Pandemie Corona-Regeln: Das gilt für den Kulturbetrieb in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ändern sich die Corona-Regeln am 13. November als Reaktion auf das steigende Infektionsgeschehen. Die 3G-Regelung bleibt vorerst erhalten. Worauf müssen Sie sich jetzt bei Ihrem Kultur-Besuch einstellen und wie reagieren die Kultureinrichtungen in Sachsen-Anhalt auf das aktuelle Geschehen?

Geschäft mit der Aufschrift: Zutritt nur nach 3G Regeln
Sachsen-Anhalt hält vorerst an der 3G-Regelung fest. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Sachsen-Anhalt führt am 13. November neue Corona-Regeln ein. Die Schutzverordnung gilt bis einschließlich 17. Dezember 2021. Nach der bisherigen Regelung konnten Landkreise und kreisfreie Städte festlegen, dass von der Testpflicht z.B. beim Besuch von Kultureinrichtungen abgewichen werden kann.

Diese Verordnung soll künftig bei hohem Infektionsgeschehen und einer hohen Belastung des Gesundheitssystems aufgehoben werden. Das bedeutet: Wenn die 7-Tage-Inzidenz über 100 liegt und gleichzeitig entweder die 7-Tage-Inzidenz der Hospitalisierungen einen Wert von fünf oder der landesweite Anteil der COVID-Patienten an den belegten Intensivbetten einen Wert von fünf Prozent überschreitet, darf nicht mehr von den Testpflichten abgewichen werden. Somit soll ab sofort die 3G-Regelung wieder streng eingehalten und nach Bedarf auch auf das 2G-Modell zurückgegriffen werden.

Von der Testpflicht ausgenommen sind u.a. vollständig geimpfte oder genesene Personen sowie Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.

Was bedeutet das für Kulturveranstaltungen in Sachsen-Anhalt?

Die Öffnung von kulturellen Einrichtungen ist auch mit der neuen Schutzverordnung prinzipiell erlaubt, sofern nicht von der Testpflicht abgewichen wird. Demnach erhalten nur Menschen Zutritt zu Museen, Theatern, Kinos oder Literaturhäusern, die getestet sind oder einen Impf- oder Genesenennachweis erbringen können.

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Muss der Theaterbesuch bald wieder mit Maske stattfinden? Bildrechte: imago images/Independent Photo Agency Int.

Voraussetzungen für die Öffnung von Kultureinrichtungen sind außerdem die Kontakterfassung der Besuchenden, beispielsweise über die Personalisierung von Tickets und einem Hygienekonzept. In den Innenräumen gilt Maskenpflicht abseits des eigenen Platzes sowie die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern.

So reagieren Kulturschaffende in Sachsen-Anhalt auf die neuen Regeln

Das Theater Magdeburg öffnet im November noch weitestgehend im 3G-Modus. Wie das Theater mitteilte, müssen Zuschauerinnen und Zuschauer über 18 Jahren ab dem 13. November nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Das Haus bietet aber einzelne Vorstellungen wie das Musical "My Fair Lady" bereits im 2G-Modus an. Abstands- und Maskenpflicht könnten hier entfallen, dennoch werde im Saal ein Abstand von jeweils einem Sitzplatz eingerichtet, heißt es auf der Website. Zutritt zu diesen 2G-Veranstaltungen haben demnach nur Geimpfte und Genesene oder derzeit Zuschauerinnen unter 18 Jahren.

"Ab Dezember spielen wir dann konsequent in der 2G-Variante", erklärte Pressechefin Christine Villinger auf Anfrage von MDR KULTUR. Es gebe Zuschriften, in denen Besucherinnen und Besucher ihren Unmut ausdrücken, einige zur 2G-Regel, andere zum 3G-Modus: "Wir verstehen beide Positionen, möchten einerseits niemanden ausschließen, spüren aber auch den Frust der Geimpften, die aufgrund der geringen Platzkapazität bei 3G keine Karten mehr erwerben können." Die 3G-Variante bedeute für die Auslastung des Opernhauses, statt der 688 möglichen Plätze aus Vor-Corona-Zeiten nur etwa 230 anbieten zu können, bei 2G seien es 550. Für das Schauspielhaus bedeute die 3G-Regelung, 84 Plätze besetzen zu können, statt 130 bei 2G, von insgesamt eigentlich 199 in Vor-Corona-Zeiten. Die Bildungsangebote blieben in jedem Falle weiter erhalten, so weit es die Pandemielage zulasse, so Villinger. Allerdings sagten bereits erste Schulen aus Sorge von sich aus ab.

