Caspar-David-Friedrich-Preis 2021 Veronika Pfaffinger macht preisgekrönte Performance-Kunst in Dresden

Kunstpreise gehören zu den wichtigen Förderinstrumenten – vor allem für junge Künstlerinnen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Bereits seit 2001 vergibt die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft einen solchen Förderpreis. In diesem Jahr geht er an die in Dresden lebende und an der Hochschule für Bildende Künste ausgebildete Bildhauerin Veronika Pfaffinger. Beworben hat sie sich mit einer performativen Konzeptarbeit, die den öffentlichen Raum in Dresden auf ungewöhnliche Weise dokumentiert.

Veronika Pfaffinger "Ich und meine Arbeit", 2020, unfixierte Analogfotografie
Veronika Pfaffinger "Ich und meine Arbeit", 2020, unfixierte Analogfotografie Bildrechte: Veronika Pfaffinger

Die analoge Fotografie "Ich und meine Arbeit" zeigt die junge Künstlerin, sitzend, neben ihr ein großes Gefäß. Bei zunehmendem Licht werden beide verschwinden. Es gäbe einen Prozess, wie man so ein analoges Foto entwickele, dass es auch haltbar sei, erklärt die Künstlerin Veronika Pfaffinger. "Ich hab aber einen Schritt weggelassen, also das Fixieren von dem Foto. Dadurch verschwindet das Motiv je häufiger man sich das anguckt beziehungsweise je stärker die Lichtquelle dabei ist."

Das große Gefäß auf dem Foto stammt auch von ihr. Es ist aus Ton gebaut, nicht gedreht und wartet noch auf den zweiten Brand sowie eine Glasur. Die Meisterschülerin an der Hochschule für Bildende Künste Dresden arbeitet bevorzugt mit Materialien aus der Natur oder doch zumindest in engem Austausch mit ihr.

Förderpreis für das Projekt "Minimal Gardening"

Für den Förderpreis der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft hat sie sich mit der Arbeit "Minimal Gardening" beworben und gegen 31 Mitbewerberinnen und Mitbewerber aus Greifswald, Kopenhagen und Dresden durchgesetzt. Mit den drei Orten, den Lebens- und Arbeitsorten Caspar David Friedrichs, der heute als der Maler der Romantik gefeiert wird, aber erst spät Anerkennung fand, ist die Auslobung des Preises verknüpft.

Veronika Pfaffinger aber malt nicht wie der Namenspatron des Preises. Sie arbeitet konzeptuell, skulptural, oft temporär. "Minimal Gardening" ist ein Langzeitprojekt im öffentlichen Raum an der Pfotenhauer Straße in Dresden. Seit Juni des vergangenen Jahres bewässert sie eine kreisrunde Fläche inmitten einer Wiese, die im Sommer dürr und braun ist, sich im Wechsel der Jahreszeiten verändert, wie die Gießspur, die verschwindet, um erneut wieder aufzutauchen.  

Veronika Pfaffinger "Minimal Gardening"
Ein Wettbewerbsbeitrag ist das Video einer kreisförmigen Rasenfläche, die immer wieder gegossen wird. Wird dieser Prozess ausgesetzt, verschwindet der grüne Kreis. Bildrechte: Veronika Pfaffinger

Weil es auch darum geht, ein wohlwollendes Verhältnis zur Natur zu haben. Der Kreis kann in zwei Richtungen verschwinden: wenn er grün ist und der Rest der Wiese auch grün wird oder wenn ich zu wenig Zeit zum Gießen habe, dann wird er braun wie die Umgebung. Das ist ein Kommen und Gehen, aber es ist ok.

Veronika Pfaffinger

Auf Video und Fotografie dokumentiert sie den Prozess des Wachsens und der Vergänglichkeit. Die Jury schätzte ihren Wettbewerbsbeitrag "als handwerklich perfekte und ästhetisch ansprechende Arbeiten, die nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch durch ihren Witz und die zum Teil ungewöhnlichen Materialien überraschen."

Von der Handwerkerin zur Künstlerin

Die 1990 in Burghausen, in Oberbayern, geborene Künstlerin hat zunächst ein ganz bodenständiges Handwerk erlernt. Sie war Gesellin an einer Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei in Berchtesgaden. "Ich hab eine handwerkliche Ausbildung in Holzbildhauerei und danach wollte ich einfach gerne Kunst studieren und hab mir verschiedene Kunsthochschulen in Deutschland angeguckt und Dresden hat mir da sehr gut gefallen und es war auch klar, ich möchte mal ein bisschen weiter weg, mal rauskommen aus Bayern", erzählt die Künstlerin.

An Dresden schätzt sie die Weite der Flusslandschaft, die guten Studienbedingungen an der Hochschule, die Werkstatt- und Ateliermöglichkeiten und den großzügigen nicht verschulten Lehrbetrieb, der ihre Freiheiten lässt, sich mit der nötigen Konzentration und Ruhe und dem ihr wohl eigenen Hauch an Melancholie ihren Projekten zu widmen.

Minimal Gardening - Die Natur als Kunstobjekt

Das Erasmusstipendium ermöglichte einen Studienaufenthalt in Portugal und das Reise- und Recherchestudium des DAAD einen in Lettland. Auf einigen Ausstellungen war sie bereits vertreten. Zum Beispiel mit ihren übermannshohen rasenbedeckten Erdsäulen, zwischen denen man wandeln kann.

In dünne Scheiben geschnittene Karotten baut sie zu temporären Plastiken wieder auf, schneereicher Winter und bergiges Gelände animierten sie zu besonderen Zeichnungen in der Natur. "Ich habe Schneebälle gemacht und angeschubst. Aber die Linien an sich kommen durch die Schwerkraft, die Form des Hügels oder die Beschaffenheit des Schnees", beschreibt Pfaffinger den Vorgang.

Oft gebe ich die Kontrolle ab innerhalb meiner künstlerischen Arbeit. Wenn die Arbeit Winterdrawings heißt – Winterzeichnung – dann habe die Linien nicht direkt ich gemacht.

Veronika Pfaffinger

Auf die Ausstellung der Preisträgerinnen und Preisträger in Greifswald, es ist Veronika Pfaffingers erste Einzelausstellung, und die Übergabe des Preises muss die sie jedoch noch bis Oktober warten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. März 2021 | 16:10 Uhr

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