Historisch flanieren Geheimtipp der Bundesgartenschau: Der Park von Molsdorf

Der idyllische Park von Molsdorf mit seinem Schloss ist ein Außenstandort der Bundesgartenschau 2021. Und er birgt ein Geheimnis: Hier kann man die ursprüngliche barocke Anlage des Parks noch in seiner historischen Struktur erleben. Das perfekte Ausflugsziel, zum Flanieren und Genießen – so wie sein Gründer Gustav Adolf von Gotter es sich gewünscht hat.

Schloss Molsdorf bei Erfurt 4 min
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Der Park von Schloss Molsdorf nahe Erfurt verkörpert anschaulich den Übergang vom Barockgarten zum Landschaftspark. Ein Besuch anlässlich der BUGA.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 05.06.2021 06:00Uhr 04:02 min

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Selbst bei Nieselregen ist der einst verwunschene Park des Grafen von Gotter in Molsdorf einfach nur schön. Hohe Bäume zieren die Alleen, die rechts und links des Schlosses entlang einer quadratischen Rasenfläche entlangführen, es gibt Kieswege, an einer Seite des Parks fließen kleine Wasserkanäle, die sogar noch die historische Uferbefestigung haben. Der Park in Molsdorf ist noch in seiner alten Struktur erfahrbar, eine Zeitreise:

Es ist diese historische Struktur, die wirklich noch exakt erlebbar ist, einfach diese Achse, die noch erkennbar ist, die Alleen. Historische Bereiche, die nahezu unverändert sind.

Eva Dockhorn, Landschaftsarchitektin

Seit einem Jahr kümmert sich die Landschaftsarchitektin und studierte Denkmalpflegerin Eva Dockhorn um den Park südlich von Erfurt. Die junge Frau ist Mitarbeitern der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Sie ist froh, dass es den Park in dieser Form noch gibt – er ist auch ein Besuchermagnet, sagt sie.

Schloss Molsdorf zur Bundesgartenschau in Erfurt
Die Anlage von oben betrachtet Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Acht Hektar zum Flanieren

Früher gab es auch Wasserkaskaden im Hang. Heute stehen hier dichte Bäume und man ahnt, was es einst für eine imposante Anlage war. Auf acht Hektar Land entstand im 18. Jahrhundert dieser Landschaftspark. Zum Flanieren, Genießen und Repräsentieren – es war schließlich die Zeit des Barock.

Schloss Molsdorf bei Erfurt
Auch zahlreiche Pflanzen laden zum Bewundern ein Bildrechte: dpa

Später formte der Gothaer Hofgärtner Johann Rudolph Eyserbeck, Sohn des bekannten Wörlitzer Gärtners Eyserbeck, mit malerische Baumgruppen eine Parklandschaft daraus. Er integrierte die vorhandenen Beete, Hecken und mehr als hundert Skulpturen an den Kanälen.

Was ich schön finde, was die Menschen hier mitnehmen sollten, sich bewusst machen, dass man sorgsam mit den historischen Anlagen umgehen sollte. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass sie so erhalten sind, wie sie es heute sind.

Eva Dockhorn

Vom Wasserschloss zum barocken Lustschloss

Das Schloss von Molsdorf ist im wesentlichen dem Prestigebedürfnis eines Reichsgrafen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu verdanken. Gustav Adolf von Gotter erwarb das Anwesen, nachdem er sich im Dienste des Herzogs von Sachsen-Gotha-Altenburg ein gutes Einkommen erworben hatte.

Schloss Molsdorf bei Erfurt
Die Wasseranlagen bieten erfrischende Luft, auch an heißen Tagen. Bildrechte: dpa

Ursprünglich befand sich hier ein Wasserschloss aus dem 16. Jahrhundert, um das Gebäude ein großer Wassergraben mit zwei Brücken, auf der Nordseite und Südseite zum Park. Gotter verwandelte nach seinem Kauf das Wasserschloss in ein barockes Lustschloss.

Beeindruckende Räume und Exponate im Schloss

Noch heute ist hier der holzgetäfelte Festsaal zu bewundern, mit 33 Gemälden, die Gotters Freunde, finanziellen Förderer und Wegbegleiter zeigen. Doch der Reichsgraf war nicht nur ein erfolgreicher Diplomat, sondern auch ein Lebemann mit verschwenderischem Stil. Nur 14 Jahre sollte er diese Idylle genießen, dann war Schluss: Gotter musste verkaufen.

Banbkettsaal Schloss Molsdorf
Im Festsaal hat Gustav Adolf von Gotter seine Freunde verweigen lassen. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Und auch heute ist die Unterhaltung eines Schlosses und seines Umfelds eine kostspielige Angelegenheit. "Wir müssen grundsätzlich eigentlich die Bausubstanz sanieren", sagt die Bauingenieurin Grit Straßburg. Auch wenn die Stuckdecken, die Wandtäfelungen, das ausgestellte Porzellan in den Räumen und die erhaltene Substanz beeindrucken, es gibt Sanierungsbedarf. So drücken die alten Kanäle und Teiche seit Jahrhunderten an die Mauern.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juni 2021 | 08:10 Uhr

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