Holocaust-Gedenktag Der Mann, der freiwillig ins KZ Auschwitz ging: Witold Pilecki

Cezary Bazydlo
Bildrechte: Cezary Bazydlo | MDR

Der Holocaust in Auschwitz ist dank einem mutigen Mann international bekannt geworden. Es ist schwer zu glauben, doch der polnische Widerstandskämpfer Witold Pilecki ließ sich freiwillig in das Konzentrations- und Vernichtungslager deportieren, um über die Zustände dort aus erster Hand zu berichten und eine Widerstandsorganisation aufzubauen. Als erster Augenzeuge beschrieb er in seinen Meldungen an die polnische Exilregierung den Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden.

Witold Pilecki
Der Widerstandskämpfer Witold Pilecki ließ sich freiwillig nach Auschwitz deportieren, um die Zustände im Lager zu dokumentieren. Er verbrachte dort rund zweieinhalb Jahre und machte in seinen Berichten an die polnische Exilregierung auf den Holocaust aufmerksam. Bildrechte: imago/United Archives International

Im Sommer 1940 dringen beunruhigende Nachrichten aus Auschwitz nach draußen. Damals ist das noch kein Vernichtungslager, sondern "nur" ein gewöhnliches KZ, im Mai 1940 gerade erst gegründet. Und schon das Wenige, was man in Erfahrung bringen kann, ist beunruhigend. Auch wenn es zu dieser Zeit noch keine Gaskammern gibt, ist die Sterblichkeit durch Hunger, kräftezehrende Schwerstarbeit und willkürliche Misshandlungen sehr hoch.

Um Genaueres zu erfahren und Widerstandsstrukturen im Lager aufzubauen, beschließt die polnische Widerstandsbewegung, einen Freiwilligen ins Lager zu schleusen – ein äußerst gefährliches Unterfangen. Doch es findet sich ein Mutiger: Witold Pilecki, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Landgutsbesitzer und Reserveoffizier, nun im Widerstand aktiv.

Pilecki lässt sich freiwillig nach Auschwitz deportieren

Doch wie kommt man überhaupt ins Lager? Eine Gelegenheit bietet sich bei einer großen Verhaftungswelle am 19. September 1940 in Warschau. An diesem Tag umstellen die Deutschen Dutzende Häuser in der besetzten polnischen Hauptstadt, durchkämmen Wohnung für Wohnung und verhaften alle Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren. Obwohl Witold Pilecki rechtzeitig vom Hausmeister gewarnt wird, flüchtet er nicht und lässt sich seelenruhig verhaften.

Soldat legt Blumen an Denkmal für Witold Pilecki nieder.
Pilecki-Denkmal in Warschau: In Polen wird Witold Pilecki als Held verehrt. Im Ausland ist er dagegen noch relativ unbekannt. Bildrechte: dpa

Zwei Tage später kommt er nach Auschwitz und kann sich sofort überzeugen, welch grausamer Ort das ist. Kaum verlassen die Gefangenen die Eisenbahnwaggons, werden sie als "polnische Banditen" beschimpft, mit Stöcken geschlagen und mit abgerichteten Hunden bedroht. Kranke und Schwache werden von den Kapos sofort getötet, erinnert sich Pilecki später, ebenso diejenigen, die sich als Priester oder Richter zu erkennen geben.

In seinem später verfassten Bericht schreibt Pilecki: "Hier wurden mir die ersten zwei Zähne ausgeschlagen, weil ich das Schild mit meiner Häftlingsnummer in der Hand hielt und nicht zwischen den Zähnen, wie sich der "Bademeister" das an diesem Tag gewünscht hatte. Eine massive Holzlatte landete in meinem Gesicht. Ich spuckte zwei Zähne aus."

