Deutscher Computerspielpreis Aus Spielen lernen: Das Entwickler-Team UniGlow aus Wernigerode

Das Studio UniGlow in Wernigerode ist der einzige Videospielentwickler im Harz. Die jungen Spieldesignerinnen und -designer haben sich in einem Masterstudiengang an der hiesigen Hochschule kennengelernt, wo auch die Idee für "nGlow" entstand, das später beim deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet wurde. Das junge Entwickler-Team arbeitet weiter an dem Spiel und dazu auch im Bereich Kulturtourismus.

Ein Mann sitzt vor einem Computer.
In Wernigerode hat UniGlow sich sein Standbein aufgebaut. Bildrechte: MDR/Thilo Sauer

Am Rand von Wernigerode befindet sich das IGZ – das Innovations- und Gründerzentrum. Neben einem Gebäude, das von Glas und Stahl beherrscht wird, befindet sich ein kleineres Gebäude aus Stein, das vermutlich schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts hier stand. Im zweiten Stock hat das junge Entwicklerstudio UniGlow ein kleines Büro. Im ersten Raum stehen ein größerer Tisch und einige Stühle – alles wirkt etwas zusammengewürfelt. Im nächsten Raum bilden drei Schreibtische eine Insel, auf denen mehrere Bildschirme und digitale Zeichenbretter stehen. An den Whiteboards und Pinnwänden hängen Zettel, mit Notizen, Entwürfen und Skizzen zu ihrem Spiel "nGlow". 

Anfänge an der Uni 

Früher bestand UniGlow aus fünf Mediendesignern, inzwischen sind sie nur noch zu dritt. Sie alle haben sich an der Hochschule Harz im Master-Studiengang Medien- und Spielekonzeption getroffen, einem der wenigen Orte, um Spiele-Design zu studieren. Für viele von ihnen war das ein Kindheitstraum: "Ich habe als Kind schon Kartenspiele entworfen, andere Spiele entworfen, mit Lego etwas gebaut. Damals hat meine Mutter erzählt, dass das kein Beruf ist. Sie wusste es einfach nicht besser und jetzt habe ich es im Nachhinein durch diesen Master wieder für mich entdeckt", erinnert sich Mirko Skroch, Programmierer und Geschäftsführer von UniGlow. 

Ein Mann sitzt vor einem Computer.
Mirko Skroch ist Programmierer und Geschäftsführer bei UniGlow. Bildrechte: MDR/Thilo Sauer

Im Rahmen eines Seminars, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Spiel entwickeln sollten, kam ihnen die Idee zu nGlow. Damals sollte das Spiel allerdings noch ganz anders aussehen: "Ursprünglich wollten wir auf einen kleinen runden Planeten gucken, denen man über Touchscreen drehen kann und wir wollten einen leuchtenden Wald darstellen, mit einem kleinen Männchen", erinnert sich Mirko an den ersten Ansatz. Davon ausgehend entwickelt das Team immer neue Ideen und verwarf alte, bis schließlich das Konzept für ein 3D-Puzzle- und Exploration-Game entstand. Ihr damaliger Dozent war von der Idee begeistert und empfahl den jungen Entwicklerinnen und Entwicklern, ihre Idee beim Deutschen Computerspielpreis einzureichen, wo sie auch prompt ausgezeichnet worden. 

Im Einklang mit der Natur 

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Szene aus dem Spiel "nGlow" Bildrechte: Uniglow Entertainment GmbH

Eine Gestalt mit dünnen Armen und Beinen, unter der Kapuze sind Katzenohren zu erkennen, rennt durch einen dichten Wald mit leicht lumineszierenden Pflanzen. Immer wenn sie einen großen Pilz antippt, leuchtet dieser auf, erhellt die Umgebung und macht die Welt bunter. Dann entdeckt das mysteriöse Wesen eine runde Steinkonstruktion, die ein Portal sein könnte. Die Gestalt durchsucht den Wald, klettert Wände hoch und springt über Felsen, um seltsame Strahler zu finden, die das technische Relikt mit Energie versorgt. So entdecken die Spielerinnen und Spieler diese unbekannte Welt und ihre Geschichte. 

