"Weltenwanderer" Werke von Warhol, Beuys und Richter in Oberlausitzer Museen ausgestellt

Mehr als 1.200 Werke gehören zur Sammlung Hoffmann, die der Staatlichen Kunstsammlung Dresden 2018 geschenkt wurde. Darunter finden sich so große Namen wie Warhol oder Abramović. In Dresden lagern die Werke zumeist im Depot und werden nur vereinzelt in die Dauerausstellung eingebunden. Nun ist ein großer Teil der Sammlung in Görlitz und Zittau zu sehen.

Mehrere Gemälde an Wänden, davor eine Skulptur die zwei Affen zeigt.
Die Doppelausstellung zeigt nur einen Teil der umfangreichen Schenkung Sammlung Hoffmann Bildrechte: SKD, Foto: Oliver Killig

Das Antlitz von Performancekünstlerin Marina Abramović im Video ähnelt dem einer ägyptischen Herrscherin: erhaben und starr die Züge, unbeeindruckt von der riesigen Würgeschlange, die sich um ihren Körper windet. Auch Theresa Murak setzte ihren Körper ein, lässt mit ankeimenden und aushärtenden Kressesamen auf Brust und Bauch eine fragile Leibmaske entstehen.

DIe Künstlerin Marina Abramović ist auf einem Videomonitor zu sehen
Videoperformance von Marina Abramović Bildrechte: SKD, Foto: Oliver Killig

Das sind zwei von ungefähr 40 Werken, die im Görlitzer Kaisertrutz präsentiert werden. Darunter auch dezidiert politische wie Gerhard Faulhabers feine Bleistiftzeichnung, die bei genauem Hinsehen auf dem Bild einer Wärmekamera basiert, die Flüchtende in einem Container aufspürt.

Biografische Brüche zwiischen Ost und West

Als Thema des Ausstellungsprojektes wählten die Macher "Weltenwanderer". Es verweist darauf, dass es Künstler sind, "die irgendwie Brüche in ihrer Biografie haben und die irgendwo anders richtig durchgestartet sind", so Jasper von Richthofen, der Direktor der Görlitzer Sammlungen.

Die Idee war natürlich, dass wir jetzt nicht wahllos schöne Sachen aus der wahnsinnig aufregenden, spannenden, großen Sammlung von Erika Hoffmann zeigen, sondern dass wir uns auch ein Thema geben.

Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen

An solchen Künstlerbiografien ist kein Mangel. Der poetische Titel klingt nach freiwillig-freiheitlichem Vagabundieren. Aber oft sind es erzwungene Bewegungen zwischen Ost und West, stimulierende, aber auch rettende Grenzübertritte.

Kunst überschreitet Grenzen

Dass nicht nur die mittlerweile berühmten Grenzgänger von Ost nach West – wie Richter, Polke, Graubner – auftauchen, spricht für den schon früh auch auf Osteuropa gerichteten Blick des Sammlerpaares Hoffmann.

Kurator Kai Wenzel ist dieser Schwerpunkt besonders wichtig: "Wenn man in Görlitz über die Grenze geht, nach Zgorzelec kommt oder weiter nach Wrocław fährt, gibt es bekannte polnische Künstler. Aber sobald man hier in Deutschland ist, kennt die niemand mehr. Das ist auch ein Kriterium für die Ausstellung gewesen, diese Begegnung auch hier im Raum zu ermöglichen – dass es neben Gerhard Richter, Sigmar Polke, wo man in Deutschland niemand erklären muss, wer das ist, auch Werke von Theresa Morak oder Jarosław Kozłowski aus Polen zu sehen gibt."

Ein Sonnenuntergang, gemalt von Andy Warhol, die Sonne verschwindet zu einem Viertel hinter einer Wasseroberfläche
Andy Warhol, Sunset, 1972 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Schenkung umfangreicher Sammlung

Vor vier Jahren kam die Sammlung Hoffmann an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Mit der Schenkung war ein besonderer Umgang mit den Werken intendiert. Aber es war weder der Anspruch auf eigene Räume, noch auf eine dauerhafte Präsentation. Vielmehr diffundieren die Werke langsam in den Bestand der SKD und stehen für Ausstellungen auch außerhalb Dresdens zur Verfügung – so wie jetzt in Görlitz und Zittau.

