Bergbau erwandern Ausflugsziele: Wanderwege durch die Geschichte des Thüringer Bergbaus

Im Thüringer Wald auf den Spuren der Kumpel durchs ehemalige Kohlerevier vorbei an spannenden Relikten des Tagebaus wandern – abwechslungsreiche Bergbaulehrpfade in Asbach, Ronneburg und Stdtfeld bei Eisenach machen es möglich. Auf diesen Wanderwegen können Sie die einzigartige Landschaft Thüringens entdecken, die seit dem frühen Mittelalter vom Bergbau geprägt wurde und heute rund 5.000 Altbergbauobjekte umfasst.

Rekultivierte Abraumhalde des Uranbergbaus der Wismut im Park Neue Landschaft bei Ronneburg
Rekultivierte Abraumhalde des Uranbergbaus der Wismut im Park Neue Landschaft bei Ronneburg Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Rundweg: Asbacher Altbergwerksweg

Abwechslungsreiche Wanderrouten vorbei an Schmelzhütten und Eisenhämmern finden sich nahe des Schmalkalder Ortsteils Asbach. Der am Lindenplatz beginnende Rundweg führt vorwiegend über gut begehbare, meist schattige Wege und Pfade vorbei an Zeugnissen der früheren Erzgewinnung und -verarbeitung: Auf rund acht Kilometern passiert man die ehemalige Spatgrube Andreas und den einstigen Tagebau Bommenden Eller, in dem einst Kalk für die Eisenverhüttung gewonnen wurde. Folgt man dem markierten Weg gelangt man zur nachgebauten Förderhaspel auf der Rechtalswiese.

Besucherbergwerk Finstertal
Eingangstor des Schaubergwerks "Finstertal" Bildrechte: Besucherbergwerk Finstertal

Vom nahegelegenen Hachelstein, einem Felsen mit Schutzhütte, lässt sich bei schönem Ausblick gut Picknicken. Gestärkt geht es dann weiter vorbei am Kothengrabenstollen und einem ursprünglichen Pochwerk: einer Maschine, die zum Zerkleinern von Erzen diente. Die größte Attraktion auf dem Asbacher Altbergwerksweg ist jedoch das Schaubergwerk "Finstertal": eine bis 1934 betriebene Roteisenerz- und Braunsteingrube. Zurück am Ausgangspunkt, der gleichzeitig das Ziel dieses Rundwegs ist, empfielt sich außerdem ein Abstecher zur historischen Hämmerschmiede im Ort.

Besucherbergwerk Finstertal
Blick ins Schaubergwerk Finstertal Bildrechte: Besucherbergwerk Finstertal

Mehr Informationen zum Asbacher Altbergwerksweg Ausgangspunkt: Lindenplatz I 98574 Schmalkalden/Asbach

Strecke: 7,5 km
Dauer: 2:20 h
Schwierigkeit: mittel
Höchster Punkt: 489 m

Anreise mit der Süd-Thüringen-Bahn bis Haltestelle Hochschule Schmalkalden oder mit der Buslinie 452 ab Busbahnhof Schmalkalden bis zur Haltestelle Asbach, Kirche.

Parkmöglichkeiten am Lindenplatz

Besucherbergwerk Finstertal
Adresse: Talstraße145, OT Asbach I 98574 Schmalkalden

Öffnungszeiten:
1. April bis 31. Oktober: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Führungen finden jede volle Stunde bis um 16:45 Uhr statt.

Eintrittspreise:
Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro

Friedrichrodaer Bergbaupfad

Im Mittelpunkt dieses Bergbaupfads steht die Bergstadt Friedrichroda. Die Kleinstadt im Landkreis Gotha blickt auf mehr als 400 Jahre bergmännische Tradition zurück: Abgebaut wurde unter anderem Eisenerz, Manganerz, Rhyolith-Schotter, plattige Sandsteine und Gips. Auf dem Friedrichrodaer Bergbaupfad, der über den Hausberg der Stadt, den 572 Meter hohen Gottlob führt, passiert man zahlreiche ehemalige Stolleneingänge, aufgelassene Steinbrüche und Bergsenkungen, sogenannte Pingen. Vom Plattenbruch auf dem Gottlob und dem Klinkenstein genießt man einen einzigartigen Ausblick bis weit in den Thüringer Wald hinein. Weiter führt die Wanderroute über die Dodels- und die Kaempfspromenade und durch das Tal des "Schilfwassers", in dem man einige Quellen und angeblich heilkräftige Trinkbrunnen passiert. Der beschilderte Wanderweg führt außerdem entlang eines tiefen Stollens, der Grube Glückstern.

