"20 22" Von New York nach Thüringen: Oska Gutheil in der Kunstsammlung Jena

Der Maler Oska Gutheil gilt als neuer Stern am Himmel der Kunstwelt: Galerien in Metropolen wie New York, Berlin oder Wien reißen sich um die Bilder des Künstlers, der naive Malerei mit Punk und Comicelementen verbindet. Nun sind seine Bilder auch in Jena zu sehen: die Kunstsammlung zeigt die Einzelausstellung "20 22" mit Bildern, in denen Oska Gutheil bunt-verrückte Welten voller Hybridwesen entwirft – und damit auch seine eigene Biografie und Transition verarbeitet.

Schlafzimmer, 2021
Malerei, die sich klassischen Zuordnungen entzieht: Die Kunstsammlung Jena zeigt Werke des Malers Oska Gutheil. Bildrechte: Matthias Kolb

Aller guten Dinge sind drei. Auf so viele Ausstellungen hat es der Maler Oska Gutheil in diesem Jahr schon gebracht. Nach Berlin, seinem Lebensmittelpunkt, wo er sein Handwerk ganz akademisch studiert hat und auch heute noch lebt und arbeitet, gab es eine in New York. Wo seine Bilder gut gehandelt werden. Nun also eine große Personalausstellung in Jena.

In einer öffentlichen Kunstsammlung. Da wird kein Geld verdient, weil es vordergründig nicht um die roten Punkte geht, die dem Besucher in einer Verkaufsgalerie anzeigen, was Sache ist. Da sammelt man die Image-Punkte für die weitere Karriere. Wichtig für Künstler, die auf dem Sprung sind. Für die der Jenaer Museumschef Erik Stephan ein feines Näschen hat.

Ausstellungen in New York, Berlin und Jena

Der erste Blick in die Ausstellung zeigt eine bunt-verrückte Welt. Gegenständliche Malerei im Geist des 21. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt vieler Bilder taucht eine Gestalt auf, die so etwas wie das alter ego des Künstlers sein könnte.

Auf einem großformatigen Bild, liegt sie rücklings auf einem Bett. Alle viere von sich gestreckt. Die Haare wie elektrisiert, der Blick starr auf die Decke gerichtet. Von der Masken, Monster, Katz und Krake, Brüste und eine Spinne farbenfroh hinunterhängen. Auf einem Sideboard sticht ein kleiner grüner Kaktus ins Auge und korrespondiert mit den Stachelbeer-Waden des Mannes, der in seinen Boxershorts und Tennissocken ob dieses Ambientes nicht so recht zu innerer Ruhe und Frieden zu finden scheint. Gemalt in grellen Farben, ist alles klar erkennbar. In einer Mischung aus Punk, Comic und naiver Malerei.

Auf einem großformatigen Bild, liegt sie rücklings auf einem Bett. Alle viere von sich gestreckt. Die Haare wie elektrisiert, der Blick starr auf die Decke gerichtet. Von der Masken, Monster, Katz und Krake, Brüste und eine Spinne farbenfroh hinunterhängen. Auf einem Sideboard sticht ein kleiner grüner Kaktus ins Auge und korrespondiert mit den Stachelbeer-Waden des Mannes, der in seinen Boxershorts und Tennissocken ob dieses Ambientes nicht so recht zu innerer Ruhe und Frieden zu finden scheint.
Punk, Comic und naive Malerei: Oska Gutheils Gemälde mit dem Titel "Träumer" ist Teil der Ausstellung in der Kunstsammlung Jena. Bildrechte: Matthias Kolb

Oska Gutheils Malerei entzieht sich jeder Zuordnung

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Auf dem nächsten Bild sehen wir die Gestalt schon wieder. Nun im Badezimmer vor einem Spiegel beim "Body Check", so der Titel. Wieder in Boxershorts und Tennissocken. Auf einem Tisch neben dem Waschbecken stehen ein paar Brüste, die, wie der Jenaer Musemschef Erik Stephan interpretiert, vielleicht mal Teil dieses Bodys waren.

Denn der Maler Oska Gutheil wurde 1980 in Ravensburg als Stefanie Gutheil geboren. Und dieser persönliche Transformationsprozess machte und macht einen wesentlichen Teil ihrer und seiner Bildwelten aus. Passt ja bestens in unsere, in diesen Dingen sehr aufgeregte Zeit. Doch vordergründig deswegen sind diese Bilder nicht zu sehen, versichert Erik Stephan, sondern weil es sich um eine sehr gute, sehr bunte, sehr laute und gegenständliche Malerei handelt, die vieles verhandelt, was unsere Gesellschaft derzeit bewegt.

Ein blauer unförmiger Ur-Riese ist im Zentrum des Bildes zu sehen. Am Zeh ist eine Schnur befestigt, vielleicht ein Puppenspiel.
Eines der Hauptthemen der Ausstellung Oska Gutheils in Jena ist Transformation. Bildrechte: Matthias Kolb

Sehenswerte Entdeckung in der Kunstsammlung Jena

Malerei, die deswegen auch anderer Leute Alltag ins Bild setzt: einen maskierten Steinwerfer beispielsweise oder die verdrucksten Typen, die in irgendeiner Großstadt "Ums Eck" herumlungern und ähnlich böse Blicke werfen, wie die vier aufgeregten Typen, die uns stumm, aber malerisch sehr beredt ihre Meinung entgegen schreien. "Alu Hüter" nennt sich diese Collage aus viel Farbe und geschickt eingearbeiteter Alufolie.

"20 22" – der Titel der Ausstellung, weist auf die Entstehungszeit der Bilder hin und ist Beweis genug, dass es hier nicht nur um gendertechnische Transformation, sondern ganz schön ans Eingemachte unserer Tage geht. Mit dieser auf den ersten Blick poppig-punkig-kunterbunten, dann aber in die Tiefe und, in ihren besten Momenten, zu Herzen gehenden Malerei. Wir halten fest: wieder mal eine sehenswerte Entdeckung in der Kunstsammlung Jena.

Alu Hüter, 2021
Die Ausstellung des Malers Oska Gutheil ist noch bis 6. November 2022 in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Bildrechte: Matthias Kolb

Angaben zur Ausstellung

"Oska Gutheil – 20 22"
Ausstellung vom 23. Juli bis 6. November 2022

Kunstsammlung Jena
Städtische Museen Jena
Eine Einrichtung von JenaKultur.
Markt 7
07743 Jena

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
Montag geschlossen

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Juli 2022 | 07:10 Uhr