Feldspitzmaus als Überträger Infektionen in Deutschland - Das müssen Sie über das Borna-Virus wissen

Das Corona-Virus und die Affenpocken haben bislang die Schlagzeilen zu Infektionen in Deutschland beherrscht. Jetzt kommt ein neuer Erreger hinzu: Das Borna-Virus. Infektionen damit führen fast immer zum Tod. Woher kommt es und wie kann man sich davor schützen? BRISANT hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Feldspitzmaus
Achtung bei Feldspitzmäusen. Sie können das gefährliche Borna-Virus übertragen. (Archiv) Bildrechte: Getty Images

In Bayern ist bei einem Menschen eine sehr seltene Infektion mit dem sogenannten Borna-Virus nachgewiesen worden. Betroffen sei eine Person aus dem Landkreis Mühldorf am Inn, teilte das zuständige Landratsamt mit. Weitere Informationen zu dem Fall gibt es bislang nicht. Einmal infiziert, verläuft die Krankheit meist tödlich. Bislang wurden in Deutschland nur wenige Einzelfälle bei Menschen nachgewiesen. Im selben Landkreis gab es in den vergangen drei Jahren allerdings mindestens zwei weitere Borna-Virus-Infektionen.

Infektionen bei Menschen: Tödlich aber selten

Das sogenannte klassische Borna-Virus löst eine Hirnentzündung aus, die in nahezu allen Fällen tödlich endet. Überlebende behalten meist schwerste Folgeschäden. Pro Jahr werden im Schnitt zwei Infektionen in Deutschland bekannt. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher ist. Zwischen 1996 und Juni 2022 liegt die Zahl im mittleren zweistelligen Bereich. 2021 waren nach Angaben des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) deutschlandweit sieben Infektionen bekanntgeworden, davon fünf in Bayern.

Das Borna-Virus ist auch als "Borna Disease Virus 1" (BoDV-1), "klassisches Borna" und "Pferdeborna" bekannt. Es gilt seit mehreren Jahrhunderten als Tierseuche. Im Jahr 2018 wurde BoDV-1 erstmals als Ursache für eine schwere Gehirnentzündung bei Menschen identifiziert. Bis heute gilt das Virus als unzureichend untersucht.

Wie wird das Borna-Virus übertragen?

Der einzige bekannte Wirt des Erregers ist die Feldspitzmaus, die bei einer Infektion selbst keine schweren Symptome aufweist. Infizierte Tiere scheiden das Virus über den Urin, Kot und Speichel aus. Darüber können sich andere Säugetiere anstecken.

Die Übertragung des Virus von der Feldspitzmaus auf Menschen ist bislang nicht geklärt. Nach Angaben des LGL sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Diese sind: die Aufnahme des Virus über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder auch der direkte Kontakt bzw. Biss einer Spitzmaus.

Auch die Übertragung über einen Zwischenwirt (z.B. Hauskatzen, die Feldspitzmäuse jagen) sei denkbar. Anders ist es bei der direkten Übertragung von Mensch zu Mensch. Solche Fälle sind dem LGL zufolge nicht bekannt. Bei Organ-Transplantationen sollen sich im Jahr 2021 allerdings drei Menschen in Bayern infiziert haben.

Woran erkennt man eine (Feld-)Spitzmaus?

Spitzmäuse gehören nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Insektenfressern. Sie haben deutlich spitzere Nasen bzw. Gesichter als echte Mäuse. Zudem zeichnen sie sich durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Feldspitzmäuse sind insgesamt sehr selten und können anhand ihrer zweifarbigen Färbung mit deutlicher Grenze zwischen grauer oder brauner Oberseite und einer weißen Unterseite identifiziert werden.

Eine Spitzmaus
Feldspitzmaus - Deutlich ist der helle Bauch und der dunkle Rücken zu sehen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Symptome und Therapie

Die meisten der bisher bekannten Patienten litten zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Bei allen Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen, und im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma. Die wenigen bekannten Erkrankungsfälle verliefen mit nur einer Ausnahme tödlich.

Eine spezifische Therapie gegen Bornavirus-Infektionen gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht, sodass die Behandlung aus unterstützenden Maßnahmen mit intensivmedizinischer Betreuung besteht.

Wie können Infektionen verhindert werden?

Das Infektionsrisiko ist insgesamt sehr gering, dennoch kann es weiter verringert werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) führt dafür folgende Tipps auf:

  • Spitzmäuse eignen sich nicht als Haustiere.
  • Spitzemäuse (lebend oder tot) sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden.
  • Sollten Spitzmäuse im häuslichen oder Arbeitsumfeld identifiziert werden, gilt es, ihre Nahrungsquelle ausfindig zu machen und sie ihnen zu entziehen.

Ein Patient liegt 2009 auf der Intensivstation eines Krankenhauses.
Infizieren sich Menschen mit dem Borna-Virus endet das meistens tödlich. (Archiv) Bildrechte: dpa

Woher kommt der Name "Borna-Virus"?

Die "hitzige Kopfkrankheit der Pferde", die durch das Borna-Virus ausgelöst wird, wurde erstmals 1885 bei Pferden in der Region der sächsischen Stadt Borna beschrieben - die Pferde eines ganzen Regiments waren an einer bisher unbekannten Krankheit zugrunde gegangen. Aus diesem Grund ist die Stadt Borna Namensgeber für das Virus. Mehr Informationen dazu gibt es beim Mitteldeutschen Rundfunk.


(BRISANT/ten/lgl/rki)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. Juni 2022 | 17:15 Uhr

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