Wasserfall im Besucherbergwerk - Marienglashöhle - bei Friedrichroda
Wasserfall im Besucherbergwerk Marienglashöhle bei Friedrichroda. Bildrechte: imago/photo2000

Halt lohnt es sich unter anderem beim Abtsberg zu machen: Das ehemalige Gipsbergwerk ist heute aufgrund seiner einzigartigen Kristallgrotte deutschlandweit bekannt. Auch das Besucherbergwerk Marienglashöhle Friedrichroda ist einen Besuch wert.

Mehr Informationen zum Friedrichrodaer Bergbaupfad Ausgangspunkt: "Zentraler Wandertreff" im Kurpark
Marktstraße 13-15 I 99894 Friedrichroda

Strecke: 7 km
Schwierigkeit: mittel-schwer, teilweise starke Steigung
Höhenunterschied: circa 142 m

Anreise mit den Zügen der Thüringer Waldbahn ab Gotha Hauptbahnhof bis Haltepunkt Marienglashöhle.

Parkplatz Marienglashöhle direkt an der Haltestelle der Thüringer Waldbahn.

Neue Landschaft Ronneburg

Drachenschwanzbrücke auf dem Gelände Neue Landschaft bei Ronneburg
Drachenschwanzbrücke auf dem Gelände Neue Landschaft bei Ronneburg Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Nachdem der Uranbergbau im ostthüringischen Ronneburg nach der Wende eingestellt worden war, begann die Wismut mit dem aufwendigen Umbau des Geländes. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten wurden das zerklüftete Bergbau-Revier in die Neue Landschaft Ronneburg verwandelt: Der 800 Hektar große Landschaftspark wird durch das Gessental in zwei höher gelegene Bereiche geteilt, die durch den Drachenschwanz, die größte Holzbrücke Europas, verbunden werden.

Insbesondere das Gessental, ein circa sieben Kilometer langes Seitental der Weißen Elster, das von der Ronneburger Hochfläche bis zur tiefer gelegenen Elsteraue bei Gera-Pforten​ reicht, ist ein ultimativer Wandertipp. Möglichkeit zur Rast bietet die längste Sitzbank der Welt auf den Lichtenberger Kanten: dabei handelt es sich um drei Terrassen, die den gigantischen Maßstab des ehemaligen Tagebaurestloches Lichtenberg erahnen lassen. Weitere Highlights auf der Wanderung durch die Neue Landschaft Ronneburg sind der Klimaerlebnispfad, die begehbare Landkarte mit Grubengeleucht auf der Schmirchauer Höhe sowie das Begleitprojekt "Wege in die Neue Landschaft", das Ronneburg in einem attraktiven Routennetz mit umliegenden Wanderzielen verbindet.

Rekultivierte Abraumhalde des Uranbergbaus der Wismut im Park Neue Landschaft bei Ronneburg
Rekultivierte Abraumhalde des Uranbergbaus der Wismut im Park Neue Landschaft bei Ronneburg Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Mehr Informationen zur Neuen Landschaft Ronneburg Weidaer Straße 40 I 07580 Ronneburg

Anreise:
Mitte-Deutschland-Schienen-Verbindung Gera - Glauchau bis zur Station Ronneburg; oder: Buslinie Gera - Zwickau bis Haltestelle Ronneburg Markt

Gebührenpflichtige Parkplätze in der Grobsdorfer Strasse und in der Forststrasse.

Eintrittspreise:
Erwachsene: 1 Euro, Jahrekarte: 20 Euro

Die WISMUT Ausstellung im "Objekt 90" ist von Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Stedtfelder Bergbaulehrpfad bei Eisenach

Der Bergbaulehrpfad in Stedtfeld bei Eisenach führt durch die Geschichte des mittelalterlichen Kupferschieferbergbaus der Region am südwestlichen Rand des Thüringer Waldes. Der rund vier Kilometer lange Wanderweg beginnt am Stedtfelder Schloss und führt auf insgesamt neun Stationen vorbei am Stollen "Carl August", am Fürstenstollen und einem Plateau am Erdschacht.