Das Anhaltische Theater Dessau möchte so lange wie möglich auch 3G-Veranstaltungen anbieten. Pressesprecherin Franziska Blech begründete dies im Gespräch mit MDR KULTUR mit dem Anliegen, "unseren Bildungsauftrag zu erfüllen": "Wir achten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen 3G- und 2G-Angeboten." Das Nordharzer Städtebundtheater gab indessen bekannt, dass ab dem 13. November für alle Vorstellungen die 3G-Regel gelte. Somit benötigen nicht-geimpfte Besucherinnen und Besucher einen negativen Antigen- oder PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Im Theater würden nach wie vor die Abstandsregeln gelten. Bis zum Platz sei das Tragen einer Maske verpflichtend, die auf dem Sitzplatz abgenommen werden dürfe.

Außenansicht Moritzburg Kunstmuseum Halle.
Im Kunstmuseum Moritzburg Halle gilt 3G Bildrechte: Falk Wenzel

3G gilt ab Montag, 15. November in den Museen, die zur Kulturstiftung Sachsen-Anhalt gehören. Beim Museumsbesuch ist demnach ein amtliches Zertifikat über den vollständigen Impfschutz (mindestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung), der Genesenenstatus (Zeitraum ab 28 Tagen bis sechs Monaten nach Genesung) oder ersatzweise ein negatives Testergebnis (max. 48 Stunden alter PCR-Test bzw. max. 24 Stunden alter Schnelltest) vorzuweisen – zusammen mit einem gültigen amtlichen Lichtbildausweis. Ein Selbsttest zu Hause oder vor Ort wird nicht akzeptiert. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Testpflicht ausgenommen. In den Museen muss eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Die Museen der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt sind:
Jagdschloss Letzlingen, Dommuseum Ottonianum Magdeburg
Domschatz Halberstadt, Kloster Michaelstein
Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg, Burg Falkenstein
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Schloss Neuenburg, Schloss Goseck

Michael Conrad, Betreiber des Magdeburger Clubs "Insel der Jugend", vor seinem Club
Michael Conrad, Betreiber des Magdeburger Clubs "Insel der Jugend", vor seinem Club Bildrechte: Leonard Schubert

Keine andere Möglichkeit, als auf 2G umzuschwenken, sieht der Inhaber des Magdeburger Clubs "Insel der Jugend", Michael Conrad. Im Gespräch mit MDR KULTUR kritisiert er "die vielen Soll- und Kann-Bestimmungen" der neuen Verordnung. Zweifellos müsse angesichts der explodierenden Zahlen gehandelt werden, die Politik wälze die Verantwortung aber auf die Veranstalter ab. Nach der alten Verordnung war in seinem Club bei 3G eine Auslastung von 60 Prozent möglich, jetzt kommen Maske und Abstandsgebot dazu. Bei 2G darf 100 Prozent ausgelastet werden, ohne Maske und Abstandsgebot. "Mir wäre am liebsten, alle könnten kommen", so Conrad: "Aber getestet, ob geimpft oder ungeimpft." Der Betrieb laufe gerade mal seit eineinhalb Monaten wieder, habe sich stabilisiert, bei weniger Besucherinnen und Besuchern. Viele hätten immer noch Angst. Die neue Verordnung so schnell umzusetzen, stelle die Clubs angesichts bereits vorverkaufter Tickets vor große Probleme. Nach wie vor fehlten den Clubs Ansprecherpartner in der Politik, obwohl sie inzwischen doch laut Bundestagsbeschluss vom Mai 2021 anerkannte Kulturorte sind.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. November 2021 | 07:30 Uhr

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