10. JugendKunstTriennale Von Corona bis Klimakrise: Ausstellung in Zwickau zeigt Gefühlswelt einer Generation

Das wichtigste Kulturprojekt des Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes ist die JugendKunstTriennale, deren 10. Edition in diesem Jahr von Zwickau ausgerichtet wird. Gezeigt werden Kunstwerke von über 100 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer Ausstellung in den Kunstsammlungen Zwickau Max-Pechstein-Museum. Die Werke der jungen Künstlerinnen und Künstler offenbaren die Gefühlswelt einer Generation, die durch die Corona-Pandemie monatelang isoliert und auf Abstand zu sich selbst sein musste.

Zwickau Kunstsammlungen, Außenansicht
Die JugendKunstTriennale findet alle drei Jahre statt. In diesem Jahr richten die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum die Ausstellung aus. Bildrechte: imago images/Eibner

Seit 25 Jahren arbeiten die Städte Bayreuth, Hof, Plauen, Zwickau und Chemnitz als Sächsisch-Bayerisches Städtenetz zusammen. Seit kurzem ist auch Markranstädt mit dabei. In der Zusammenarbeit im Kulturbereich ist die JugendKunstTriennale einer der wichtigsten Bausteine. Mit der Triennale soll dem Nachwuchs eine Plattform geboten werden, sich mit Kunst auszudrücken und diese dann zu zeigen. In diesem Jahr sind die Arbeiten in den Kunstsammlungen Zwickau zu sehen.  Man sieht den Bildern an, durch welche emotionalen Höhen und Tiefen die Jugendlichen in den vergangenen Monaten gehen mussten. Die Umsetzung ist mal zurückhaltend und sanft, dann wieder sehr direkt und plastisch. Das erscheint folgerichtig, denn die Jugendlichen sind inspiriert von hoch aufgeladenen Themen mit vielen Facetten.

Nein, ich will nicht mehr. Ich male, um herauszufinden, was ich fühle.

Felicia Rensner

Felicia Rensner, 'I said no'
"I said no" von Felicia Rensner aus Bayreuth. Die 20-jährige malt sich selbst im Liebeskummer. Bildrechte: Ole Steffen / MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona, Klima, Black Lives Matter, Feminismus

Beim Betrachten wird klar: So fordernd wie die Generation der 14 bis 25-jährigen manchmal im Außen zu sein scheint, so sehr bedarf es auch einer Reflexion der großen Krisen und Gesellschaftsfragen im Inneren. Gerade während der harten Corona-Monate, in der viele der Bilder entstanden. So erging es auch Nathanael Uhlig, 19 Jahre alt aus Augustusburg. Sein Werk "Sommerfreunde", für das er einen der Hauptpreise gewonnen hat, zeigt ihn gemeinsam mit seinem Kumpel auf einer Wiese. Das mit Öl auf Leinwand gemalte Bild entstand, weil die Sehnsucht nach solchen Momenten zu sehr drängte.

Nathanel Uhlig, 'Sommerfreunde'
"Sommerfreunde" von Nathanel Uhlig. Er ist einer der Gewinner des Hauptpreises. Bildrechte: Ole Steffen / MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das war gerade die Phase des zweiten Lockdowns und erneut begann der Prozess des sich Zurückziehens, sich von seinen Freunden distanzieren, des in sich Kehrens, über Sachen nachdenken, weniger erleben. Genau in dieser Phase gab es einen Abend, wo ich auf meinem Sofa lag und in meiner Galerie alte Bilder durchgescrollt habe, was ich öfter tue, wenn ich Sehnsucht nach meinen Freunden habe oder Sehnsucht nach schönen Erlebnissen.

Nathanael Uhlig

Mit ihren Handys haben die Künstlerinnen und Künstler der 10. JugendKunstTriennale Sprachaufnahmen gemacht und ihren Werken damit eine zweite Bühne gegeben. Dabei bräuchte es gar nicht unbedingt die Aufnahmen, um zu verstehen, dass hier eine Generation gemalt, gezeichnet, gedruckt, fotografiert und designt hat, die von der Corona-Pandemie in ganz eigener Weise geprägt wurde und mit viele weiteren Krisen umzugehen versucht. Es ist beeindruckend, wie intensiv auch in Video-Installationen Themen wie Selbstoptimierung verarbeitet wurden.

Hannah Gottsmann, 'Dysmorphia'
"Dysmorphia" von Hannah Gottsmann. Der Film behandelt den Drang nach Selbstoptimierung in Zeiten der Digitalisierung. Bildrechte: Ole Steffen / MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Leiterin der Kunstsammlungen Zwickau, Petra Lewey, sieht in der Kunst eine Chance für Jugendliche mit den Krisen unserer Zeit umzugehen. Der kreative Output sei eine Art "Ventil" und biete auch "Trost" in schwierigen Zeiten. "Dann merkt man auch wie wichtig die Kunst ist für den Menschen selbst – und auch in so einer Entwicklungsphase, wenn man erwachsen wird", so die Museumsleiterin.

Dr. Petra Lewey, Leiterin der Kunstsammlungen Zwickau
Dr. Petra Lewey, Leiterin der Kunstsammlungen Zwickau. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Hinter die Fassade blicken

Über 100 Werke sind in Zwickau zu sehen. Eines davon stammt von Finia Schneider.

Wir saßen in unseren Zimmern und haben versucht, die Zeit zu überstehen. Manche Lehrer und Erwachsene sagen, wir hätten so etwas wie Ferien und wir würden das schon alles schaffen. Aber können sie auch hinter die Fassade blicken? Denn ein Lächeln ist nicht immer das, was es zu sein scheint.

Finia Schneider

Finia Schneider, 'Allein'
Bilder über Einsamkeit. Rechts ist das Bild von Finia Schneider "Allein" zu sehen. Bildrechte: Ole Steffen / MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Finia Schneider, 16 Jahre aus Chemnitz, hat das Werk gemalt, auf dem das einzige Lächeln der Ausstellung zu sehen ist. Das Bild "Allein" zeigt jedoch ein Mädchen, das nur zu lächeln versucht. Es ist einsam, klammert sich an sich selbst. Ihre Augen sind Zeugen von Traurigkeit. Der Wunsch, den man von dieser Ausstellung für die Jugend mitnimmt: mehr echtes Lächeln, mehr Sommer, mehr Liebe. Die Kunstwerke der zehnten JugendKunstTriennale sind ein eindrückliches Zeugnis einer Generation, die einsam und gemeinsam Krise für Krise zu meistern hat.

Mehr Informationen

JugendKunstTriennale 2021
20. Juni bis 15. August

KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU
Max-Pechstein-Museum
Lessingstraße 1
08058 Zwickau

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Juni 2021 | 13:15 Uhr

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