Expressionistische Malerei Chemnitzer Kunstsammlungen erwerben prominentes Gemälde von Schmidt-Rottluff

Die Kunstsammlungen Chemnitz haben prominenten Zuwachs erhalten. Dank großzügiger Unterstützung von drei Förderern konnte sich das Museum das Gemälde "Junger Mann mit Pfeife" des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluffs, ein Hauptwerk des aus Chemnitz stammenden Künstlers, sichern. Es war bereits seit längerem in der ständigen Ausstellung des Hauses zu sehen, nur eben bisher als Dauerleihgabe. Dieses Gemälde soll nicht das letzte sein, welches erworben wird - die Sammlungen haben große Pläne.

Das expressionistische Bild ist dargestellt. Darauf sieht man einen Mann mit einer Pfeife in der Hand an einer Wand lehnen.
Das Gemälde "Junger Mann mit Pfeife" ist eines der Haptwerke des Künstlers. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Auf den ersten Blick scheint es wie eine Petitesse, dass auf der Texttafel neben dem Gemälde "Junger Mann mit Pfeife" von Karl Schmidt-Rottluff der Hinweis "Dauerleihgabe" verschwunden ist. Für die Kunstsammlungen Chemnitz, die jetzt an dieser Stelle genannt sind, ist es jedoch ein Meilenstein mit Blick auf den eigenen Bestand. Auch deshalb, weil immer die Gefahr besteht, dass Eigentümer von Leihgaben diese Werke irgendwann doch verkaufen.

Schmidt-Rottluff als Teil kultureller Identität

Insofern sei es wichtig, so der Generaldirektor Frédéric Bußmann, die zentralen Werke, etwa von Karl Schmidt-Rottluff Stück für Stück für die Kunstsammlungen Chemnitz beziehungsweise für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger zu erwerben, damit sie auch in Zukunft die wunderbaren Bilder sehen können und nicht einen Teil ihrer kulturellen Identität verlieren.

In einen Stein sind expressionistisch die Gesichtszüge des Künstlers gehauen
Ein in Stein gehauenes Selbstbildniss von Karl Schmidt-Rottluff. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Dem expressionistischen Künstler Karl Schmidt-Rottluff, der 1884 in Rottluff, heute ein Stadtteil von Chemnitz, geboren wurde, kommt dabei eine herausgehobene, eben diese identitätsstiftende Stellung zu. An die 500 Arbeiten werden als eigener Bestand oder als Dauerleihgabe in den Kunstsammlungen aufbewahrt, von denen nur ein kleiner Teil in den Ausstellungen des Hauses gezeigt werden kann. Der "Junge Mann mit Pfeife" gehört dazu als eines der Hauptwerke des Malers – der Mitbegründer der Künstlergruppe "Die Brücke" war und als einer der bedeutendsten deutschen Vertreter der Klassischen Moderne gilt.

Männerbildnisse sind eine Seltenheit

Das jetzt erworbene Gemälde "Junger Mann mit Pfeife" ist um 1920 entstanden. Im Oeuvre von Karl Schmidt-Rottluff nimmt es insofern eine besondere Stellung ein, da männliche Bildnisse bei ihm selten sind.

Das expressionistische Bild ist dargestellt. Darauf sieht man einen Mann mit einer Pfeife in der Hand an einer Wand lehnen.
Die Darstellung eines Freundes in "Junger Mann mit Pfeiffe". Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Portraitiert hat Schmidt-Rottluff seinen Künstlerkollegen und Freund Curt Stoermer. Beide waren während des Ersten Weltkrieges zusammen in Litauen stationiert gewesen und haben sich 1919 dann an der Ostsee wiedergetroffen, dort die Ferien verbracht und gearbeitet.

Insofern ist dieses Bild ein Freundschaftsbild, aber gleichzeitig auch Ausdruck des wiedergewonnenen Friedens.

Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz

Gleichzeitig zeige es laut Bußmann die Freude darüber, dass man wieder als Künstler arbeiten kann und nicht im Schützengraben liegt. Für die Kunstsammlungen ist die Neuerwerbung auch deshalb so bedeutend, weil der "Junge Mann mit Pfeife" in seiner intensiven Farbigkeit und im Malstil ein Pendant bildet zu Karl Schmidt-Rottluffs 1920 geschaffenem Gemälde "Mädchen", dass ebenfalls in Chemnitz ausgestellt ist.

Finanzielle Unterstützung von verschiedenen Stellen

Dass das Bild überhaupt angekauft werden konnte, war nur durch die finanzielle Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen und der Stadt Chemnitz möglich. Der Kaufpreis wurde allerdings nicht genannt. Klar ist jedoch, dass die Kunstsammlungen Chemnitz Neuerwerbungen dieser Art nicht aus dem eigenen Budget stemmen können, zumal im Zuge der Corona-Pandemie der dafür bewilligte Etat, der bis dahin 50.000 Euro jährlich betrug, gestrichen wurde.

Zu sehen ist das expressionistische Gemälde "Haus am Augustmittag", es ist in den Farben rot und gelb gehalten, links ragen Stämme ins Bild, die teilweise den Blick auf das Haus behindern.
Das "Haus am Augustmittag" ist schon seit 2020 in Besitz der Kunstsammlungen Chemnitz. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Mit Unterstützung des Freundeskreises des Museums konnte 2020 zudem ein frühes Gemälde von Karl-Schmidt-Rottluff aus einer Privatsammlung erworben werden, "Haus am Augustmittag" von 1905. Und, ein Jahr zuvor ein Konvolut mit 49 kunsthandwerklichen Objekte des Künstlers. Unter anderem damit sind die Kunstsammlungen Chemnitz in der Lage den berühmten Sohn der Stadt in allen Facetten seines künstlerischen Schaffens zu präsentieren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. März 2022 | 13:10 Uhr

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