25 Jahre restauriert Syrischer Schatz in Dresden: Wie das Damaskuszimmer gerettet wurde

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentieren im Japanischen Palais eine Sensation: Das Damaskuszimmer, ein einzigartiges Beispiel syrischer Dekorationskunst, wurde vor 25 Jahren im Depot entdeckt, restauriert und ist nun erstmals komplett aufgebaut zu sehen. Das syrische Empfangszimmer aus dem 19. Jahrhundert soll in Dresden wieder zum Ort der Begegnung werden – an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen oder Tee trinken und lesen können.

Im reichverzierten Damaskuszimmer schauen zwei Personen an die Decke.
Nach 25 Jahren Restauration ist das Damaskuszimmer nun im Japanischen Palais Dresden zu sehen. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

Die klangvoll vorgetragenen Verse verfehlen ihre Wirkung nicht. Ein Knopfdruck und sie erfüllen den Raum, lenken die Aufmerksamkeit auf die reich verzierten Holztäfelungen des Damaskuszimmers und lassen jegliches drumherum im Dresdner Ausstellungsraum in den Hintergrund treten. Es sind Verse aus einem Gebet, die sich oberhalb auf den Wänden des Raumes als kalligrafische arabische Inschriften wiederfinden.

"Das Besondere an dem Gedicht ist, dass es Schutz bietet und es ist sehr inkludierend, weil es so geschrieben ist, dass sowohl Muslime, Juden und Christen in Damaskus sich in diesem Zimmer nicht ausgeschlossen fühlten. Alle waren willkommen und haben sich auch willkommen fühlen können", erläutert Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Völkerkundemuseen in Leipzig, Dresden und Herrnhut die Botschaft, die aus den Schriftbändern spricht.

Damaskuszimmer in Dresden ist einzigartig

Gleichzeitig unterstreicht Meijer-van Mensch die Besonderheit dieses, auf das Jahr 1811 datierten syrischen Zimmers, das jetzt in Dresden im Japanischen Palais präsentiert wird. Dieses sei als Gesamtzimmer erhalten geblieben: "Es gibt auch Damaskuszimmer oder syrische Empfangszimmer in Syrien. Aber wir haben einen Objektkorpus, der eine Gesamtheit bildet, was dieses Zimmer einzigartig macht und auch für die Forschung einzigartig ist."

Drei Wände des restaurierten Damaskuszimmers zeigen syrische Dekorationskunst.
Das Besondere am über 200 Jahre alten Damaskuszimmer in Dresden: Es ist vollständig erhalten geblieben. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

Die Inschriften sind nur eines der unzähligen Details, die es auf der reich verzierten Holztäfelung zu entdecken gibt – stilisierte Stadtlandschaften, Schalen mit unterschiedlichsten Früchten, Blumenvasen, eine ganz vielfältige Ornamentik und das alles in einer großen Farbigkeit. Die Holzbretter wurden grundiert und anschließend vielfarbig bemalt.

Manche Bereiche sind erhaben geschnitzt, andere scheinen dreidimensional aus der Fläche heraus, erläutert Vanessa Kaspar, die leitende Restauratorin der sächsischen Museen für Völkerkunde: "Bei dieser Pastiglia-Technik ist mit einer Leim-Gips-Mischung fein auf die Bretter gemalt worden und diese wurden dann teilweise mit Blattmetallauflagen versehen". Das dadurch erzeugte Schillern habe im tageszeitlichen Lichtverlauf im Original viel Wirkung gehabt.

Profis aus Syrien an Restaurierung beteiligt

Die Restaurierung des Damaskuszimmers, an der über 22 Restauratorinnen und Restauratoren unter anderem aus Syrien beteiligt waren, wurde zu einer Entdeckungsreise: Denn diese Detailvielfalt war kaum zu erahnen gewesen, als man sich der extrem verschmutzten und beschädigten Paneelen vor 25 Jahren annahm. Jahrzehntelang lagerten sie im Depot, nachdem sie 1930 dem Museum für Völkerkunde in Dresden geschenkt worden waren.

Das Zimmer stammte aus dem Nachlass des Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus, der es wiederum Ende des 19. Jahrhunderts in Damaskus gekauft und nach Deutschland gebracht hatte. Der für den Transport damals aufgebrachte Firnisüberzug wurde beispielsweise bei der Restaurierung entfernt – um die tolle Farbigkeit und Opulenz wieder wahrzunehmen, erklärt Restauratorin Vanessa Kaspar.

Durch ein goldenes Gitter ist eine Frau vor einer ornamentalen Wand zu sehen.
Restauration des Damaskuszimmers und der syrischen Kunst hat 25 Jahre gedauert. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

Ausstellung lädt zum Tee trinken ein

Das rekonstruierte Damaskuszimmer wird im Japanischen Palais Dresden nicht nur präsentiert, sondern soll künftig auch ein Ort der Gastfreundschaft sein. Zwar nicht das Original – das geht aus konservatorischen Gründen nicht – aber ein ihm vorgelagerter Raum, der Sitzgelegenheiten bietet, die denen in einem Damaszener Altstadthaus nachempfunden sind.

"Da es in dem Zimmer um Gastfreundschaft geht, haben wir im ersten Raum dieser Ausstellung diese Funktion hervorgehoben: Da steht immer Tee. Man kann sich die Schuhe ausziehen, man kann lesen und alle sind willkommen, weil dieses Zimmer kann sich nur durch und mit der Dresdner Stadtgesellschaft zu einem Ort der Gastfreundschaft entwickeln." So Leontine Meijer-van-Mensch und sie ist sich sicher, dass die Menschen in Dresden das Damaskuszimmer als Ort des Austausch und der Begegnung für sich entdecken werden.

Zwei Personen sitzen sich in einem Begegnumsraum mit syrischen Ornamenten gegenüber.
Das Damaskuszimmer wird in Dresden durch einen Begegnungsraum ergänzt. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

Weitere Informationen Damaskuszimmer
Japanisches Palais
Palaisplatz 11
01097 Dresden

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt frei

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic, tsa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. September 2022 | 06:15 Uhr

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