Jubiläum 30 Jahre Chemnitzer Filmwerkstatt: Preisgekrönte Nachwuchsschmiede

Pünktlich zum Jubiläum wurde die 1991 gegründete Chemnitzer Filmwerkstatt von der DEFA-Stiftung mit dem Förderpreis für junges Kino ausgezeichnet. Seit nun mehr 30 Jahren können Jugendliche in dem Verein mit Sitz im Clubkino Siegmar ihre eigenen Filmideen umsetzen. Doch der jüngst vergebene Preis der DEFA ist längst nicht der einzige Erfolg, den die Nachwuchsschmiede aus Chemnitz vorzuweisen hat. 

Die Fassade eines Hauses mit der Leuchtwerbung "Clubkino" und Schaukästen mit Filmplakaten.
Die Chemnitzer Filmwerkstatt hat im Clubkino Siegmar ihr Domizil. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Seit 30 Jahren können Jugendliche in die Chemnitzer Filmwerkstatt kommen und eigene Filmideen umsetzen. Dabei haben sie die Möglichkeit, sich hinter der Kamera oder beim Schnitt auszuprobieren, lernen aber auch, wie man Regie führt oder ein Drehbuch schreibt.

Erfolge in 30 Jahren Chemnitzer Filmwerkstatt

Den Jugendlichen zur Seite stehen in der offenen Werkstatt, ebenso wie in Workshops, eine Reihe erfahrener Filmemacherinnen und -macher sowie Medienpädagoginnen und -pädagogen, von denen wiederum viele selbst in der Chemnitzer Filmwerkstatt angefangen haben und gern für einzelne Projekte dahin zurückkehren.

Zwei Männer stehen neben einem Projektor und schauen lächelnd in die Kamera.
Mitgründer der Chemnitzer Filmwerkstatt Ralf Glaser und Filmemacher Jan Soldat Bildrechte: Nora Große Harmann/MDR

Daran lässt sich der Erfolg der Chemnitzer Filmwerkstatt bei der Nachwuchsförderung ablesen, denn inzwischen findet man an allen Filmhochschulen in Deutschland, sei es an der Filmakademie Baden-Württemberg oder auch an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf" ehemalige Filmwerkstättler. Dazu gehören zum Beispiel die Filmemacher Olaf Held und Jan Soldat, die Editorin Jana Teuchert, der Kameramann Thomas Beckmann sowie der Sounddesigner Erik Wiesbaum.

Außerdem kann man seitens der Chemnitzer Filmwerkstatt auf zahlreiche erfolgreich auf Festivals gelaufene und ausgezeichnete Filme verweisen. So erhielt die Filmkünstlerin Beate Kunath, jahrelange Mitarbeiterin der Chemnitzer Filmwerkstatt, für "Forbidden Fruit" auf der Berline 2001 den Teddy Award und der Dreiminüter "Short Film" von Olaf Held wurde 2013 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Ursprünge im Undergroundfilm der DDR

Die Wurzeln der Chemnitzer Filmwerkstatt reichen bis in die 1980er Jahre hinein. Damals hatten sich drei junge Männer aus dem Umfeld der freien Karl-Marx-Städter Kunstszene zusammengetan und eigene Filme gedreht: Claus Löser, Ralf Glaser und Lutz Zoglauer. Vom offiziellen Filmschaffen, dem der DEFA, aber auch dem der staatlich geförderten Amateurfilmstudios, waren sie weit entfernt, ihr erklärtes Ziel war: Underground.

Mit ihren Filmen sind sie durch Galerien und private Wohnzimmer quer durch die DDR getourt, weshalb die Dreigruppe verständlicherweise unter Beobachtung der Staatssicherheit stand. Kulminiert ist die Situation 1986, als Claus Löser in Karl-Marx-Stadt ein Filmfest des unabhängigen Films veranstalten wollte. Das fand, wenn auch anders als geplant, in einer privaten Wohnung mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern aus der gesamten Republik statt. Die Konsequenz jedoch war eine Wohnungsdurchsuchung bei ihm einige Tage später, bei der unter anderem der gemeinsame Film "Nekrolog" beschlagnahmt wurde. Jahre später, als sich die DDR bereits in Auflösung befand, hat Claus Löser ihn dann zurückbekommen. Nichtsdestotrotz drehten er, Ralf Glaser und Lutz Zoglauer weiter zusammen Filme.

Die drei Säulen der Chemnitzer Filmwerkstatt

Zu Beginn der 1990er Jahren waren Ralf Glaser und Lutz Zoglauer in Chemnitz in ein Filmprojekt mit der Medienwerkstatt "Counter Image" aus Manchester involviert. Das war letztlich die Geburtsstunde der Chemnitzer Filmwerkstatt. Ein Verein wurde gegründet und neben den eigenen Filmproduktionen bildete bald auch die medienpädagogische Arbeit mit Jugendlichen einen Schwerpunkt. Heute ist das ein Selbstläufer, aber angefangen hatte es für das Team mit Klinken putzen bei Jugendklubs und Schulen.

Seit 1996 betreibt die Chemnitzer Filmwerkstatt zudem das Clubkino Siegmar und hat dort auch seit vielen Jahren ihr Domizil. Eine perfekte Allianz, denn auf der Leinwand dort laufen nicht nur aktuelle Arthousefilme, sondern immer auch die neuesten Produktionen aus dem eigenen Haus.

Mehr Informationen Chemnitzer Filmwerkstatt
Zwickauer Straße 425
09117 Chemnitz

Das Kino bleibt ab dem 22. November 2021 aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen geschlossen. Die Maßnahme gilt vorerst bis zum 12. Dezember 2021.

Die Jugendarbeit kann uneingeschränkt unter Einhaltung unseres Hygienekonzepts weitergeführt werden. Alle Projekte können wie geplant stattfinden.

Kunst und Kultur aus Chemnitz

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Dezember 2021 | 07:40 Uhr

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