Glaubwürdig | 24.12.2021 Wie Olaf Sturm den Heiligabend im Altmarkdorf Berge rettet

Heilig Abend im Dorf Berge liegt in der Hand von Olaf Sturm. Ob Orgel ohne Organist oder Kirche ohne Glocke, der Kirchenälteste im Dorf bewältigt alle Hürden mit Herz und Willenskraft.

Olaf Sturm
Olaf Sturm ist seit 2018 Kirchenältester in Berge bei Gardelegen. Bildrechte: Glaubwürdig/Jan Siegmeier

Im Altmarkdorf Berge bei Gardelegen läuten die Glocken nicht nur zu Weihnachten, Gottesdiensten oder zu Beerdigungen, sondern auch zu Geburten. Denn wenn im Dorf ein Kind geboren wurde, läutet Olaf Sturm die Kirchenglocke, sobald die Mutter mit dem Baby zum ersten Mal nach Hause kommt.

Olaf Sturm
Kirchenältester Olaf Sturm Bildrechte: Glaubwürdig/Jan Siegmeier

Ein Ritual, das der 52-Jährige vor einem Jahr mit seiner Nachbarin Nadine begann. Für die frisch gebackene Mutter war das Glockengeläut eine Überraschung: "Als ich mit dem Kleinen ausgestiegen und auf den Hof gelaufen bin, haben die Glocken für einige Minuten geläutet. Da flossen Tränen, denn bei so einer Begrüßung zu Hause fühlte ich mich mit dem Kleinen im Dorf aufgenommen."

Eine neue Glocke für Berge

Glockengießer bei der Arbeit
Die Glocke wurde im Dorf gegossen. Bildrechte: Glaubwürdig/Jan Siegmeier

Olaf Sturm ist seit 2018 der Kirchenälteste im Dorf. Ohne ihn gäbe es nicht nur kein Geläut zu Geburten, sondern auch keine Glocke. Die Vorgänger-Glocke wurde im Krieg zerstört. Zu Glocken hatte Olaf Sturm hatte kein besonderes Verhältnis, bis er im Heimatarchiv zufällig auf eine über 100 Jahre alte Notiz stieß, geschrieben vom Großvater seines Partners. Dieser bedauerte, dass die drei Dorfglocken wegen des Krieges eingeschmolzen worden waren. Die Notiz ging Olaf Sturm so nahe, dass er alle Hebel in Bewegung setzte, um das Geläut wieder zum Klingen zu bringen.

2020 war es dann so weit. Die Glocke wurde in Berge gegossen: "Jedes Mal, wenn die Glocken läuten, gibt es ein Gänsehautgefühl. Sie verkünden etwas, sie rufen auf, sie sind letztendlich nicht wegzudenken aus dem Dorfleben. Früher gab es ja kein Telefon, kein Handy oder Smartphones, da wurde alles mit Kirchenglocken mitgeteilt."

Heilig Abend ohne Pfarrerin und ohne Orgelspiel?

Auch Weihnachten in Berge hängt zu großen Teilen an Olaf Sturm. Die Pfarrerin ging krankheitsbedingt vorzeitig in Rente, eine Vertretung war am Heiligen Abend nicht zu organisieren. Also springt der 52-Jährige ein: "Ich werde durch den Gottesdienst führen und das Wort zu verkünden."

Kirche
Vor der Berger Dorfkirche proben Kinder für das Krippenspiel. Bildrechte: Glaubwürdig/Jan Siegmeier

In jeder freien Minute schreibt Olaf Sturm an der Weihnachtspredigt. Er will die Alltagsgeschichten des vergangenen Jahres noch einmal Revue passieren lassen. Die vollen Kirchen zu Heilig Abend zeigen für Olaf Sturm, dass sich die Menschen auf das Fest und dessen Botschaft besinnen: "Meine persönliche Hoffnung ist, dass diese Besinnung über den Heiligen Abend hinaus anhält. Gott ist für mich sinnbildlich der Schirm über allem."

Weil es in Berge auch keinen Kantor mehr gibt, ließ Olaf Sturm sich noch etwas einfallen: Eine ferngesteuerte Orgel. Das Instrument ist seit einem Jahr eine Kuriosität. Sie spielt dank eines speziellen magnetischen Aufsatzes von allein.

Nebenbei probt der Kirchenälteste mit den Kindern für das Krippenspiel. Dabei geht ihm das Herz ganz besonders auf: "Das ist die Generation, die weiterführt, was die Vorgängergenerationen geschaffen haben. Die Kinder bekommen es, wie es so schön heißt, zu Heilig Abend in die Krippe gelegt."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 24. Dezember 2021 | 18:45 Uhr