Computerspiele Virtual Reality aus Leipzig: die Computerspiele-Schmiede FusionPlay

Die Firma IT Sonix wurde 1999 gegründet, um Informatik-Absolventen der Uni in Leipzig zu halten. Inzwischen hat sie sich mit der Abteilung FusionPlay auch mit Computerspielen einen Namen gemacht. So werden in der Messestadt etwa innovative Konzepte für die Virtual Reality entwickelt. Außerdem hilft das Unternehmen als erster Publisher in Mitteldeutschland jungen Studios aus Leipzig.

Konrad the Kitten
Screenshot des Spiels "Konrad the Kitten" Bildrechte: IT Sonix

Am Leipziger Innenstadtring steht ein hohes verglastes Gebäude. Hier hat die Firma IT Sonix ihre Büros. Die Räume wirken auf den ersten Blick wie die einer großen Kanzlei: Ein langer, geschwungener Tresen bestimmt den Empfang, Gänge mit weißen Wänden und zahlreichen Türen. Dahinter werden Software-Anwendungen entwickelt und angepasst.

Potion Party Alpha - screenshot
Level-Wahl im Spiel "Potion Party" Bildrechte: IT Sonix

Gegründet wurde die Firma 1999 als IT Campus. Später wurde sie verkauft und dann aufgeteilt. Die Idee der Gründer sei es gewesen, Informatik-Studierende von der Universität ans Unternehmen zu binden, damit sie nicht in den Westen abwanderten, erzählt Konrad Kunze, der leitende Spieleentwickler der Firma.

Seine Abteilung wurde 2014 unter dem Namen FusionPlay gegründet. Doch Kunzes Begeisterung für Spiele hatte schon viel früher begonnen: Als Kind programmierte er auf frühen Computern mit Programmiersprachen wie BASIC oder Turbopascal und entwarf erste Brettspiele.

Was macht ein gutes Computerspiel aus?

Aus diesem Hobby sei das Interesse an den Mechanismen entstanden, die hinter guten Spielen stehen, so Kunze: "Warum macht etwas Spaß oder etwas anderes nicht? Wie genau muss man etwas balancieren, damit es nicht zu leicht, nicht zu schwer wird?" Bei IT Sonix habe er dann die Chance bekommen, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Konrad Kunze
Konrad Kunze Bildrechte: IT Sonix, Konrad Kunze

Damals hatte Kunze die Idee für ein Kartenspiel, das auch auf einem Computer ausgelesen werden kann. Das Konzept nennt sich "Toys to live" und war einige Zeit sehr beliebt. Damals war es jedoch eine Nummer zu groß. Stattdessen entwickelten Kunze und seine Kollegen vorerst eine digitale Version.

Die nächste Idee war eine Art Haustier-Simulator für die virtuelle Realität. Das Besondere: Die Spieler können ein Kuscheltier an den Controller klemmen, das so in der virtuellen Realität lebendig wird. "Wir möchten gerne die digitale und die reale Welt miteinander verschmelzen", erklärt Kunze.

Die neuen Möglichkeiten der virtuellen Realität

Zum Team von FusionPlay gehören eigentlich nur drei Mitarbeiter. Doch je nach Entwicklungsstand kommen auch Kollegen aus anderen Abteilungen dazu, die sich zum Beispiel besser mit Design auskennen. Der Arbeitsplatz ist ein eher schmuckloses Büro: Ein brauner Faser-Teppich bedeckt den Boden. An der einen Wand steht ein großer Bildschirm, an einer anderen ein langer Tisch mit Computern. In der Mitte ist viel Platz. Der ist nötig, um sich in der virtuellen Realität zu bewegen. Kunze reizt es, dass er hier neue Methoden entwickeln kann.

pixelBOT-EXTREME - screenshot
Der 2D-Shooter "pixelBOT-EXTREME" Bildrechte: IT Sonix

"Ich vergleiche das immer gerne mit dem Zeitpunkt, als das Kino aufkam", sagt Kunze. Einerseits habe der Film gegenüber dem Theater ganz neue Möglichkeiten geboten. Dennoch seien manche Theatertechniken filmisch nicht umzusetzen, etwa wenn auf einer Bühne links und rechts etwas gleichzeitig passiere. Genauso sei es mit der virtuellen Realität: "Das ist ein neues Medium, was die alten Medien nicht ablösen wird, sondern ergänzen."

Vor dem eigentlichen Projekt steht eine lange Planungsphase, in der Fragen geklärt werden: Worum soll es gehen? Wie viele Arbeitsstunden sind nötig? Wie viele Leute werden das Produkt kaufen? Denn bei IT Sonix ist es wichtig, dass die Spiele auch Geld einbringen.

Dienstleister für andere Computerspiele-Studios

Erst vor Kurzem haben Kunze und sein Team ein neues Konzept entworfen und Fördergelder beantragt. Während sie darauf warteten, kam die Idee auf, auch als Publisher aktiv zu werden. Das bedeutet, sie helfen kleinen Studios, ihre Spiele auf Konsolen wie der Playstation zu veröffentlichen, erklärt Kunze.

Denn für manche Startups sei es anfangs schwierig, sich in die Welt der Konsolen einzufinden: "Da dachten wir uns, dass wir davon profitieren wollen und auch andere profitieren lassen, indem wir sagen: Wir arbeiten zusammen mit kleinen Teams und nehmen denen das Thema Spielkonsole ab." Derzeit arbeiten sie mit zwei kleinen Studios aus Leipzig zusammen, die sie eher zufällig entdeckt haben. Eines der Spiele ist "Potion Party": Die Spieler befinden sich in einem Verlies und müssen Getränke brauen und an Kunden verkaufen. Die Pixeloptik erinnert an Rollenspiele aus den Neunzigern.

Potion Party Alpha - screenshot
Das Spiel "Potion Party" Bildrechte: IT Sonix

Die Kunden sollen spielend lernen

"Kinder spielen, weil sie spielen wollen", meint Kunze. Doch dabei lernten sie, ohne es zu bemerken: "Es sind halt auch Sachen wie Wirtschaftsdinge – wenn jemand 'SimCity', 'Civilisation' oder so etwas spielt. Natürlich ist das alles ein Spiel und stark vereinfacht. Aber man lernt dadurch grob, wie Wirtschaftssysteme funktionieren, auf welche Dinge man achten muss, dass auch Politik gar nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt."

Konrad Kunze meint, in Mitteldeutschland sei gerade eine gute Zeit für Videospiele: "Der Standort ist nicht unbedingt perfekt, aber großartig." An den Hochschulen würden viele kreative Köpfe ausgebildet, die gerne auch in der Region arbeiten würden. Doch aus Mangel an Möglichkeiten würden viele wegziehen. Konrad Kunze ist daher der Meinung, das IT Sonix und FusionPlay noch etwas Konkurrenz vertragen könnten.

Konrad the Kitten
"Konrad the Kitten" setzt auf niedliche Optik Bildrechte: IT Sonix

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Februar 2021 | 17:10 Uhr

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