Das Ziel: Widerstand im Konzentrationslager aufbauen

Trotz des Terrors beginnt Pilecki sofort, Widerstandsstrukturen aufzubauen. Nach und nach spricht er Mithäftlinge an, die ihm vertrauenswürdig und geeignet erscheinen, und bildet kleine Gruppen von ungefähr fünf Mann, die aus Sicherheitsgründen voneinander nichts wissen – damit sie im Fall einer Verhaftung nur wenige Mitstreiter verraten können. Jede dieser "oberen Fünfergruppen", wie Pilecki sie nennt, begreift sich als Leitung des Lagerwiderstands und gründet weitere Widerstandszellen, die ihrem Befehl unterstehen. Da es Pilecki immer wieder gelingt, sein Arbeitskommando zu wechseln, kann er immer neue Leute dazugewinnen und mehrere "Fünfergruppen" gründen.

Die Ziele der Widerstandsbewegung sind an die Bedürfnisse und die bescheidenen Möglichkeiten im Lager angepasst: Mithäftlinge psychisch aufbauen, zusätzliche Lebensmittel und Kleidung besorgen und Informationen nach außen schmuggeln. Langfristig bereiten die Häftlinge außerdem einen Aufstand vor, denn sie hoffen, dass Partisaneneinheiten das Lager eines Tages angreifen, um sie zu befreien – in diesem Fall wollen sie sich den Kämpfen anschließen. Doch diese Hoffnung wird sich nie erfüllen.

Blick auf das Eingangstor des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz mit dem Schriftzug 'Arbeit macht frei'
Die Überlebenschancen in Auschwitz sind vom Arbeitskommando des Häftlings abhängig. Wer im Freien körperlich schuften muss, hat schlechte Karten. Bildrechte: dpa

Wie überlebt man im KZ Auschwitz?

Doch wie ist eine solche Arbeit in der Hölle von Auschwitz überhaupt möglich? Wie kann Pilecki angesichts des unvorstellbaren SS-Terrors seine Mission erfüllen? Schließlich lauern im Lager überall Gefahren, der Tod ist allgegenwärtig und die Überlebenschancen eines einzelnen Häftlings gering. Viele sind schon wenige Monate nach der Einlieferung psychisch und körperlich am Ende – menschliche Wracks, die kurz vor dem Verhungern stehen und im Lagerjargon "Muselmänner" genannt werden.

Doch die KZ-Häftlinge sind in ihrem Leid nicht alle gleich. Die Überlebenschancen hängen grundlegend von der Art der geleisteten Arbeit ab. Schwere Schufterei im Freien ist der direkte Weg ins Krematorium. Etwas besser sind diejenigen dran, die unter einem Dach arbeiten können. Als Glückspilze werden Häftlinge beneidet, die in der Landwirtschaft oder Lagerküche Zugang zu Lebensmitteln haben. Die besten Karten im täglichen Überlebenskampf haben schließlich Funktionshäftlinge, Büroangestellte ("Schreiber") und diejenigen, die aufgrund ihres Berufs für die SS besonders nützlich sind. Diese Häftlinge genießen eine privilegierte Stellung und können in einem begrenzten Rahmen auch anderen helfen.

Häftlingsärzte im Lagerwiderstand

Auf solche privilegierten Häftlinge stützt sich auch die konspirative Arbeit von Witold Pilecki. Einen besonderen Stellenwert haben dabei Häftlingsärzte im "Häftlingskrankenbau", allen voran Dr. Władysław Dering, der zu Pileckis engsten Mitverschwörern gehört. Häftlingsärzte arbeiten als eine Art Aushilfe mit begrenzten Befugnissen, denn das Sagen haben die SS-Ärzte – dennoch besitzen diese zu Handlangern degradierten Mediziner großen Gestaltungsspielraum.