"Wir erzählen in dem Spiel eine Geschichte über die Ausbeutung des eigenen Lebensraums", fasst Mirko zusammen. Diese Vergangenheit erfahren die Spielerinnen und Spieler ganz neben, sodass sie "in der Art, wie sie der Natur begegnen, den eigenen Umgang mit der Technik hinterfragen." Die Mischung von Technik und Natur findet sich in der gesamten Gestaltung, erklärt Grafikdesignerin Jasmin Strnad: "Ganz wichtig war uns, dass wir eine reale und lebendig wirkende Welt erschaffen. Um das zu schaffen haben wir uns viel mit der realen Natur beschäftigt, sind draußen herumgelaufen und haben uns angeschaut, wie Bäume wirklich aussehen." Diese Erkenntnisse haben sie dann miteinander kombiniert und erweitert: Harz entwickelt sich zu kristallinen Formen und bekommen etwas technisches, Baumsamen fliegen durch die Welt und verhalten sich wie Insekten. 

Eine Frau sitzt vor einem Computer.
Jasmin Strnad ist Grafikdesignerin und damit zuständig für die Gestaltung des Spiels. Bildrechte: MDR/Thilo Sauer

Das ist auch für Spielen wichtig, denn die Herausforderung besteht darin mit verschiedenen Fähigkeiten einen Weg zu den Energiequellen des Waldes zu finden. Dabei ist Mirko wichtig, dass das Design organisch funktioniert: "Easy to learn, hard to master" ist eine Devise im Gamedesign, die auch er sich zu eigen gemacht hat. Außerdem möchte er den Spielerinnen und Spielern Freiheiten gewähren, ihnen "ein System geben, womit er sich ausdrücken kann, der wie so ein Lego-Baukasten ist. Wenn ich Mechanik wirklich verstehe und wirklich hinterfrage, wie ich sie noch nutzen kann, dann komme ich auf einen neuen Weg, Rätsel auch anders zu anzugehen. Das ist vielleicht schwieriger, aber die Belohnung ist größer." Darum will Mirko immer mindestens zwei Lösungswege ermöglichen und freut sich, wenn Testspielern und -spielerinnen bisher unbekannte Ansätze glücken. 

Neue Inhalte 

Der Computerspielpreis gab den jungen Entwicklerinnen und Entwicklern den Mut, ein eigenes Studio zu gründen. Das Mirko nun Geschäftsführer ist, entstand eher spontan, weil es eben einen Chef brauchte. Doch inzwischen scheint er sich wohl in dieser Rolle zu fühlen. Für das Spiel "nGlow" haben sie einen funktionierenden Prototypen entwickelt, seitdem ruht das Projekt allerdings. "Wir wissen jetzt, was wir noch alles brauchen", sagt Mirko und meint damit zum Beispiel einen Experten oder eine Expertin für Leveldesign. 

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Bei "nGlow" müssen Portale aktiviert werden. Bildrechte: Uniglow Entertainment GmbH

Geld verdient das Studio derzeit hauptsächlich mit AR- und VR-Anwendungen für Unternehmen und den Kulturtourismus. So lassen sie mit einem Headset oder dem Smartphone alte Schlösser wieder erscheinen oder ermöglichen Interaktionen mit Exponaten. Diese Aufträge sind von einem gewissen Pragmatismus geprägt: Das Wissen für diese Aufgaben haben sie sich sowieso im Studium angeeignet und weil sie in der Region die einzigen Anbieter sind, bleiben sie auch gefragt. Es sei allerdings auch faszinierend, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen und die Arbeitsumgebung zu "gamifizieren", also spielerischer zu gestalten. 

Zwischen diesen Aufträgen nehmen sich die Drei immer Zeit, um ein neues kleines Spiel zu entwickeln, wie einen bunten und schnellen Arena-Shooter. Sie wollen eben nicht nur Auftragsarbeiten machen, sondern auch Games schaffen. Dabei geht es nicht immer nur um große Botschaften, wie bei "nGlow": "Da sitzt du mit deinen Freunden zusammen auf der Couch und hast Spaß. Das ist für uns aber auch eine wichtige Botschaft, dass Spiele verbinden können, was sie auch sozial geben können und was man aus Spielen lernt. im Endeffekt sind es alles Systeme, die man verarbeitet und aus dem man viel für das Leben lernen kann. Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht mein ganzes Leben lang gespielt hätte, da bin ich fest überzeugt“, erklärt Mirko. 

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Januar 2021 | 16:10 Uhr

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