Eines der Highlights auf der Route befindet sich unterhalb des Pochteichs, einem ehemaligen Wasserrückhaltebecken: hier steht ein noch immer funktionierendes oberschlägiges Wasserrad. Informationstafeln, die entlang der gesamten Strecke befestigt sind, geben Aufschluss über den Alltag und die Arbeitsweise der Bergleute. Zahlreiche Sitzmöglichkeiten entlang des Weges laden zum Verweilen ein. Das Ende des Lehrpfades markiert eine Schutzhütte, in der man mit einem einzigartigen Blick auf die Wartburg belohnt wird. Wer den Rückweg danach nicht über die gleiche Route antreten möchte, kann aus dem Bergbaulehrpfad ganz einfach eine Rundwanderung machen: Dafür wandert man weiter über das Grenztor und den Rennsteig bis zur Schutzhütte "Flüchtiger Hirsch". Circa 80 Meter vor der Tiroler Platte scharf rechts abbiegen und dann dem befestigten Wanderweg Rangengraben folgen. Über die Rangenwiese gelangt man zurück zum Ausgangspunkt, dem Stedtfelder Schloss.

Blick über die Werra auf den 200 Meter hohen Abraumberg "Monte Kali"
Unweit von Stedtfeld lohnt sich ein Ausflug zum 200 Meter hohen Abraumberg "Monte Kali". Bildrechte: dpa

Mehr Informationen zum Stedtfelder Bergbaulehrpfad Ausgangspunkt: Unteres Schloss I 99817 Eisenach
Ziel: Schutzhütte mit Wartburgblick

Strecke: 3,9 km
Schwierigkeit: mittel
Dauer: circa 1:11 h

Anreise mit Bus/Bahn: Mit der Regionalbahn ab/bis zum Haltpunkt Hörschel in Richtung Bebra/Eisenach oder mit der Buslinie 2 ab/bis Stedtfeld.

Parkmöglichkeiten am Schloss.

Bergbauhistorische Rundwanderung zwischen Neuhaus-Schierschnitz und Stockheim

Im 18. und 19. Jahrhundert gab es in der Region rund um das südthüringische Neuhaus-Schierschnitz zahlreiche Steinkohlezechen. Noch heute ist die Landschaft um den kleinen Ort im Seitental der Föritz stark von der einstigen Bergbau-Aktivität seiner Bewohner geprägt. Darüber informiert der Rundwanderweg zwischen Neuhaus-Schierschnitz und dem östlich davon gelegenen Stockheim in Oberfranken.

Die Burg Neuhaus ist die Ruine einer Höhenburg auf 365 m ü. NN in Neuhaus-Schierschnitz in Thüringen.
Die Rundwanderung startet bei Schloss Neuhaus. Bildrechte: imago images/ari

Möchte man den Rundwanderung von thüringischer Seite aus beginnen, bietet Schloss Neuhaus einen guten Ausgangspunkt. Folgt man den gelben Sechsecken mit den Bergbauzeichen "Schlägel und Eisen", die überall entlang der gut begehbaren Forstwege befestigt sind, gelangt man auf thüringischer Seite zur Grube Sophie: hier zeugen eindrucksvolle Bodenvertiefungen und Abraumhalden eindrücklich vom einstigen Bergbau. Überquert man den ehemaligen Grenzweg und läuft entlang der Bergwerkstraße passiert man auf bayerischer Seite die Gruben "Carl Christoph" und "St. Katharina" und gelangt schließlich nach Stockheim, wo das einzige, über Tage austretende Steinkohlen-Flöz Bayerns zu sehen ist. Die Region, durch die sich der Rundwanderung schlängelt, ist heute vor allem wertvoller Lebensraum für Schlangen und Eidechsen und bietet Wanderern damit eine beeindruckende Flora und Fauna.

Mehr Informationen zur Rundwanderung ab Neuhaus-Schierschnitz Ausgangspunkt:
Schloss Neuhaus
Schloßbergring 1 I 96524 Föritztal

Strecke: 12 km
Schwierigkeit: mittel
Dauer: 3:45 h

Anreise: ÖPNV-Anschluss mit Linienbuss aus Richtung Sonneberg.

Rastmöglichkeit im Gasthaus "Alte Zeche" in der Bergwerksstraße 38 I 96342 Stockheim

Übersicht: Bergbau erwandern in Mitteldeutschland

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juli 2021 | 07:10 Uhr

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