Zutritt strengstens verboten - Warnschild an der Eingangstür zum Schonungsblock des Häftlings-Krankenbaus im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
Der "Häftlingskrankenbau" spielt eine zentrale Rolle im Lagerwiderstand. Engagierte Ärzte versuchen hier, ihren Mitgefangenen zu helfen. Besonders brutale Kapos werden mit einer tödlichen Injektion "beseitigt". Bildrechte: imago/Peter Widmann

Mit Hilfe geschmuggelter Medikamente und Typhus-Impfstoffe können sie vielen Gefangenen das Leben retten. Sie verlängern den Krankenhaus-Aufenthalt besonders geschwächter Häftlinge, damit diese wieder zu Kräften kommen können. Steht jedoch eine Selektion an, bei der SS-Ärzte die Schwächsten in die Gaskammer aussortieren sollen, können Häftlingsärzte eine vorzeitige Entlassung veranlassen, um potentielle Delinquenten zu retten. Auch Häftlinge, die von den Kapos besonders verfolgt und misshandelt werden, können im Krankenhaus vorübergehend Zuflucht finden. Nach der Entlassung haben sie die Chance, in ein anderes Arbeitskommando zu kommen.

Funktionshäftlinge: Kapo und Blockältester

Als Funktionshäftlinge bezeichnet man KZ-Gefangene die von der SS als Aufseher der anderen Häftlinge im Arbeitseinsatz oder zu anderen Kontroll-, Ordnungs- und Verwaltungsaufgaben herangezogen wurden. Solange sie ihre Aufgaben zur Zufriedenheit der SS erledigten, blieben ihnen Übergriffe und körperliche Schwerstarbeit erspart. Sie bekamen eine bessere Verpflegung und besondere Privilegien und Vergünstigungen, wie die Zuteilung von Alkohol oder den Besuch von Lagerbordellen. Ihre Überlebenschancen waren um ein Vielfaches höher als die der gewöhnlichen KZ-Häftlinge.

Die SS konnte auf diese Weise Wachmannschaften und damit Kosten einsparen sowie Häftlinge untereinander entsolidarisieren. Manche Funktionshäftlinge standen SS-Männern in der Brutalität in nichts nach. Wenn sie andere Gefangene bestahlen, misshandelten oder töteten, mussten sie keine Konsequenzen befürchten. Es gab aber Funktionshäftlinge, die sich korrekt benahmen oder ihren Leidensgenossen sogar halfen.

Innerhalb der Gruppe der Funktionshäftlinge gab es eine weitere Hierarchie. Der Lagerälteste war unmittelbar dem Schutzhaftlagerführer der SS unterstellt, musste seine Befehle umsetzen und für einen reibungslosen Ablauf des Lageralltags sorgen. Ihm unterstanden die Blockältesten, die für eine bestimmte KZ-Baracke (im Lagerjargon "Block") zuständig waren. Eine Ebene tiefer in der Hierarchie standen die Stubenältesten, die für Hygiene und Ordnung in den jeweiligen Schlafräumen ("Stuben") zu sorgen hatten. Kapos waren eine Art Vorarbeiter und standen einem Arbeitskommando vor.

Funktionshäftlinge arbeiteten außerdem in der Verwaltung des Lagers, zum Beispiel als "Schreiber" in der Schreibstube, oder im Krankenrevier als Pfleger und Häftlingsärzte.

Um zusätzliche Lebensmittelrationen zu gewinnen, werden die Todesmeldungen außerdem verzögert erstellt – so kann die Portion des Verstorbenen einem anderen zugutekommen. Bei Häftlingen, die in ein anderes KZ versetzt werden sollen, für den Lagerwiderstand aber unentbehrlich sind, wird eine Krankheit simuliert, denn Kranke werden von der Transportliste gestrichen. Die Ärzte rufen künstlich ein heftiges, kurzes Fieber hervor oder unterweisen den Betroffenen, wie er eine Blinddarmentzündung vortäuschen kann.

Auschwitz-Häftlinge vollstrecken "Todesurteile"

Schließlich werden im "Häftlingskrankenbau" auch Denunzianten aus den Reihen der KZ-Insassen und diejenigen Funktionshäftlinge "liquidiert", die ihre Mitgefangenen besonders unmenschlich behandeln. Die Durchführung beschreibt der polnische Historiker Adam Cyra in seiner Pilecki-Biografie. So wird den Delinquenten im "Revier" beispielsweise eine tödliche Spritze verabreicht oder aber eine "normale" Spritze mit einer rostigen Nadel, was eine tödliche Infektion zur Folge haben kann. In anderen Fällen stellen Häftlingsärzte absichtlich eine falsche Tbc-Diagnose, wohl wissend, dass Tbc-Kranke von der SS mit einer Phenolspritze getötet werden. Wieder andere lässt man im Krankheitsfall durch unsachgemäße Behandlung einfach sterben.

