Glaubwürdig | 12.03.2022 Ein Japaner in Dresden: Kirchenmusiker Yasushi Iwai

Ein wahrlich bewegtes Leben: Der Japaner Yasushi Iwai ist als Jugendlicher von Bach und Luther fasziniert, lässt sich taufen, studiert Kunst und Kirchenmusik und lebt heute mit seiner Familie in Dresden. Sein Heimweh vertreibt er mit Arbeit in seinem Garten. Dort züchtet er japanische Hokkaido-Kürbisse.

Yasushi Iwai
Yasushi Iwai beim Orgelspiel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Jetzt ist er verrückt geworden! Das dachten meine Eltern, als ich mich mit 15 Jahren christlich taufen ließ", erinnert sich Yasushi Iwai. Der heute 56jährige lebt damals auf der japanischen Insel Hokkaidõ in einem buddhistisch-schintoistischen Elternhaus. Mutter und Vater beruhigen sich schnell wieder, weil sie erkennen: Verrückt ist unser pubertierender Sohn nicht. Im Gegenteil! Yasushi ist neugierig und weltoffen.

Inspiriert von seinem Geschichtslehrer

Er beschäftigt sich schon als Oberschüler intensiv mit der Geschichte der Reformation. "Mein alter Geschichtslehrer hatte mir von Europa und der Kirche des 16. Jahrhunderts erzählt. Und natürlich von Martin Luther. Das hat mich sehr beeindruckt, was er sagte, wofür er kämpfte. Für die Freiheit im Denken, wissend, dass der Mensch nicht Herr über das Leben ist!"

Kurze Zeit später beginnt sich Yasushi auch noch für deutsche Kirchenmusik zu interessieren. Als er das erste Mal ein Orgelstück von Johann Sebastian Bach hört, ist er so fasziniert, dass er beschließt, irgendwann Organist zu werden. Ein langer Weg.

Fasziniert von Kunst und Orgel

Yasushi Iwai
Yasushi Iwai im Atelier Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der Schule zieht es den inzwischen 18-Jährigen erst einmal nach Tokio, um dort Malerei und Kunst zu studieren. Sein verstorbener Vater hatte ihn dazu inspiriert. Er war zeitlebens Kunstliebhaber und sammelte Bilder. Yasushi Iwai liebt europäische Kunst: "Sie genießt in Japan hohes Ansehen. Das Mädchen als klassisches Motiv spielt eine der große Rollen, neben dem Stillleben oder auch der Landschaft. "

Mädchen malt er bis heute. Vor allem als Tänzerinnen. Für ihn sind sie so schön wie Kirschblüten. Diese sind ein japanisches Symbol für Vergänglichkeit.

Ihre Blüte ist kurz und ihre Schönheit schnell vergänglich. Das Glück des kurzen wundervollen Augenblicks zu erkennen und sich daran zu erfreuen, darauf kommt es doch an im Leben. Immer wieder aufs Neue.

Yasushi Iwai

So sehr Yasushi Iwai die Malerei liebt, die Orgel geht ihm nie aus dem Kopf. Als über 30jähriger bewirbt sich 1996 an der Kirchenmusikschule im baden-württembergischen Esslingen und wird angenommen. Seinen Abschluss macht er in Dresden.

Gartenarbeit gegen Heimweh

Yasushi Iwai
Yasushi Iwai findet Entspannung in seinem Garten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wegen der Liebe ist er der Stadt an der Elbe bis heute treu geblieben. Hier lernt er seine Frau kennen. Sie heiraten und bekommen zwei Söhne. Yasushi Iwai, der inzwischen seit fast 20 Jahren in Sachsen als freiberuflicher Kirchenmusiker und Maler arbeitet, will eigentlich nicht mehr weg.

Nur manchmal überkommt ihn das Heimweh. Dann geht Iwai in seinen Garten. Obwohl er - wie er selbst von sich sagt - keinen grünen Daumen hat, züchtet er dort japanische Hokkaido-Kürbisse.

Die sind so herrlich süß, viel süßer, als die, die man in Europa kaufen kann. Selbst Kuchen kann man daraus machen. Der von meiner Mutter war immer der beste !

Yasushi Iwai

Wenn er das sagt, lacht er so verschmitzt wie ein kleiner Junge und das Heimweh scheint wie weggezaubert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 12. März 2022 | 18:45 Uhr

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