mRNA/Totimpfstoff Zulassung oder Studie: Welche Corona-Impfstoffe kommen noch?

In der EU sind mittlerweile vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Welche sind noch in der Entwicklungsphase? Und welche Projekte liegen auf Eis? BRISANT mit einer Übersicht.

Eine Spritze ist vor den Logos der Unternehmen Sanofi, Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson, Sanofi und GlaxoSmithKline zu sehen. Alle Unternehmen stellen bereits Corona-Impfstoffe her, oder werden es in naher Zukunft tun.
Viele Impfstoffe sind noch in der Erprobungsphase. Bildrechte: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt derzeit 328 Impfstoff-Projekte (Stand 15.10.). Hier stellen wir diejenigen vor, die in Europa bereits verimpft werden oder auf dem Weg zur Zulassung sind:

Sinovac: CoronaVac

Das Vakzin CoronaVac des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac wird bereits in Indonesien und China verimpft. CoronaVac basiert wie die Impfstoffe gegen Tetanus, Kinderlähmung oder Keuchhusten auf einem Totimpfstoff. In diesem Fall einem abgetöteten Coronavirus. Studienergebnisse schwankten von 50 Prozent Schutzwirkung in Brasilien bis zu über 90 Prozent in der Türkei. Am 4. Mai begann die EMA mit einem beschleunigten Zulassungsverfahren (= Rolling-Review-Verfahren).

Anfang Juni erhielt CoronaVac eine Notfallzulassung der WHO. Damit können UN-Organisationen das Mittel kaufen und verteilen. 

Ein Mitarbeiter von SinoVac kontrolliert Spritzen mit SARS CoV-2-Impfstoff
Ein Mitarbeiter von SinoVac kontrolliert Spritzen mit SARS CoV-2-Impfstoff. Bildrechte: dpa

Sinopharm: Vero

Wie das Unternehmen Sinopharm Ende Dezember mitteilte, soll sein Impfstoff Vero einen annähernd 79-prozentigen Schutz  bieten. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Daten aus den Studien gibt es bislang nicht. Vero basiert ebenfalls auf einem Totimpfstoff, einem abgetöteten Coronavirus.

Serbien setzt bei seiner Corona-Impfkampagne seit dem 19. Januar auch Sinopharm ein. Damit ist das Balkanland das erste europäische Land, das den chinesischen Impfstoff verimpft. Anfang Mai erhielt Sinopharm eine Notfallzulassung der WHO.

Janssen/Johnson & Johnson: Ad26.COV2.S

Der Impfstoff von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff. Er schleust über harmlose Viren den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß des SARS-CoV-2-Virus in die Körperzellen. Die produzieren dann Antikörper.

Eine einzige Dosis reicht aus, um den vollen Impfschutz zu bekommen. Das macht diesen Impfstoff einzigartig unter allen anderen. Am 11. März hat die EMA das Vakzin für Europa zugelassen. Der Impfstoff, der im Kühlschrank gelagert werden kann, soll vorrangig in Hausarztpraxen verabreicht werden. Die Priorisierung ist zwar aufgehoben worden, der Einsatz wird dennoch nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Jüngere brauchen erst eine ärztliche Beratung.

Zwei Ampullen mit dem Corona-Impfstoffes Janssen des amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson werden präsentiert.
Einzigartig: Vom Impfstoff von Janssen/Johnson&Johnson reicht eine Dosis. Bildrechte: dpa

Zurückgezogen: CureVac

Der Impfstoff von CureVac sollte neben dem Biontech-Impfstoff Comirnaty der zweite mRNA-Impfstoff sein, der in Deutschland entwickelt wurde. Das Unternehmens sitzt in Tübingen. Nachdem eine Zulassung für Sommer 2021 geplant und immer wieder verschoben worden war, hat das Unternehmen Mitte Oktober den Antrag zurückgezogen. CureVac hatte nur eine Wirksamkeit von mageren 48 Prozent.

Zurückgezogen: Sanofi

Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte zwei mRNA-Impfstoffe entwickelt, Ende September 2021 aber die Herstellung gestoppt. Zu groß war die Konkurrenz von Biontech/Pizer und Moderna. Nun konzentriert sich das Unternehmen mit dem britischen Partner GlaxoSmithKline auf einen proteinbasierten Corona-Impfstoff.

Ein Mann arbeitet in einem medizinischen Labor.
Arbeit im Sanofi-Labor. Bildrechte: dpa

Novavax: NVX-CoV2373

Der Impfstoff des US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Novavax basiert auf künstlich hergestellten Proteinen und ist damit ein Totimpstoff. Neueste Studienergebnisse zeigen eine Wirksamkeit von 91 Prozent gegen schwere Krankheitsverläufe von Covid-19.

Der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Am 17. November hat das Unternehmen einen Antrag auf Zulassung in der EU gestellt.

Valneva: VLA2001

Auch der französisch-österreichische Biotech-Konzern Valenva entwickelt derzeit einen Totimpfstoff.

Gamaleya-Institut: Sputnik V

Sputnik V gilt nach eigenen Aussagen als russische "Wunderwaffe". Erste Studien zeigen, dass das Vakzin zu fast 91 Prozent wirksam ist. Es ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff.

Als erstes Land in der EU hat Ungarn den Impfstoff zugelassen. Ein Zulassungsantrag für Europa ist gestellt.

Quellen: Dlf, spiegel, dpa, ärzteblatt, AFP, Wirtschaftswoche, Reuters

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2021 | 17:15 Uhr

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