Selbst gegen besonders brutale SS-Männer geht der Lagerwiderstand vor: Ihre Kleidung wird mit typhusinfizierten Läusen kontaminiert, die ein Häftling eigens dafür züchtet. Viele Schergen erkranken tatsächlich an Fleckfieber und sterben, darunter der SS-Arzt Siegfried Schwela.

Schmuggel von Medikamenten, Kleidung und Essen

Eine wichtige Rolle in dem von Pilecki organisierten Lagerwiderstand spielten außerdem Häftlinge, die unter Bewachung außerhalb des KZ arbeiteten und so Kontakt zur Außenwelt haben, insbesondere die Vermessungsingenieure des KZ-eigenen Baubüros. Sie können Briefe und Nachrichten nach draußen schmuggeln – darunter auch geheime Meldungen Pileckis – sowie Lebensmittel, Kleidung und Medikamente ins Lager bringen. Dabei nutzen sie die Tatsache aus, dass auch die Bewacher aus den Reihen der SS nicht alle gleichermaßen brutal und fanatisiert sind – manche lassen sich bestechen und sehen weg, wenn Häftlinge Kontakt mit Zivilisten aufnehmen. Die übliche Taxe für diese "Gefälligkeit" betrug nach den Erinnerungen eines Häftlings 20 Eier und ein Stück Butter.

Ein neuer Schmuggelkanal entsteht, als Anfang 1943 den Häftlingen erlaubt wird, sich Lebensmittelpäckchen schicken zu lassen. Der Lagerwiderstand übermittelt die Namen verstorbener Häftlinge nach draußen. An sie werden von fiktiven Adressen Pakete mit versteckten Medikamenten und Verbandmaterial geschickt. Diese fängt der Lagerwiderstand in der Paketstelle ab, in der auch Pilecki eine Zeit lang arbeitet.

Hilfreich für die konspirative Arbeit sind schließlich auch gute Kontakte zu manchen Kapos. Meist handelt es sich dabei um deutsche Kriminelle, die aus anderen KZs nach Auschwitz gebracht wurden, um die polnischen Häftlinge zu beaufsichtigen. Einige von ihnen sind den Polen aber zugetan und helfen beispielsweise, für Pilecki und andere Widerstandskämpfer eine bessere Arbeitsstelle zu besorgen, was ihre Überlebenschancen enorm verbessert.

Pläne für einen Aufstand im KZ Auschwitz

Nachrichten nach draußen lässt Pilecki auch von den wenigen Häftlingen übermitteln, die aus Auschwitz entlassen werden. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich im Oktober 1940. Der Bericht vom mörderischen Arbeitseinsatz, den unmenschlichen Strafen und dem allgegenwärtigen Hunger erreicht einige Wochen später die Führung des polnischen Widerstands in Warschau, geht über Kuriere weiter ins neutrale Schweden und gelangt von dort im März 1941 zur polnischen Exilregierung nach London.

Pilecki schickt regelmäßig Meldungen an seine Vorgesetzten und drängt auf eine Befreiungsaktion, die polnische Partisanen durchführen sollen. Die Häftlinge wollen dann gleichzeitig einen Aufstand starten, auf den sie sich systematisch vorbereiten. Doch der Plan erweist sich als nicht durchführbar, die Häftlinge im Lagerwiderstand warten und hoffen umsonst – die einige Tausend Mann zählende, gut ausgerüstete SS-Wachmannschaft ist einfach zu stark. Der Abwurf größerer Mengen Munition oder gar Landetruppen durch alliierte Flugzeuge ist nicht möglich. Außerdem können mehrere Tausend Häftlinge, viele davon schwach und krank, nach der Befreiung nicht schnell genug abtransportiert werden und untertauchen.

