"Mutiger Ritter mit magischem Pferd" Bautzener Museum zeigt Kunst geflüchteter Kinder

Die Initiatorinnen des Projektes sind die Bautzener Künstlerin Bettina Renner und vor Ort in Griechenland Sahil Kahn. Was ursprünglich als Spendensammlung anfing, ist nun ein Workshop im griechischen Lager Malakasa. Die Kinder wurden zunächst animiert, sich mit dem Tannenbaum auseinanderzusetzen – obwohl die Kinder Weihnachten als Familienfest gar nicht kennen. Die Ergebnisse waren so faszinierend, dass sich Renner entschied, das Projekt weiterzuführen. Aktuell ist es im Museum Bautzen zu sehen.

Drei Mädchen zeigen fröhlich, was sie gebastelt haben. In der Mitte befindet sich ein Tannenbaum aus Papier.
Bildrechte: Bettina Renner

Motivation für dieses Projekt war für die Bautzener Künstlerin Bettina Renner auch die Lebensverhältnisse der Kinder in den Lagern. Sie wollte aber zunächst die jungen Leute unterstützen, die sich vor Ort um die Kinder kümmern, auch wenn sie selbst in prekären Verhältnissen leben. Gerade für die Kinder sei das Leben im Lager nochmal schlimmer, sagt Renner. Sie dürfen nicht zur Schule gehen, es gibt keinen Spielplatz, es gibt nichts. Aber: Die Kinder müssen lachen können.

Ein Workshop entsteht in Malakasa

Zunächst sammelte Renner im Freundeskreis Geld, um die Kinder mit Spielsachen und Bastelmaterial, aber auch Essen und Trinken zu versorgen. Parallel hat sie sich mit Kolleginnen kreative Workshops ausgedacht, die die jungen Helfenden vor Ort umsetzen könnten. Daraus entwickelte sich eine Verbindung.

Die Künstlerin Bettina Renner sitzt an ihrem Schreibtisch.
Bettina Renner Bildrechte: Carolin Röckelein

Als im vergangenen Jahr der Kleinprojektefond der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen Gelder bereitstellte, entschied sich Renner, mehr mit den Kindern zu machen. Sie plante das Projekt "Oh Tannenbaum" – ohne zu missionieren. Es sollte ein Workshop sein mit den Kindern vor Ort, welcher auch hier auf das Schicksal dieser Familien aufmerksam macht.

In den Schaufenstern des Rathaus Bautzen

Die Kinder malten aber keine Bilder von geschmückten Tannenbäumen. Stattdessen bastelten sie Karten und andere bunte Objekte, die zusammen mit Fotos vom Projekt in den Schaufenstern des Rathauses Bautzen ausgestellt wurden.

Eine Gruppe von Kindern in Griechenland arbeiten und basteln gemeinsam an einem Tisch.
Gemeinsames Basteln in Malakasa. Bildrechte: Bettina Renner

Getragen von der Begeisterung der Kinder plante Bettina Renner, das Projekt weiterzuführen, den Kindern Geschichten aus unserer Kultur zu erzählen und sie dazu basteln zu lassen. Zunächst präsentierte sie ihnen die Geschichte vom "Riesen Spreenick". Die Fotos der Basteleien aus Griechenland beflügelte die Künstlerin.
Mit der Hilfe des Kulturamtes in Bautzen fand das Projekt mit Plakaten in der Altstadt eine Fortführung. Neben den Fotos der Kunstwerke der Kinder, wurde auch der Alltag der Kinder in dem Geflüchtetenlager Malakasa gezeigt.

Geschichten über die Landschaft in Sachsen

Schlussendlich reiste Renner, mit der Sage "Ritter Dutschmann" im Gepäck, selbst in das Lager. Persönlich konnte sie nun den Kindern die Geschichte erzählen, das sei sehr berührend gewesen.

Ein Mädchen zeigt die Burg, die sie gebastelt hat. Im Hintergrund eine Wäscheleine.
Reyhane hat mit ihren Schwestern ein Kunstwerk geschaffen. Bildrechte: Bettina Renner

Die Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren zeigten großes Interesse an der sächsischen Landschaft, an den Flüssen, die sie bereits aus der Sage vom "Riesen Spreenick" kannten. Mit dem Ritter konnten die Kinder allerdings nichts anfangen, erzählt Renner. Dafür interessierten sich die meist afghanischen Kinder besonders für des Ritters Pferd, dem sie ein Haus und ein Bett bastelten und dem sie spielerisch Essen gaben.

Menschenwürdige Zukunft in Europa

Das Ziel des Projektes sei es, den Kindern glückliche Momente zu schenken und sie bestenfalls auf das Leben in Europa vorzubereiten und sie mit unseren Geschichten vertraut zu machen. Im Eingangstext der Ausstellung findet sich folgende Worte: "Ich wünsche mir, dass wir uns dafür stark machen, dass Kinder und ihre Familien eine menschenwürdige Zukunft in Europa finden, so lang das in ihrer Heimat unmöglich ist. Ganz einfach: Weil sie Menschen sind."

Informationen zum Museum Bautzen Museum Bautzen
Kornmarkt 1, 02625 Bautzen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Öffentliche Führungen (90 Minuten):
Dienstag, Donnerstag und Sonnabend um 11 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2021 | 12:15 Uhr

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