Wir haben von diesen 1.200 Werken bei Weitem noch nicht alle gezeigt in den letzten zwei oder drei Jahren.

Dorothée Brill, Leiterin der Schenkung Sammlung Hoffmann in Dresden

Joseph Beuys neben Urne aus der Bronzezeit

Das unterschiedliche Wirken der Werke, je nach Kontext, hebt Dorothée Brill, die Leiterin der Schenkung Sammlung Hoffmann in Dresden, hervor und betont: "Es ist für mich wahnsinnig interessant, wie abhängig die Werke von ihrem Kontext oder von ihren Impulsen, die sie von außen bekommen, sind. Die Arbeiten wirken anders in unterschiedlichen Räumen oder andere Aspekte treten in den Vordergrund, je nachdem, was um sie herum gruppiert ist."

Vier Fotos zeigen das Gesicht einer Frau mit Zöpfen, die ihre Zunge zeigt oder ihren Finger in den Mund steckt
Blick in die Ausstellung "Weltenwanderer" im Kulturhistorischen Museum Kaisertrutz in Görlitz Bildrechte: SKD, Foto: Oliver Killig

Während im Görlitzer Kaisertrutz eine ganze Etage für die Werke zur Verfügung steht, nistet sich in Zittau die Kunst ins historische Gemäuer und die enzyklopädisch angelegte Sammlung der Bürger und Kaufleute geradezu ein. "Wir haben uns überlegt, Objekte zu zeigen, die besonders preziös sind, kleinformatig oder Objekte, die in ihrer Materialität mit den Gegenständen in der Wunderkammer in Kontakt treten", erläutert Peter Knüvener, der Direktor der Städtischen Museen Zittau.

Als Beispiel zeigt er drei von Gerhard Richter übermalte Fotos und ergänzt: "Dort steht eine Arbeit von Joseph Beuys neben einer bronzezeitlichen Urne. Da kann man dieses Urtümliche, was manchen Beuys-Werken innewohnt, auf diese bronzezeitlichen Gegenstände beziehen", führt der Kurator weiter durch die Ausstellung. 

Zwei Gemälde in Ausstellung. Ein Mann steht vor einem Gemälde.
In der Ausstellung im Franziskanerkloster in Zittau treffen historische Engelsdarstellungen auf zeitgenössische Bildsprache Bildrechte: SKD, Foto: Oliver Killig

Historie trifft auf moderne Kunst

Selbst die großen Arbeiten – Frank Stellas ineinander verschlungene Rohre oder Polkes alchemistisches Mineralbild im Heffterbau – müssen sich gegen freigelegte Engelsfriese und die stattliche Ratswaage behaupten. Und das können sie auf wunderbare Weise. Auch das kleine Zittauer Fastentuch hat Besuch bekommen und teilt sich den Raum nun mit einer großen schematischen Abendmahlsdarstellung von Hermann Nitsch, Relikt seiner aufsehenerregenden Aktionen.

Das ist einfach toll, dass man das Angebot hat und hier so etwas zeigen kann wie Warhol, Arbeiten von Beuys und von Haring. Etwas ganz Großes! Dafür bin ich schon sehr dankbar.

Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau

Beide Ausstellungen sind konsequent dreisprachig beschriftet: in Deutsch und den Sprachen der Nachbarn: Tschechisch und Polnisch. Ein Kombiticket macht für einen geringen Aufpreis den Besuch beider Ausstellungen in Zittau und Görlitz möglich.

Ein stilisiertes, comicartiges Gesicht, die Stilistik erinnert an Grafitti
Keith Haring: Untitled, 1986 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Weitere Informationen "Weltenwanderer" ist bis zum 12. Juni in Görltz und Zittau zu sehen.

Kulturhistorisches Museum Görlitz - Kaisertrutz
Platz des 17. Juni 1
02826 Görlitz

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Städtische Museen Zittau
Klosterstraße 3
02763 Zittau

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. März 2022 | 16:10 Uhr

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