Auf dem Weg zu den Krematorien – der Fotograf muss die Gruppe gebeten haben, sich für das Foto umzudrehen.
Ab Juni 1942 werden in Auschwitz Juden aus ganz Europa systematisch ermordet. Pilecki berichtet davon in seinen Meldungen an die polnische Exilregierung. Bildrechte: Bilder des Lili-Jacobs-Album aus dem Buch "Die fotografische Inszenierung des Verbrechens - Ein Album aus Auschwitz"

Pilecki: Erster Zeuge des Holocaust

Witold Pilecki gilt auch aller erster Zeuge des Holocaust in Auschwitz. Auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 wird die systematische Ermordung der europäischen Juden organisatorisch vorbereitet. Ab Juli 1942 laufen in Auschwitz regelmäßig Züge mit Deportierten ein. Etwa eine Million Juden finden im KZ- und Vernichtungslager den Tod. Die meisten werden gleich nach der Ankunft vergast, die Leichen werden im Anschluss von den Häftlingen des Sonderkommandos in den Krematorien verbrannt. Nur wenige der Ankömmlinge sortieren SS-Ärzte für die "Vernichtung durch Arbeit" aus.

Pilecki erlebt, wie die Nazis in Auschwitz Schritt für Schritt eine Todesfabrik aufbauen, und beschreibt den Massenmord in seinen Berichten an die polnische Exilregierung. Er drängt darauf, das Lager zu bombardieren. Doch die Alliierten lehnen das ab – vermutlich auch deshalb, weil es mit den damaligen Mitteln nicht möglich ist, gezielt nur die Gaskammern und Krematorien zu zerstören. Amerikanische Bomberverbände sind auf Flächenbombardements bei Tageslicht aus 5.000-10.000 Metern Höhe spezialisiert – das hätte den Tod von Tausenden Häftlingen im angrenzenden Lager zur Folge. Britische Bomber wiederum fliegen nur nachts – was die Zielgenauigkeit ebenfalls stark mindert.

Flucht aus Auschwitz

Im Frühling 1943 kommt die Lager-Gestapo der Widerstandsbewegung allmählich auf die Spur. Pilecki droht die Enttarnung. Aus diesem Grund entscheidet er sich, mit zwei weiteren Häftlingen aus Auschwitz zu flüchten. Er hofft, nachdem seine Appelle um eine Befreiungsaktion unbeantwortet blieben, die Vorgesetzten in Warschau persönlich "wachrütteln" zu können.

Menschliches Skelett wird ausgegraben.
Nach dem Krieg wurde das heldenhafte Wirken Pileckis nicht gewürdigt. Die neuen kommunistischen Machthaber ließen ihn hinrichten und in einem Massengrab verscharren, das 2012 wieder geöffnet wurde. Bildrechte: dpa

Er nutzt die Kontakte des Lagerwiderstands, um sich in die KZ-Bäckerei versetzen zu lassen, die außerhalb des Lagers liegt. Als Datum wählt Pilecki die Nacht zum Ostermontag 1943 – ein günstiger Augenblick, weil viele SS-Wächter gerade im Urlaub sind. In der Bäckerei werden die Häftlinge von nur zwei SS-Leuten bewacht. Die Fluchtwilligen nutzen einen unbeobachteten Moment aus: Mit Hilfe eines vorher vorbereiteten Schlüssels entriegeln sie die massive Eisentür, brechen sie auf und können unbemerkt entkommen.

Danach arbeitet Pilecki weiter im Widerstand und verfasst insgesamt drei Berichte, in denen er die nationalsozialistischen Verbrechen und die Ermordung von Juden in Auschwitz beschreibt. Doch eine Befreiungsaktion oder eine Bombardierung des Lagers kann er nicht erwirken. Seine heldenhafte Tat, freiwillig nach Auschwitz zu gehen, wird auch nach dem Krieg nicht gewürdigt. Im Gegenteil: Pilecki wird von den neuen kommunistischen Machthabern verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise. Beteiligt, verstrickt, verantwortlich?! Spuren der NS-Verbrecher heute | 24. Januar 2021 | 22:20 Uhr

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