Auch in Deutschland: Hunde sind Teil von Tierversuchen

Laut Statista ist der Hund ist nach der Katze das zweitbeliebteste Haustier der Deutschen. Im vergangenen Jahr wurden 12,27 Millionen Hunde in deutschen Haushalten gezählt. Doch noch immer sind Haustiere auch ein wichtiges Versuchsobjekt für die Wissenschaft.

Beagles
Beagles: Ihr gutmütiges Wesen wird für die Forschung genutzt – auch in Deutschland. Bildrechte: dpa

Seit Jahrzehnten setzen sich verschiedenste Tierschutzorganisationen gegen Versuche an Tieren ein. Laut des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche" wurden allein 2020 mehr als 2,5 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hunde, Katzen, Fische, Affen und andere Tiere gezählt, an denen in deutschen Laboren Experimente durchgeführt wurden. Nach Statistiken der Tierschutzorganisation PETA sind in Deutschland aktuell knapp 4.000 Hunde in Versuchslaboren. 

Warum sind Tierversuche in Deutschland erlaubt?

In Deutschland dürfen Tierversuche gem. § 6 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes offiziell nur dann durchgeführt werden, wenn es keine Alternative gibt. Für Medikamente sind Tierversuche sogar gesetzlich vorgeschrieben. Wenn also Impfstoffe und Medikamente zur Behandlung von Krankheiten wie beispielsweise Krebs entwickelt werden, müssen diese Wirkstoffe in der vorklinischen Phase am Tier getestet werden.

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einer tierexperimentellen Forschungseinrichtung hat in einem Labor eine Maus in der Hand.
1.8 Millionen Mäuse wurden 2020 in Deutschland für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Bildrechte: dpa

Tierversuche umstritten

Dabei ist die Anwendbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen nicht eindeutig gesichert. Eine US-amerikanische Studie weist zum Beispiel darauf hin, dass jährlich rund 58.000 Menschen an den Nebenwirkungen von Medikamenten sterben, obwohl diese in Tierversuchen erprobt wurden. 

Hauptkritik: Nicht alle Tierversuche sind eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Tiere reagieren allein wegen der physiologischen Unterschiede ganz anders als der Mensch. Deswegen werden meist mehrere Testrunden durchgeführt. Häufig an Nagern wie Mäusen oder Kaninchen. Aber auch Affen sind in Versuchslaboren zu finden.

Ein Rhesus-Affe mit einem Implantat
Ein Rhesus-Affe in einem Versuchslabor. Bildrechte: dpa

Weiterführende Versuche finden dann unter anderem an Hunden statt. Doch nicht jede Rasse ist geeignet. 

Die Hunderasse Beagle wird häufig in Versuchslaboren genutzt

Beagle gelten als besonders sozial, gutmütig, anpassungsfähig und unkompliziert. Sie sind also Versuchsobjekte besonders geeignet. Laut dem Verein "Laborbeaglehilfe" wird tatsächlich keine Hunderasse öfter für chemische und pharmazeutische Tests eingesetzt. Der Verein hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, Beagle aus Versuchslaboren an Haushalte zu vermitteln.

Doch wer einen ehemaligen Laborhund bei sich aufnehmen möchte, sollte Erfahrung mitbringen. Denn die Tiere sind nicht so sozialisiert, wie sie in einem normalen Umfeld sozialisiert wären.

Leben im Labor

Denn die gezielt reizarme Haltung in Laboren, ist eine deutlicher Unterschied zu den Lebensumständen in privaten Haushalten. Nach der EU-Tierversuchsrichtlinie EU/63/2010 sollen auch Laborhunde Auslauf im Freien bekommen. Für die Experimente werden die Hunde aber häufig in Betonzwingern auf wenige Quadratmeter allein oder in kleinen Gruppen gehalten. Hier gibt es kaum natürliche Gerüche, die sie wahrnehmen können.

Alternativen zu Tierversuchen

Zahlreiche Organisationen machen sich deswegen für Alternativen zu Tierversuchen stark. So empfiehlt die Initiative für gerechte Zivilgesellschaft eine Kombination aus verschiedenen tierfreien Verfahren. 

Niederlande will anderen Weg gehen

Nach zahlreichen PETA-Petitionen, einer öffentlichen Umfrage und einem offenen Brief von 25 niederländischen Wissenschaftlern akzeptierte das niederländische Parlament im Juni 2022 acht Anträge, mit denen die Regierung dazu aufgefordert wird, Tierversuche mit konkreten Schritten zu reduzieren. Mit einem Aktionsplan soll der Umstieg auf tierfreie Methoden beschleunigt werden.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. August 2022 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren