Ausstellungseröffnung Digital und analog: Die Jahresausstellung der Burg Giebichenstein in Halle

Kunst erfahren und erleben – das war in der Corona-Pandemie kaum möglich. Die Burg Giebichenstein Halle und ihre Studierenden haben das am eigenen Leib erfahren. Jetzt wird mit der Jahresausstellung 2021 endlich wieder analog präsentiert. Auch wenn die Campusstandorte noch nicht öffnen können, nutzen die Studierenden den Stadtraum – die Arbeitensind unter anderem auf der Peißnitzinsel oder im Kiosk hr.fleischers zu erleben. Gleichzeitig bewegen sie sich weiter im digitalen Raum.

Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Einige Exponate der diesjährigen Ausstellung in der Burggalerie. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Nie zuvor da gewesene Singvögel, ein Fuchs und sogar eine ganze Waschbärfamilie sind während des Corona-Lockdowns statt Studierender auf den Campus der Burg Giebichenstein eingezogen. Zeit, dass die Künstlerinnen und Künstler zurückkehren. Noch geht das zwar nicht an den Campusstandorten, zur Jahresausstellung 2021 präsentieren sie ihre Arbeiten dafür aber auf ganz spezielle Weisen.

Zahlreiche Ausstellungsorte

Ein Ausstellungsort ist etwa der Volkspark Halle. Hier heißt es in der diesjährigen Ausstellung "Sunrise. Diplome der Kunst" endlich wieder vor Gemälden stehen, endlich wieder Kunst zum Anfassen. Die teils plastischen, teils großformatigen Arbeiten von mehr als 50 Kunst-Absolventinnen und Absolventen sind erstmals auch in der alten Turnhalle oder der Kegelbahn des Gebäudes ausgestellt.

Ausstellungseröffnung Eindrücke aus den Arbeiten der Studierenden der Burg Giebichenstein 2021


Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Jahresausstellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: Burg Giebichenstein
Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Jahresausstellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Bunte Kreisdiagramme
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Blick in die Jahresaustellung Burg Giebichenstein
Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
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Kunst-Absolventin Catherine Sanke stellt ihre Arbeit "In Nacht und Eis" in der Burggalerie vor. Für ihre Diplomarbeit hat sie sich mit der Nordpolexpedition von Fridtjof Nansen beschäftigt. Dieser hat von 1893-96 in Reisetagebüchern seine Eindrücke festgehalten.

Inspiration durch Reisetagebücher

Junge Frau vor Exponaten
Künstlerin Catherine Sanke vor einem Ausschnitt ihrer Arbeit "In Nacht und Eis". Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Sanke hat es gelesen und sich davon inspirieren lassen: "Die Textzitate, die hier in der Arbeit vorkommen, sind alle aus diesem Tagebuch entnommen. In Parallele zu diesen Zitaten habe ich mich auf der Bildebene damit beschäftigt, ein fiktives Archiv zu erstellen von Bildern dieser Nordpolregion, inspiriert durch Nansens Texte."

Gearbeitet hat Sanke dafür mit Porzellan. Die kleinen Bild-Platten lassen sich aus den Archiv-Ordnern herausnehmen und zu den ebenfalls auf Porzellan gedruckten Textausschnitten legen. So will sie die Besuchenden ermuntern, in das Archiv abzutauchen.

Spannungsfeld analoge und digitale Kunst

Am Wochenende starten dann neben der Diplom-Kunst-Ausstellung auch zahlreiche Aktionen und Interventionen in ganz Halle. Zum einen zieren die Stadt schon jetzt 100 individuelle Veranstaltungsplakate, die aus den verschiedenen Studienrichtungen kommen. So soll die Bandbreite und Vielfalt der Hochschule sichtbar gemacht werden. Nach der herausforderden Zeit, sei es wichtig, dass die Studierenden jetzt auch wieder in Aktion treten können. Der Rektor der Burg Giebichenstein Dieter Hofmann weiß, wonach Kunstinteressierte sich jetzt sehnen:

Mann vor Exponaten
Rektor Dieter Hofmann freut sich, dass die Studierenden seiner Hochschule endlich wieder ausstellen können. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Jeder, der sich mit Kunst und Design auskennt und weiß, wie Künstler und Designer arbeiten, der weiß, dass Kunst und Design nicht vollständig digitalisiert werden können. Für uns ist eben dieser Dialog, dieses voneinander-Lernen, das Arbeit in Werkstätten – das ist einfach unverzichtbar.

Dieter Hofmann, Rektor Burg Giebichenstein

Interventionen im Stadtraum

Jahresausstellung Burg Giebichenstein
Einblick in das digitale Programm der Jahresausstellung. Bildrechte: Burg Giebichenstein

Im Spannungsfeld zwischen analoger und digitaler Kunst entstehen aber auch neue Möglichkeiten. So gibt es in diesem Jahr eine digitale Ausstellung auf einer – ebenfalls von Burg-Studierenden – eigens entwickelten Homepage. Dort werden einzelne Projektskizzen, Werksabbildungen oder Videos gezeigt, die zum digitalen Wandeln und Erleben einladen.

Für die diesjährige Ausstellung erkunden die Studierenden neben dem digitalen Raum vor allem die Stadt Halle, machen sie sich zu eigen, intervenieren. Ganz getreu dem Motto: "Wenn die Leute nicht an die Burg kommen können, dann geht die Burg eben zu den Leuten."

So verwandelt der Studiengang "Spiel- und Lerndesign" etwa den Kiosk hr.fleischers am Reileck zum Aktionsort. Schon viele Jahre wird er von jungen Künstlerinnen und Künstlern bespielt. Auf der Peißnitzinsel lassen sich ebenfalls Installationen aus dem Studiengang "Bild Raum Objekt Glas" am Pavillon finden.

Die bekannte Modenschau der Burg Giebichenstein, zu der normalerweise 1.000 Gäste kommen, kann in diesem Jahr nicht in bekannter Größe stattfinden. Die experimentellen Methoden der Textil- und Modegestaltung werden somit auf besondere Art und Weise, mit einem Audio-Walk sowie auf zwei Booten, unter anderem das Boot des WUK Theaters, präsentiert.

Nachts um halb fünf, stilecht gekühlt

Auch interessant: die Kunstaktion "Nachts um halb fünf stilecht gekühlt." Die Klasse Robert Klümpen verwandelt dafür Halles Spätis vier Tage lang in Kunsträume. In Kühlschränken und zwischen Bierkästen versteckt sich Kunst, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Und so zeigt sich: egal ob analog oder digital – die Studierenden der Burg Giebichenstein haben die Kunstwelt für sich neu erkundet und ihren Schaffensprozess eindrucksvoll weitergeführt.

Mehr Informationen Ab dem 17. Juli 2021 stellt die digitale Plattform www.burg-halle.de/jahresausstellung2021 Arbeiten und Projekte aus der BURG vor, die in diesem außergewöhnlichen Studienjahr entstanden sind.

Vom 17. Juli bis 1. August 2021 ist die Ausstellung "Sunrise. Diplome der Kunst" im Volkspark Halle und der Galerie f2 jeweils an den Wochenenden zu sehen.

Adresse
Schleifweg 8a06114 Halle (Saale)

Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei.

Weitere Informationen, Adressen und das komplette Programm finden Sie unter: visit.burg-halle.de

Was sonst so in den Museen los ist

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 16. Juli 2021 | 11:15 Uhr

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