daher also nicht mit Afrika, Westafrika oder Nigeria in Verbindung gebracht werden – und übrigens auch nicht mit Affen.

Haben Affenpocken gar nichts mit Affen zu tun?

Denn der Name ist nicht nur geografisch irreführend: Das Virus wurde 1958 in Dänemark zwar erstmals bei Affen in einer Versuchsanstalt nachgewiesen. Allerdings dürfte es nach heutigen Erkenntnissen eher unter kleinen Nagetieren verbreitet werden. Affen gelten nur als Zwischenwirte.

Was möchte man mit der Namensänderung bezwecken?

Ziel der Namensänderung sei es, unnötige negative Auswirkungen auf Nationen, geografische Regionen, Volkswirtschaften und Menschen zu minimieren und Art und Weise der Entwicklung, sowie der Verbreitung zu berücksichtigen. 

Übrigens wurde beim Auftauchen des Coronavirus Ende 2019 ähnlich gehandelt - nur eben etwas schneller: Die WHO versuchte eine Verbreitung von Namen wie "Wuhan-Virus", benannt nach der chinesischen Stadt, in der das Virus erstmals nachgewiesen wurde, zu verhindern. Am 11. Februar 2020 verkündete die WHO, dass das neuartige Virus Sars-CoV-2 heißt und die Krankheit, die es auslöst, Covid-19.

Kommt es zur Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands?

Wie die WHO ebenfalls bekannt gab, wird man am 23. Juni eine Notfallsitzung über den aktuellen Affenpocken-Ausbruch einberufen. Dort soll die mögliche Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands wegen der zunehmenden Verbreitung der Affenpocken geprüft werden. "Der Affenpocken-Ausbruch ist ungewöhnlich und beunruhigend", so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Angaben der dpa.

Bisher wurden der WHO mehr als 1.600 Affenpocken-Fälle in 39 Ländern gemeldet. Darunter befinden sich 32 Länder außerhalb ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes – also aus Staaten, in denen das Virus nicht endemisch ist. In diesen Ländern gab es den Angaben zufolge aber bisher keinen durch die Krankheit ausgelösten Todesfall. Jedoch aber in den Ländern, wo die Affenpocken endemisch sind, wie etwa in Nigeria. In diesen Ländern wurden bisher 72 Todesfälle registriert.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Juni 2022 | 17:15 Uhr

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